GEDICHT August 2008

Ich forschte bleichen Eifers nach dem Horte
nach Strofen drinnen tiefste Kümmernis
und Dinge rollten dumpf und ungewiss -
da trat ein nackter Engel durch die Pforte:

Entgegen trug er dem versenkten Sinn
der reichsten Blumen Last und nicht geringer
als Mandelblüten waren seine Finger
und Rosen - Rosen waren um sein Kinn.

Auf seinem Haupte keine Krone ragte
und seine Stimme fast der meinen gleich:
Das schöne Leben sendet mich an dich
als Boten: während er dies lächelnd sagte

Entfielen ihm die Lilien und Mimosen -
und als ich sie zu heben mich gebückt
da kniet auch ER - ich badete beglückt
mein ganzes Antlitz in den frischen Rosen.

Stefan George

 

GEDICHT Juli 2008

Manche Menschen sehen die Dinge, wie sie sind, und fragen:

„Warum?“

 

Ich träume von Dingen, die es noch nie gegeben hat, und frage:

„Warum nicht?“

(George Bernard Shaw)

 

GEDICHT Juni 2008

Ich bin den andern Weg gegangen

Was soll ich um mein Leben rechten?
Ich hab gewagt, hab nicht gefragt,
ob`s gut ist, wenn man alles wagt,
und ob die Taten Zinsen brächten!

Bequemer wäre es gewesen,
den Kopf zu senken, klug zu lächeln,
die Knie verrenken, Demut fächeln
und kein verbotenes Buch zu lesen.

Die Möglichkeit stand häufig offen,
sich wirklich gut und weich zu betten,
den eigenen schönen Kopf zu retten
und auf Beförderung zu hoffen.

Ich bin den anderen Weg gegangen.
Verzeiht - es tut mir gar nicht leid,
obwohl es elend steht zur Zeit.
Wird keiner um sein Leben bangen,

der weiß, wozu er es verwendet,
bedachte, was sein Glaube wiegt.
Er hat am Ende doch gesiegt,
und wenn er auf der Richtstatt endet!

Die Jahre vorher und die Tage -
nicht ihre Zahl, nur ihr Gehalt -
läßt trotzen jeglicher Gewalt,
gewährt uns Kraft in schwerster Lage!

Es leben manche hundert Jahre,
das heißt, sie schlängeln sich dahin.
Gegönnt sei ihnen ihr Gewinn
und eine schöne Totenbahre.

Ich habe heute viel verloren,
wer weiß, verliere noch den Kopf.
Doch tauscht ich nicht mit solchem Tropf,
und würd ich noch einmal geboren!

Ich ahnte, wie die Feinde seien,
erhoffte nie ein leichtes Spiel.
Doch was ich will, ist viel zu viel!
Was soll ich um mein Leben schreien?

Richard Zach
(23. März 1919 - 25. Jänner 1943)

Er absolvierte in Graz die Bundes-
lehrbildungsanstalt. Die Februarkämpfe
politisierten Zach, brachten ihn zu
kommunistischen Jugendgruppen,
in denen marxistisch - leninistisches
Grundlagenwissen vermittelt wurde.
Zach setzte seine politische Aktivität
nach 1938 fort und mußte, nachdem
er kurz als Lehrer tätig sein konnte,
zur Wehrmacht einrücken. Anfang 1941
war Zach wieder Lehrer in Graz und
setzte seine Widerstandstätigkeit fort.
Seine Gruppe verfertigte Streuzettel
und die Zeitung "Der rote Stoßtrupp"
sowie Schulungsschriften. Am
31.Oktober 1941 wurde er verhaftet
und von einem Militärgericht in Berlin
am 18.August 1942 wegen "Wehr-
kraftzersetzung" zum Tode verurteilt
und in Berlin - Brandenburg hingerichtet.
In den eineinviertel Jahren seiner Haft
schreibt der Sohn einer Arbeiterfamilie
wie in einem Schaffensfieber mehrere
hundert Gedichte. Während rund 600
seiner lyrischen "Versuche" und "Skizzen"
mit Schreiberlaubnis verfaßt werden
können und überwiegend "unpolitisch"
anmuten, hinterläßt der Dreiund-
zwanzigjährige etwa 200 Gedichte auf
80 Kassibern: kleinen und kleinsten
Zetteln, die - in die Bünde von
Kleidungsstücken genäht, Besuchern
per Handschlag oder auf andere Art
weitergegeben - in die Freiheit gelangten.

 

 

 

Februar 2008

Fremdling. Immer „edel“

Kastanie. Mutter der Kastagnette

Poesie. Ist ganz und gar unnütz, nicht mehr in Mode.

Taube. Sollte man nur mit Erbsen essen.

Wut. Gut für den Blutdruck; gesund, bisweilen in solche zu geraten.

Zensur. Nützlich! Da kann man sagen, was man will.

Gustave Flaubert (født 12. desember 1821 i Rouen , død
8. mai 1880 i Croisset like utenfor Rouen) var en fransk
forfatter. Flaubert debuterte og fikk sitt litterære
gjennombrudd med romanen Madame Bovary .
Den ble først publisert i et tidsskrift i 1856 , og
kommer etter noen år ut i bokform. Flaubert er en av
den franske realismens fremste representanter.
Gustave Flaubert tilhører naturalismen i litteraturen.

 

 

Jänner 2008

 

Die Arbeit hoch“ is no z weng;

so hoch, dass i s garnet dergleng!

Aus: Lockergedichte, Freibord, Wien, 1983

Andreas Okopenko , geboren am 15. 3. 1930 in Kosice (Slowakei), lebt seit 1939 in Wien.
Seit Ende der 1940er Jahre erschienen erste Gedichte, kurze Zeit später kleinere
Prosaarbeiten des Autors in Zeitschriften. 1970 legte Okopenko mit seinem
"Lexikon-Roman einer sentimentalen Reise zum Exporteurtreffen in Druden" einen
Avantgarde-Klassiker vor, mit Büchern wie "Meteoriten" (1976) und "Kindernazi" (1984)
setzte er die avancierte literarische Formgebung auch auf einer politisch-biographischen
Ebene um. Okopenko ist als Herausgeber (u. a. der legendären Zeitschrift "publikationen
einer wiener gruppe junger autoren" [1951-1953] sowie der Schriften von Ernst Kein und
Hertha Kräftner), als präziser Beobachter des österreichischen Kulturbetriebes sowie als
Verfasser pointierter literarischer Kleinformen ("Lockergedichte", "Traumberichte") bekannt.

1998 wurde dem Autor der Große Österreichische Staatspreis für Literatur zugesprochen.