Wir grüßen zum Internationalen Gewerkschaftstag am 7. Oktober 2008 die KollegInnen der SOC-SAT,
http://www.soc-andalucia.com/
Diese andalusische LandarbeiterInnengewerkschaft setzt sich für die sozialen Rechte von LandarbeiterInnen ein und setzt antirassistische Aktivitäten wie die offensive Unterstützung papierloser MigrantInnen in der agrarindustriellen Obst- und Gemüseproduktion Südspaniens. Diese doppelte Ausrichtung der SOC-SAT ist in Europa nahezu einzigartig und verdient unsere Beachtung und Unterstützung.
Die Unabhängigen GewerkschafterInnen im Österreichischen Gewerkschaftsbund sind sich dessen bewusst, dass die aktuelle europäisch-globale Agrarpolitik verheerende Auswirkungen für die Zukunft unserer Erde insgesamt haben kann:
- Für die kommenden Jahre scheint das Verschwinden kleinbäuerlicher Betriebe in ganz Europa vorprogrammiert zu sein.
- Das Heer der rechtlosen ArbeitsmigrantInnen in der Landwirtschaft wächst, in manchen Produktionsregionen sind Zehntausende unter prekärsten Bedingungen beschäftigt und die Fälle von Missachtung der fundamentalsten Rechte dieser Menschen nehmen besorgniserregend zu.
- Mit aller Entschiedenheit ist abzulehnen, dass im Kapitalismus auch die Produktion von Nahrungsmitteln nur der Logik der Gewinnsucht gehorcht und „niedrige“ Preise für landwirtschaftliche Produkte auf Kosten der Lohnabhängigen erzielt werden.
- Im weltweiten Einzelhandel kommt es zu enormen Konzentrationstendenzen, Supermarktketten haben eine geradezu aberwitzig anmutende Macht erlangt. Preisdiktate setzen nicht nur ProduzentInnen, ZuliefererInnen und KonsumentInnen massiv unter Druck, sondern auch Behörden bis hin zu den GesetzgeberInnen.
- Ohne die billige und flexible Arbeitskraft von migrantischen LandarbeiterInnen wäre das alles überhaupt nicht denkbar. Ihre dramatische Situation ist offen in den Blick zu nehmen: die gezielten Rekrutierungsstrategien, mit denen sie zwischen den Kontinenten hin- und hergeschoben werden; die Gründe, weshalb sie aufbrechen; die katastrophalen, ja tödlichen Bedingungen auf den Flucht- und Migrationsrouten; nicht zuletzt die fremdenfeindlichen Verhältnisse in den Aufnahmegesellschaften, die zu krassen und verstörenden Arbeits- und Lebensbedingungen von MigrantInnen in Europa führen.
Um der globalisierten neoliberalen Dampfwalze Einhalt zu gebieten, gilt es die Kräfte, Synergien und Erfahrungen aus den verschiedenen Kämpfen in neuen Netzwerken zu bündeln und unsererseits die Solidarität zu globalisieren. Nur so kann es gelingen, auch für die Zukunft eine sozial und ökologisch nachhaltig orientierte europäische Gemeinschaft zu erhalten.
Die Unabhängigen GewerkschafterInnen stellen sich gegen den Ausverkauf sozialer Rechte durch Politik und Konzerne, wir wollen uns einbringen in Kooperationsprojekte entlang so genannter Wertschöpfungsketten, wir öffnen uns der Debatte um die von antirassistischer Seite eingebrachte Forderung nach globaler Bewegungsfreiheit. Für die Unabhängigen GewerkschafterInnen steht fest, dass existenzsichernde Einkommen und Rechte der ArbeitnehmerInnen und ArbeitsmigrantInnen nur noch in europaweit koordinierter gewerkschaftlicher Zusammenarbeit erstritten werden können.
Die andalusische LandarbeiterInnengewerkschaft SOC (Sindicato de Obrer@s del Campo) hat im Rahmen des Netzwerks “Solidarisches Europa” – ein Programm für Informationsaustausch, Begegnung und Ausbildung ins Leben gerufen. Das Programm setzt sich zum Ziel, landwirtschaftliche SaisonarbeiterInnen, kleinbäuerliche Organisationen, Gewerkschaften und NGOs zu vernetzen, die sich für die Grundrechte der einen wie der anderen einsetzen.
Die Broschüre "Peripherie & Plastikmeer. Globale Landwirtschaft - Migration - Widerstand" thematisiert die Lebens- und Arbeitsbedingungen von MigrantInnen in der europäischen Landwirtschaft. Feedback zur Broschüre, Hinweise zu Links sowie Buchbestellungen, Unterstützungserklärungen, Infos zur Verwendung von Solidaritätsbeiträgen für die SOC-SAT bzw. Ideen zu gemeinsamen Veranstaltungen und Aktionen zum Thema sind jederzeit willkommen und können an folgende Adresse gerichtet werden: plastik.meer@reflex.at
Die Unabhängigen GewerkschafterInnen im Österreichischen Gewerkschaftsbund zum 7. Oktober 2008