GEDICHT März 2009

Arno Holz: Neue Dafnis-Lieder. Dresden 1922

Duo-Quodlibet (Auszug)

Ja, ich verging vor Lust
an manches Weibes Brust!
Mehr galt mir als das beste Buch
ein quer verschobnes Busen-Tuch!
Kein Tulpen-Atlas war so zart,
als ihr, zwei Schwestern, gleich-gepaart!
Ihr Ruttschgens ganz aus Seide
wart meine Augen-Weide!
Kleine, schnell versetzte Küsse
schmeckten mir wie Bompur-Nüsse,
wobei lechzend meine Hand,
ach, ich weiß nicht wo verschwand!

Nachstehente schlächte Versche schrieb er for Die, an die er sein Hertz gehänckt. Ode

Liebstes Seelchen!
For dein Kälchen,
hebstu deines
Stimmleins Schall,
fleucht darvon
die Nachtigall.

Mit nur lauter netten Sachen
weißtu dich beliebt zu machen,
auffgemänckt, das schwartze Hahr,
schöner noch als Dido war.

Deine Augen, deine Hand,
alles ist an dir charmant;
umb dich, mit verlihbtem Lärmen,
nichts als Amouretten schwärmen.

Dihse Lieder nimm als Zeichen,
dass dir Keine zu vorgleichen,
ach, du bist von Kopff zu Fuhs
süsser als aus Zwättschgen-Muhs!

Lihg ich mahl dereinst im Sand,
sprich: Ich hab ihn auch gekant.
Dan, umb meinen Marmol-Stein,
lass Rohsen und Zypressen seyn!

Holz, Arno (*26.04.1863 +26.10.1929)

dt. Dichter u. Dramatiker, einer der wichtigsten Theoretiker des Naturalismus - als sein Hauptwerk gilt der Gedichtband Phantasus (1898). Er lebte und arbeitete zusammen mit Johannes Schlaf, mit dem er theoretische Schriften und Theaterstücke unter dem gemeinsamen Pseudonym Bjarne P. Holmsen veröffentlichte. 1903 schuf er nach dem Bruch mit J. Schlaf den Gedichtband DAFNIS, der bei Reinhard Piper verlegt, sein einziger finanzieller Erfolg wurde. - Grab auf dem Friedhof an der Trakehner Allee in Berlin-Charlottenburg.