GEDICHT Februar 2009
Granatapfelbaum und Zitronenbaum gaben
den Kastagnetten Geburt und Gesang;
die Wärme, die in unserm Blut wir haben,
verlieh ihnen Stimme, verlieh ihnen Klang;
du spürst es durch all deine Adern strömen,
hörst jeden Pulsschlag so laut und so voll,
so mächtig die Kastagnetten ertönen –
ein Feuerwerk ist es, verstehst du es wohl?
Verstehst du die Worte, die sie dir verkünden?
Sie sprechen nur aus, was dein Herz schon erkannt:
"Zitronenbaum, du, ich will dich entzünden,
Granatapfelblüte, steck du mich in Brand!
Wir wollen in glühender Umarmung uns finden,
und dann – bist du Asche, und ich bin verbrannt!"
1862 von Hans Christian Andersen nach intensiv erlebten
Flamenco-Darbietungen in Murcia, Spanien
Andersen war ein intensiv Reisender. 1840/41 kam
er auf dem Weg in den Orient auch nach Wien. In
einer der großen Einkaufsstraßen der Stadt ging
Andersen an der Auslage einer Buchhandlung vorbei,
in der „Ausländische Klassiker“ präsentiert wurden.
Und tatsächlich, mitten zwischen den Büchern von
Florian und Tegnér stand ein Buch von Hans Christian
Andersen! Sofort betrat der dänische Dichter die
Buchhandlung, um zu fragen, was man denn von
Andersen noch vorrätig habe. Der Buchhändler fand
nur eine Ausgabe des „Improvisator“ und reichte den
Roman über den Verkaufstisch. Andersen bemerkte,
dass es sich nur um den ersten Teil des Buches
handelte. Der Buchhändler, leicht verstimmt,
versicherte, der Band enthalte das gesamte Werk.
Und obwohl der rechthaberische Kunde in seiner
fremden Sprache weiterhin widersprach, blieb der
Buchhändler bei seiner Behauptung und erklärte
schließlich laut: „Ich habe es gelesen!“, worauf der
Kunde umgehend erwiderte: „Und ich habe es
geschrieben!“ Erst da verstummte der österreichische
Buchhändler und verbeugte sich vor dem
„ausländischen Klassiker“ in seiner großen,
schlaksigen Erscheinung. Man wird leicht verstehen,
dass Buchhändler seither den Titel „Klassiker“ lieber
erst dann verleihen und solche in ihren Auslagen
präsentieren, wenn deren Autoren bereits verstorben
sind. Da hat der gute Dichter sich schon etwas
gegenüber Zeitgenossen zuschulden kommen lassen.
Man muss ihm aber zugute halten, dass er als erster
dänischer Dichter von 1858 an regelmäßig bis zu seinem
Tod 1875 in der Kopenhagener Arbeitervereinigung aus
seinen Werken las. Und er war berühmt für seinen
mitreißenden Vortrag.
(Teilweise zitiert nach Jens Andersen:
Hans Christian Andersen, eine Biographie aus dem Insel-Verlag)
|