Christliche Gewerkschafter aktiv – nicht für die Interessen der KollegInnen, sondern als VerteilerInnen von Molterers REALSATIRE „Sehr geehrte Lehrerinnen …“
Wien, November 2007
Sehr geehrte Lehrerin!
Sehr geehrter Lehrer!
Es gibt wenige Berufe, die in letzter Zeit so viel im Licht der Öffentlichkeit waren, wie Ihrer. Viele Gespräche mit Lehrerinnen und Lehrern an unterschiedlichsten Schulen sind für mich ausschlaggebend dafür, dass ich Ihnen heute persönlich schreibe.
Lehrerinnen und Lehrer wollen den jungen Menschen, die ihnen anvertraut sind, eine gute Schulzeit und vor allem beste Chancen im weiteren Leben ermöglichen. Sie arbeiten daran mit großem fachlichem und pädagogischem Wissen, oft mit Humor, manchmal mit Strenge. Und immer mit viel Herz.
Aus diesen Gesprächen mit Lehrerinnen und Lehrern weiß ich, dass der Schulalltag für Sie nicht immer einfach ist. Und das hat weniger mit der Organisationsform der Schule zu tun, sondern viel mehr mit geänderten Lebensumständen.
Immer häufiger gibt es Schülerinnen bzw. Schüler, die durch ihr Verhalten das Zusammenleben an der Schule schwieriger machen. Ich will Sie darin bestätigen, Ihre Schülerinnen und Schüler zu fördern, aber auch zu fordern. Die Jugend soll ihren Weg gehen. Einige Wegweiser und Grenzsteine können sie dabei aber gut brauchen. Wer jungen Leuten mit Mitmenschlichkeit und Konsequenz in ihrer Entwicklung hilft, leistet aus meiner Sicht den wichtigsten Dienst an der Gesellschaft, den man leisten kann. Ich weiß, wir alle erwarten sehr viel von Ihnen als Pädagogin bzw. Pädagoge und vor allem als Mensch.
Immer wieder höre ich von Lehrerinnen, Lehrern, Eltern und auch Schülerinnen und Schülern, dass in der Schule oder am Schulweg Kinder und Jugendliche körperlich und seelisch bedroht und einige sogar verletzt werden. Ich bitte Sie alle, hinzuschauen und zu handeln. Gleichzeitig verspreche ich, alles zu unternehmen, um einer derartigen Entwicklung entgegenzuwirken.
Lehrerinnen und Lehrer sind Expertinnen und Experten für die Zukunft der jungen Menschen. Sie meinen es gut, sie stellen den jungen Menschen in den Mittelpunkt ihrer Anstrengungen. Wir Politiker brauchen sie dringend als Begleiterinnen und Begleiter einer verantwortlichen, leistungsbereiten und mitmenschlichen Jugend.
Sie brauchen umgekehrt von uns Politikern Antworten auf offene Fragen und die Bereitschaft, unser Bildungssystem weiterzuentwickeln. Daran arbeiten wir hart. Wir haben in diesem Sinne aktuell fixiert, dass in Zukunft unterschiedliche Modellversuche an Österreichs Schulen unter folgenden Voraussetzungen stattfinden können:
Die Eltern der Sekundarstufe 1 und die Lehrerinnen und Lehrer der betroffenen Schule werden in die Entscheidung einbezogen. Nur mit ihrer Zweidrittel-Zustimmung können Modellversuche beschlossen werden.
Hauptschulen und Gymnasien innerhalb eines politischen Bezirks bleiben auch bei Modellversuchen im Bezirk erhalten.
Jeder Modellversuch wird vom jeweiligen Landesschulrat beantragt und vom Unterrichtsministerium anschließend erlassen. Es werden so von den Ländern unterschiedliche Schulversuche durchgeführt werden.
Jeder Modellversuch wird begleitend evaluiert, damit man auch einen seriösen Vergleich mit der „Regelschule“ anstellen kann.
Modellversuche dauern grundsätzlich vier Jahre.
Ich will, dass Ihre Leistungen als Lehrerinnen und Lehrer die entsprechende Anerkennung in der Öffentlichkeit und vor allem auch in der Politik erfahren. Sie begleiten junge Menschen auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden – keine einfache aber eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe.
Bei allen Rahmenbedingungen, die von der Politik gesetzt werden können, bin ich zutiefst davon überzeugt: Es sind die Lehrerinnen und Lehrer, die unsere Schulen prägen!
Ich bedanke mich bei Ihnen für das, was Sie täglich für unsere Jugend und damit auch für Österreich tun.
Herzliche Grüße
Mag. Wilhelm Molterer , Vizekanzler
Briefkopf: „Vizekanzler Mag. Wilhelm Moltere“+Foto -Anschrift in der Fusszeile: ÖVP 1010 Liechtenfelsgasse 7,