Presseaussendung der Unabhängige GewerkschafterInnen -- 19.1.2009

Maturareform: "work in progress" an einer bildungspolitischen Nebenfront

ÖLI-UG für die Integration individueller Stärken, allgemeiner und fachlicher Bildung und bundesweit verbindlicher grundlegender Kompetenzen in der neuen Reifeprüfung. Vorwissenschaftliche Arbeit, mündliche Prüfungen und die standardisierten Klausuren sollen aufeinander bezogen und abgestimmt werden

Work in progress

Unterrichtsministerin Schmied hat vergangene Woche in Salzburg über die Arbeit an der Maturareform informiert: Die verpflichtende vorwissenschaftliche Arbeit soll nicht nur abgegeben, sondern im Rahmen der mündlichen Matura präsentiert und diskutiert werden, die Zahl der standardisierten schriftlichen Prüfungen wird mit wahlweise 3 oder 4, die der mündlichen mit 3 oder 2 festgesetzt. Damit sind zwei Vorschläge der AHS-LehrerInnen und ihrer Gewerkschaft berücksichtigt worden, ebenso wurde die Zahl der Kernthemen für die verschiedenen mündlichen Prüfungen deutlich eingeschränkt.

Individuelle Bildung - standardisierte Grundfertigkeiten

Ungeklärt ist aber nach wie vor der Stellenwert und der Zusammenhang der "drei Säulen" und damit die tatsächlich angestrebte Qualität der neuen Reifeprüfung. Eine Überbewertung der zentral standardisierten Klausuren gegenüber Facharbeit und mündlichen Prüfungen ist derzeit nicht auszuschließen.

Kompetenz-Standards am Ende der 4. und der 8. Schulstufe wurden bereits eingeführt. Die standardisierte schriftliche Reifeprüfung wird seit einigen Jahren mit vergleichsweise großem Aufwand vorbereitetet. Bei diesen Standard-Überprüfungen geht es nicht um Bildung und Welt- und Selbstverständnis, sondern um Grundkompetenzen, die Voraussetzungen für Bildung, Weiterbildung, Studium und Berufstätigkeit abbilden.

Die Gefahr besteht, dass allgemein- und persönlichkeitsbildende, soziale und emanzipatorische Aufgaben in Deutsch, Mathematik und lebender Fremdsprache zugunsten des Trainings für die Standard-Testungen bzw. für die standardisierten Matura-Teile eingeschränkt werden. Alle nicht-standardisierten, z.T. als schulspezifische Schwerpunkte gestaltete Fächer würden als "weniger wichtig für einen guten Schulabschluss" abgewertet.

ÖLI-UG für Integration der standardisierten Matura-Teile in ein Gesamtkonzept

Die ÖLI-UG erwartet von der Konkretisierung der Bestimmungen über die mündlichen Prüfungen, dass sie die Einheit der Matura und die Gleichwertigkeit ihrer drei Säulen zum Ausdruck bringen:

Wie die Präsentation der Vorwissenschaftlichen Arbeit soll auch die Kompensation negativer Klausuren im Rahmen der mündlichen Prüfung erfolgen.

Zahl und Umfang der Maturafragen müssen den individuellen und schulspezifischen Bildungsschwerpunkten entsprechen und den realen Möglichkeiten, praktischen Matura-Erfahrungen und unterschiedlichen fachlichen Notwendigkeiten angemessen.

Die Gespräche mit Gewerkschaft und Personalvertretung zur Weiterentwicklung der Ausführungsbestimmungen werden unvermindert weitergeführt. Verhandlungen über die leistungsgerechte Abgeltung der LehrerInnenarbeit in Zusammenhang mit der neuen Reifeprüfung sind umgehend aufzunehmen.

Während an der Durchführungsverordnung seit Monaten gearbeitet wird, hat die Novelle des Schulorganisationsgesetzes, die standardisierte Matura-Teile ermöglicht, den Ministerrat noch immer nicht passiert. Sie soll nach den Vorstellungen Schmieds "im Frühjahr" ins Parlament kommen. Die Verordnung soll vor den Ferien in die Begutachtung.

Gemeinsame LehrerInnenausbildung, gemeinsame Schule als entscheidende Bildungsfragen + nachhaltige Anhebung des Bildungsbudgets.

Standard-Überprüfung, Maturareform und Schul-Monitoring durch das BIFIE sind Baustellen unterschiedlicher Bedeutung und Dringlichkeit. Für eine demokratische, sozial integrative Entwicklung der österreichischen Schule sind andere Baustellen wesentlich: Die gemeinsame Universitätsausbildung aller LehrerInnen, die gemeinsame, ganztägige Pflichtschule, ein kinder- und menschenfreundliches Schulraumprogramm und Bildungsbudgets, die das alles ermöglichen -- mit Qualität und Lebensfreude!

Rückfragen: Reinhart Sellner,
Vertreter der ÖLI-UG in der AHS-Gewerkschaft der GÖD -
reinhart.sellner@blackbox.net
Tel. 01 407 09 85