Wien, 4. Mai 2007

"Die Arbeitszeitflexibilisierung ist da - wo bleibt die Arbeitszeitverkuerzung?"
Kritik der Unabhängigen GewerkschafterInnen der AUGE an Sozialpartnereinigung zu Arbeitszeiten: "Ziel Vollbeschaeftigung einmal mehr konterkariert!"

Wien (OTS) - Auf weitgehende Ablehnung stoesst die Sozialpartnereinigung zur Arbeitszeit bei den Unabhängigen GewerkschafterInnen. "Mit der moeglichen Ausweitung von Ueberstundenarbeit im Ausmass von 12 Stunden taeglich, 60 Stunden woechentlich von 12 auf bis zu 24 Wochen im Jahr steigt der Druck auf die einzelnen Beschaeftigten laenger und mehr zu arbeiten. Das geht auf Kosten von Gesundheit, Freizeit und Lebensqualität der Beschaeftigten. Dadurch werden auch keinerlei Anreize geschaffen, neue Jobs in den Betrieben zu schaffen. Und das konterkariert klar das Ziel der Vollbeschaeftigung und widerspricht auch allen bisherigen Gewerkschaftsbeschluessen, Arbeitszeitflexibilisierung gegen Arbeitszeitverkuerzung abzutauschen - was tatsaechlich zu mehr Arbeitsplaetzen fuehren wuerde," kritisiert Markus Koza, Bundessekretaer der Alternativen und Gruenen GewerkschafterInnen (AUGE/UG) und Vertreter der Unabhaengigen GewerkschafterInnen (UG) im OeGB Bundesvorstand die heute praesentierte Sozialpartnereinigung.

Kritik an Oeffnung von Einzelvereinbarungen und Staerkung der betrieblichen Ebene Auf besondere Kritik stoesst die Moeglichkeit, die woechentlichen Hoechstarbeitszeiten (12/60) in Betrieben ohne Betriebsrat auch in schriftlichen Einzelvereinbarungen zu verankern: "Damit wird der Druck auf einzelne ArbeitnehmerInnen, noch mehr Ueberstundenarbeit abzuleisten, erhoeht. Aufgrund der kleinunternehmerischen Wirtschaftsstruktur hat die Mehrzahl der Betriebe keine BetriebsraetInnen. Damit nimmt die von den Gewerkschaften stets kritisch beurteilte Verbetrieblichung der Arbeitszeitpolitik immer konkretere Formen an. Dabei sind die oesterreichischen ArbeitnehmerInnen schon heute EU-Ueberstundenmeister, arbeiten Vollzeitbeschaeftigte bereits durchschnittlich 44,1 Stunden woechentlich. 'Arbeitsmedizinische Unbedenklichkeit' als Voraussetzung ist dabei ein durchaus schwammiger Begriff, angesichts der arbeitsmarktpolitischen Realitaeten, wo die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes bei vielen Beschaeftigten dominiert wird dieser wohl sehr weit ausgelegt werden," so Koza weiter.

Mehrstundenzuschlaege bei Teilzeitarbeit - richtiger Schritt aber zu wenig

Prinzipiell begruesst wird die Mehrstundenzuschlagsregelung fuer Teilzeitbeschaeftigte. "Der Zuschlag von 25 % kann allerdings nur ein erster Schritt sein. Mittelfristig muessen Mehrstunden bei Teilzeitbeschaeftigten wie Ueberstunden behandelt werden, um die flexibel eingesetzte Teilzeitarbeit tatsaechlich einzuschraenken und zu verteuern und damit die Zerlegung von Vollzeitarbeitsplaetzen im billigere Teilzeitjobs einzudaemmen," fordern die Alternativen und Gruenen GewerkschafterInnen.

"Vom Ziel einer gerechteren Verteilung von Arbeit über eine umfassende Arbeitszeitverkuerzung, über den Abbau von Ueberstundenarbeit sind wir jedenfalls wieder einmal mehr entfernt. Die Staerkung der betrieblichen Ebene für Arbeitszeitregelungen wird dagegen den Druck auf die Belegschaften noch einmal erhoehen, insbesondere, wenn es keine starken BetriebsraetInnen gibt. Weiteren Flexibilisierungsmassnahmen sind damit Tuer und Tor geoeffnet. Dass die Arbeitgeberseite sich begeistert zeigt, ist kein Wunder. Von einer win-win Situation für beide Seiten zu sprechen erscheint uns in diesem Zusammenhang geradezu grotesk," schließt Koza.

Rückfragehinweis: Unabhängige GewerkschafterInnen - Alternative und Grüne GewerkschafterInnen
Markus Koza, Bundesekretär, Tel: 0676/951 27 82
Internet: http://www.auge.or.at