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Oberösterreichische Nachrichten,
14. Oktober 1999
(Auszüge inklusive Original-Namensfehler)

 

Die Hauptbühne muss wieder in den Betrieben stehen

 

(...) "Ich fürchte, der Wandel kommt im Eilzugstempo, nur wir reagieren schleichend", sagte Alfred Bartecky von den Unabhängigen Gewerkschaftern (UG). Wandel bedeute Jobs auf Zeit, Kinder, die nie wieder einen lebenslangen Arbeitsplatz haben würden, zusammengefasst "Unsicherheit". "Wir müssen diese Art des Wandels als Gewerkschaftsbewegung mit allen Mitteln zu verhindern suchen".

Heuchelei beklagt

Auch anderen ist der ÖGB zu zahm, zu gremienorientiert, zu wenig kämpferisch. Irgendwo sei es "eine Heuchelei", von Gewerkschaftsseite dem verlorenen kollektiven Bewusstsein der Arbeitnehmer nachzutrauern, meint etwa Paul Kolm von der Gewerkschaft der Privatangestellten. Daran habe auch die Gewerkschaft "ein gerüttelt Maß an Verantwortung", denn: "Wir bieten den Mitgliedern keine Mitgestaltungs- geschweige denn Mitentscheidungsrechte". Veränderte Lebensverhältnisse würden aber auch veränderte Menschen bedingen.
45 Prozent der Arbeiterschaft hätten bei der Nationalratswahl einer rechtsextremen Partei zugesprochen, einer Partei, die wiederum diese Stimmen gegen die Gewerkschaft instrumentalisiere, "obwohl wahrscheinlich nicht wenige Gewerkschaftsmitglieder darunter sind", so Kolm.Auch hier habe der ÖGB "ein gerüttelt Maß an Verantwortung". Denn ähnlich wie große Firmen, die mit einem Unternehmensleitbild oft mehr zudecken als erhellen würden, müsse man sich fragen, ob dieser ÖGB mit seinen Leitlinien geeignet sei, "die Massen zu wecken, sich zu bewegen, sich zu engagieren". (...)

Kleine Haiders

Eine klare Sprache forderte Fritz Keller, ebenfalls von den Unabhängigen Gewerkschaftern, gegenüber der F-Gewerkschaft. Da sei der ÖGB nicht offensiv genug vorgegangen. Verabsäumt sei es auch worden, "den kleinen Haiders, die auch in unseren Reihen herumkriechen, zu sagen, was Sache ist". Diese Leute seien nicht länger "an unseren Biertischen, an unseren Kaffeehaustischen" zu dulden.
Und auf der anderen Seite mache sich der Gewerkschaftsbund viel zu wenig stark für ausländische Arbeitnehmer - derzeit 257.689 an der Zahl. Diese hätten keine Vertretung in den Betrieben. Die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten kenne den Unterschied zwischen in- und ausländischen Arbeitnehmern nicht. Auch der ÖGB könnte daher etwas tun - "wer hindert uns daran?", fragte Keller. Und meinte weiter: " 257.689 potenzielle Mitglieder sind in Zeiten, wo ein Mitgliederrückgang zu verzeichnen ist, auch kein zu verachtendes Argument".
Die Menschen müssten wieder dabei sein wollen, daran sollte die Gewerkschaftsbewegung arbeiten, so Bartecky. "Wenn die Außenwahrnehmung nur mein persönliches Problem ist, dann schick's mi in Therapie, wenn was dran ist, müssen wir was dagegen tun. Ich möchte mich nicht dafür genieren müssen, dass ich Gewerkschafter bin".
Bartecky stört auch, dass die intern verordnete Gremienreform "nahezu nicht gelungen" ist. Und dass in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) eine Fraktionsordnung "zur Verhinderung der Anerkennung von Fraktionen" beschlossen worden ist. Auch in der GÖD sollten die Unabhängigen Gewerkschafter eine Chance bekommen.

 

Bestes Medienecho

... P.S. und habt ihr schon gehört, wie toll die winzig kleine UG-Truppe beim ÖGB-Kongress aufgetreten ist? Wir hatten drei von 360 Delegierten und waren mit ca. fünfzehn von zweitausend Leuten dort vertreten. Aber die meisten Wortmeldungen und ich denke auch das beste Medienecho hatte die UG.

Und es wird Folgen haben: GÖD-Präsident Neugebauer hat in abendlichen Gesprächen schon Zugeständnisse gemacht. Zuerst nur, dass beim nächsten Gewerkschaftstag 2001 die UG anerkannt wird, dann aber, dass es schon viel früher sein könnte, da ja unser Richard Koller im GÖD-Vorstand ist und in den Statuten auch steht, dass die Fraktionen im Vorstand vertreten sind ... Wir werden sehen.

Ach ja, warum wurde er weich? Ich glaube, es war die großartige Idee, dass jede Rede eines oder einer UG-Rednerin mit dem Satz endete "Im übrigen bin ich der Meinung, dass die Gewerkschaft öffentlicher Dienst die Unabhängigen GewerkschafterInnen endlich als Fraktion anerkennen muss."

Aus einem Rundschreiben von Gary Fuchsbauer.