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Aus den Diskussionsbeiträgen der UGlerInnen:

 

Heilige Kuh Sozialpartnerschaft

Von Renate Schön. >>  Info zur Autorin 

 

... Es ist zwar unangenehm, zu so fortgeschrittener Stunde über die heilige Kuh der Sozialpartnerschaft zu reden, aber es muß sein.
Die Politik der Sozialpartnerschaft führt unserer Meinung nach zu einem Entmündigungs- und Entdemokratisierungsprozeß in der Gewerkschaft.

Um mit dem sogenannten Partner verhandeln zu können, sind Spielregeln unverzichbar. Das heißt: Der Partner muß sich bewußt sein, daß das verhandelte Ergebnis in den eigenen Reihen durchgesetzt wird und hält. Die Verhandlungen finden auf oberster Ebene statt, sind geheim, für die Betroffenen also oft nicht nachvollziehbar und werden von Experten geführt.
So hat sich ein Zustand entwickelt, den wir heute beklagen. Immer mehr Mitglieder, von Nichtmitgliedern bzw. Ausgetretenen gar nicht zu reden, empfinden, daß sie nicht mitgestalten können und die Gewerkschaft wird auf ein Dienstleistungsunternehmen reduziert. Sie fühlen sich für die Gewerkschaftsbewegung nicht verantwortlich und Versicherungen sind woanders günstiger.

Und so haben wir heute eine Situation, wo nur mehr zwanzig Prozent in den Betrieben Gewerkschaftsmitglieder sind, 46 Prozent der ArbeiterInnen, die zur Wahl gegangen sind, einer Partei gefolgt sind, die gewerkschaftsfeindlich ist und deren Ziel es ist, den ÖGB zu zerschlagen u. a. durch die Gründung einer eigenen Gewerkschaft. Dazu kommt noch ein neues Denken. Vor zwanzig Jahren war es noch klar, daß der Unternehmer auf Kosten der ArbeitnehmerInnen verdient. Heute stellt sich jede Arbeitnehmerin die Frage "Kann die Wirtschaft das verkraften"?
Die Wirtschaft fragt sich allerdings nicht "Können wir Leuten eine geringfügige Beschäftigung oder eine kapazitätsorietierte variable Arbeitszeit zumuten? Ist es zumutbar, daß Menschen rund um die Uhr arbeiten, von Mindestlöhnen leben müssen etc.etc ....

 

Sicherheit in der Unsicherheit?

Von Alfred Bastecky. >> Info zum Autor 

 

Sicherheit im Wandel - mich irritiert dieser Titel, seit ich ihn das erste Mal gelesen habe. Als gelerntem Wiener fällt mir zuerst das Wort "wandeln" ein. Im Sinne von "hin und hergeschleudert werden". Also: Sicherheit beim Hin- und Hergeschleudertwerden? Oder auch die Bezeichnung "wandeln" für das Anschlagen eines Bobs an die Seitenwände einer Eisrinne. Wodurch der Bob Fahrt verliert und keine Siegeschancen mehr hat. Ein bißchen ernsthafter: was sind die Merkmale dieses Wandels? Jobs auf Zeit, Teilzeitarbeit, prekäre Arbeitsverhältnisse, Heimarbeit u.s.w. All das könnte man mit dem Wort "Unsicherheit" umschreiben.

Was heißt also unser Motto übersetzt: Sicherheit in der Unsicherheit? Wir haben schon Gescheiteres formuliert. Diesen Spagat werden wir nicht hinkriegen. Es geht nicht darum, flankierende Maßnahmen zu diesem Wandel auszuhecken und sozialpartnerschaftlich zu verhandeln. Es geht nicht darum, dem Kapitalismus seinen Turbolader ein bißchen abzuschwächen.
Ich bin überzeugt davon, daß die Gewerkschaftsbewegung aufgerufen ist, diesen Wandel gesellschaftpolitisch fundamental zu bekämpfen. Und zwar nicht nur in Resolutionen. Die werden sonst das Schicksal unserer anderen langjährigen Beteuerungen erleiden ...

... Ich komme zum Schluß und zu einem sehr persönlichen Identitätsproblem: wenn mich heute jemand fragt, was ich von Beruf bin, habe ich im Gegensatz zu meinen früheren Berufen als Journalist und Sozialarbeiter ein ungutes Gefühl, wenn ich antworte: ich bin freigestellter Gewerkschafter und Personalvertreter. Die non-verbale Reaktion meines Gegenübers könnte bedeuten: der lebt von unserem Geld; der redet nur und tut nichts; wenns drauf ankommt, sind wir eh verraten und verkauft; außerdem ist er sicher im Sold einer Partei und macht im Ernstfall der Regierung die Mauer ...
Wenn das, wenn diese Außenwahrnehmung nur mein Problem ist, dann schickt mich in die Therapie. Wenn nicht, wenn auch manche von euch das Gefühl haben, unser Image ist zu recht nicht das Beste, dann tun wir etwas für eine Veränderung.

Ich will mich nicht immer ein bißchen klammheimlich genieren, wenn ich sage, daß ich Gewerkschafter bin. Oder unheimlich viel Erklärungsbedarf haben. Wenn ich sage, ich bin Gewerkschafter, dann will ich, daß die Menschen assoziieren:

- der vertritt konsequent unsere Interessen
- der mauschelt nicht mit den Mächtigen
- der wettert nicht gegen den Sozialabbau und beschließt ihn dann mit
- der ist wirklich unabhängig von Parteien und Verbänden
- wieso bin ich eigentlich noch nicht beigetreten?

Arbeiten wir daran, daß unser ÖGB so wird, daß die Menschen so auf ihn reagieren. Glück auf!

 

Unerträglicher Fremdenhass

Von Fritz Keller. >> Info zum Autor 

 

... Kolleginnen und Kollegen! Warum ich euch dieses Manifest (Anm. d. Red: Manifest von österreichischen Kulturschaffenden gegen menschenverachtenden Populismus und Ausländerfeindlichkeit) zur Kenntnis bringen wollte, hat zum einen den Grund, daß unter uns einige GenossInnen/KollegInnen sitzen, die helfen können, dieses Manifest umzusetzen und zu verwirklichen. Ein anderer Grund ist, daß dieses Manifest eine sehr klare und deutliche Sprache spricht, die ich bei manchen KollegInnen und im ÖGB-Verhalten gegenüber einer Gruppe vermißt habe, die sich in den letzten Jahren in diesen ÖGB hineingedrängt oder von außen auf diesen ÖGB Druck auszuüben versucht hat ...

... Wir haben es auch verabsäumt - und das betrifft uns alle, da schließe ich meine kleine Fraktion, die Unabhängigen GewerkschafterInnen, nicht aus, den kleinen Haiders, die auch in unseren Reihen und in allen Fraktionen herumkriechen, einmal klar zu sagen, was Sache ist und daß das, was sie da aufbereiten, ein menschenverachtender Rassismus ist. Ein Rassismus, eine Fremdenfeindlichkeit, die wir keine Minute länger an unseren Kaffeehaus- oder Biertischen dulden wollen ...

 

Horrorvision Krankenhaus

Von Martha Moser. 

 

... Wer sich in seiner Jugend entschlossen hat, sein Leben der Betreuung kranker Menschen zu widmen, der kann sich nur schwer damit abfinden, künftig als Lebensziel die Gewinnmaximierung einer Holding-AG zu akzeptieren ...

Und so stehen wir den neoliberalen Bestrebungen nach Ausgliederung des Wiener Krankenanstaltenverbundes aus verständlichen Gründen ablehnend gegenüber, weil wir nicht glauben, dass anonyme Shareholder an der Milderung menschlichen Leides ein größeres Interesse haben werden, als an der Rendite des eingesetzten Kapitals ...

... Da ging doch tatsächlich vor einigen Tagen, von deutschen TV-Sendern ausgestrahlt, eine Nachricht über die Bildschirme, nach der eine Firma "Medigreif" (den Firmennamen hab ich nicht erfunden!) sich um den Kauf eines Klinikums in Mitteldeutschland, in Mecklenburg-Vorpommern, bemühe. Stellen wir uns einmal vor, so ein Greif hätte sich unser Kaiser Franz Josef-Spital unter die Fänge gerissen und müßte jetzt mit der Sorgfalt des redlichen Kaufmannes zum Wohl der Eigentümer - no na, der PatientInnen? - wirtschaften. Was würde das Unternehmen wohl verändern, um die Kosten zu senken und möglichst hohe Gewinne zu erzielen?
Zunächst würde ein Geschäftsführer den kostenintensiven Konflikt innerhalb der kollegialen Führung, wer wohl für die Anstalt am wichtigsten sei, durch die Ausgliederung eben dieser Kollegialen Führung in den Arbeitsmarkt lösen. Ein kleiner Grundstock an erfahrenem ärztlichem Personal wird bleiben, ebenso einige Medizinisch-Technische und einige Schwestern und Pfleger - schließlich muß jemand das Leihpersonal wenigstens der Form nach beaufsichtigen, um Haftungen auszuschließen. Transportleistungen werden mittels Ausschreibung ebenso an den Billigstbieter vergeben, wie die Küche, die Reinigung und die Materialverwaltung. Die hat ohnedies nur wenig zu tun, weil Medikamente und sonstiger medizinischer Bedarf von der Apotheke gegenüber geliefert werden. Die Portierdienste übernimmt die Wach- und Schließgesellschaft.
Die Verweildauer der Privatzahler wird verlängert, weil der Aufenthalt sowieso von diesen selbst mit der angegliederten Hospital-Hotel-GmbH abgerechnet wird. Kassenpatienten werden, soferne sie eine über die Verabreichung von Aspirin hinausgehende Behandlung benötigen, dem AKH oder (wenn das auch schon privatisiert ist) den Barmherzigen Brüdern überstellt.

Kolleginnen und Kollegen, ich bin überzeugt, dass bei einer Privatisierung der Wiener Krankenanstalten unsere Arbeitsplätze akut gefährdet sind, ebenso, wie ich um das Wohl unsererer PatientInnen fürchte ...