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UG: Konferenz 1995, 1996,
1997, 1998, 1999, 2001,
2003
Kurzprotokoll der UG-Konferenz am 13. Dezember 1997
UG-Konferenz 1997
"Die Zukunft der Arbeit ... und der Gewerkschaften"
Da ein so breites Thema nicht in Kürze umfassend behandelt
werden kann muß zwangsläufig vieles offen bleiben - so
die Einleitung von Paul Kolm zum Referat auf der Konferenz der Unabhängigen
GewerkschafterInnen.

Der Rahmen aller Versuche einer Analyse ist immer noch die kapitalistische
Marktwirtschaft. Diese hat noch immer eine sehr hohe innere Dynamik,
nach wie vor strukturelle Instabilitäten und sie beruht auf
sozialer Ungerechtigkeit, die sie auch ständig neu erzeugt.
Kennzeichnend für die letzten Jahre ist eine Entwicklung,
die man unter "Neoliberalismus" zusammenfaßt, es
handelt sich um einen Abbau, ein Abspecken all dessen, was man in
Europa als Sozialstaat bezeichnet. Es ist keineswegs gleichgültig,
welche Regierungen Politik in den einzelnen Staaten machen, insgesamt
ist aber in der EU der Rahmen zum nationalen Agieren recht schmal.
Es gab und gibt einen strukturellen Wandel innerhalb des Erwerbssystems,
der als "postindustriell" oder auch als "Dienstleistungsgesellschaft"
bezeichnet wird. Handfest sind dabei die Veränderungen der
technischen Basis: Der Computer ist die erste echte Universalmaschine,
kann in fast allen Bereichen eingesetzt werden und Arbeit ersetzen
oder strukturieren, die Informations- und Kommunikationstechnologien
wachsen zusammen in Form von Netzwerken etc. und die Multimedialität
ist nicht nur ein Schlagwort, sie ist eine Tatsache.
So entscheidend die technische Basis ist, sie ist nur ein Moment
der relevanten Veränderungen der Wirtschafts- und Erwerbsstruktur.
Der industrielle Sektor wird zunehmend kleiner, der Dienstleistungssektor
größer, besonders der sekundäre. Die Periode der
zentralisierten Arbeitsorte ist vorbei, Arbeitsorte sind dezentral
und in kleinen Einheiten angelegt. Für Profite ist nicht mehr
entscheidend, daß möglichst viel produziert wird, was
zählt, ist eine neue Form von Flexibilität, der Markt
ändert sich rasch, es gibt fast nur mehr just in time Produktion,
es wird nur mehr auf Bestellung produziert.
Auf der einen Seite beherrschen gigantische Fusionen das Bild.
Multinationale Konzerne und Körperschaften riesigen Ausmaßes
sowohl im Dienstleistungssektor als auch im industriellen Bereich
("Elefantenhochzeiten"). Die andere Seite derselben Entwicklung
ist Ausgliederung und Dezentralisierung. Technische Netzwerke machen
das möglich, insgesamt wird alles immer größer aber
gegliedert in immer kleinere Einheiten, die marktnah operieren müssen.
Diese kleineren Einheiten haben quasi einen einzigen Auftrag: "Macht,
was ihr wollt, aber seid profitabel". Und Profitabilität
ist prüfbar, nicht mehr jährlich, beinahe täglich
durch die neuen Technologien, sodaß rasche Entscheidungen
- auch über das Überleben der kleinen Einheiten - möglich
sind.
Die virtuelle Organisation der Unternehmen, Kooperation in weltweitem
Zusammenhang ohne gemeinsamen Arbeitsort, beginnt erst so richtig.
Die Unternehmensorganisation beeinflußt direkt die Arbeitsorganisation.
In der klassischen Pyramide haben sich noch vor einigen Jahren 7
bis 9 Hierarchiestufen gefunden, heute sind es maximal 3 bis 5.
In der Aufsplitterung in kleine, effiziente Einheiten ist nicht
mehr die Spitze der Pyramide, das Management, mit dem Markt konfrontiert
sondern jede Einheit selbst. Und die Einheiten konkurrieren auch
untereinander. Menschen, die so arbeiten, nehmen beinahe zwangsläufig
unternehmerisches Verhalten an, sie haben eine hohe Arbeitsidentifikation
und stellen sozusagen einen neuen ArbeitnehmerInnentypus dar. Neben
der Stammbelegschaft werden außerdem immer mehr Menschen als
"Randbelegschaft" mit "atypischen" Beschäftigungsformen
engagiert. Insgesamt stehen wir einer Umwälzung in der Typologie
der Beschäftigung gegenüber.
So unterschiedlich die Gewerkschaftsstrukturen in Europa auch
sind, generell kann von einem Rückgang des Gewerkschaftseinflusses
gesprochen werden. In Österreich ist der Organisationsgrad
von 60 Prozent auf etwa 40 Prozent zurückgegangen. Daß sich in Dänemark,
Schweden und Belgien der Organisationsgrad von 60 Prozent auf 80 Prozent erhöht
hat erklärt sich daraus, daß dort die Arbeitslosenversicherung
von den Gewerkschaften organisiert wird. Wer also Arbeitslosengeld
will, der muß bei der Gewerkschaft sein.
Der Organisationsgrad ist aber nicht alles, Frankreich zum Beispiel
hat nur 8 bis 9 Prozent Organisationsgrad aber trotzdem kampffähige
Gewerkschaften.
Bei den europäischen Gewerkschaften gibt es gemeinsame Merkmale:
Jüngere ArbeitnehmerInnen und Frauen sind unterrepräsentiert,
neue Branchen sind fast nicht vertreten und neue Berufe und Tätigkeiten
kaum vorhanden.
Es gibt also in den Gewerkschaften einen strukturellen Reformbedarf.
Branchenzuordnungen sind schon insofern überholt, als daß
Lösungen kollektiver Art schon wegen der Größe und
Differenziertheit der Konzerne nicht mehr getrennt möglich
sind. Die Tendenz der Gewerkschaften zu Fusionen hat aber sehr oft
rein bürokratischen Charakter. Nur eine Demokratisierung kann
neue Gruppen hineinbringen. Die Gewerkschaften bieten keine Plattform
für die Vertretung von Interessen, es müßte viele
neue Angebote geben.
In Österreich wird auf organisatorische Mittel zur Verständigung
über gemeinsame Interessen ganz verzichtet. Das wäre nämlich
der gewerkschaftliche Kampf, bei dem ein Austausch und eine Verständigung
über Interessen und Gemeinsamkeiten möglich wäre.
Darüberhinaus haben die österreichischen Gewerkschaften
zunehmend Schwierigkeiten mit der kollektiven Deutung über
Wirtschaft, Stellung der ArbeitnehmerInnen und so weiter.
Die Zukunft kommt - gefordert ist ein Nachdenken über Alternativen
und Möglichkeiten der Beeinflussung. Nur die Ebene der Kritik
wäre zu wenig, Ohne eine Positionierung zum Steuersystem, zum
Wirtschaftssystem und ohne eine Verstärkung des Einflusses
ist nichts möglich. Eine radikale strukturelle Arbeitszeitverkürzung
ist dringen nötig, das könnte der Focus der nächsten
Zeit sein.
Mitschrift: Lisa Langbein

Konflikt um GE-Namensänderung
Der Nachmittag war der Generalversammlung der UG gewidmet. Es
ging um einen zusammenfassenden Bericht über die Ereignisse
seit der letzten UG-Konferenz, um die Nominierungen für die
ÖGB-Gremien im Gefolge der Fraktionsanerkennung, und um die
Konzeption der weiteren Arbeit in der UG.
Zum Stand der Anerkennung. Neben der
Anerkennung der UG auf ÖGB-Bundesebene, ist die Anerkennung
der Teilorganisation GE (nunmehr AUGE) als Bundesfraktion in der
GPA gelaufen. Die UG-Oberösterreich wurde als Landesfraktion
anerkannt und war bereits mit drei Delegierten bei der ÖGB-landeskonferenz
vertreten. In der GÖD wurde das Anerkennungsbegehren erneuert,
vom ÖGB verlangten wir die Aufnahme von Verhandlungen über
die politischen und ökonomischen Konsequenzen der Fraktionsanerkennung.
Das Thema "Wie weiterarbeiten?"
wurde von Klaudia Paiha moderiert. Im wesentlichen ging es um die
jeweiligen Konsequenzen für die Arbeit in der Variante "UG
als loses Dach" bzw. "UG als politisch handelnde Organisation".
Unter Beachtung der Bereichsautonomie und der basisdemokratischen
Ansprüche wurde längerfristig doch eine Entwicklung in
Richtung eigenständiges politisches Handeln gewünscht.
Überschattet wurde die Generalversammlung von einem nach der
GE-Bundeskonferenz ausgebrochenen Konflikt rund
um die Umbenennung der GE in "Alternative und Grüne
GewerkschafterInnen". Teils heftige Kritik an dieser Entscheidung
wurde bereits via E-Mail geäußert. Z.B. von Reinhard
Sellner, der u.a. schrieb: "Die Argumentation der Parteiunabhängigkeit
der UG gegenüber ÖGB, GÖD u.a.. ist durch diesen
Alleingang von KollegInnen für´s erste diskredidiert,
denen das parteipolitische Interesse der GRÜNEN an grün
ettikettierten Wahlerfolgen wichtiger ist als das auf Überwindung
der parteipolitischen Indienstnahme von Gewerkschaften und AK abzielenden
radikaldemokratischen Konzepte der "Unabhängigen GewerkschafterInnen
für mehr Demokratie Die GÖD-Anerkennung der tatsächlich
überparteilich arbeitenden UGÖD wird durch die Politik
der Grünen GewerkschafterInnen/UG erschwert. Für GE/UG
und KIV, die von GPA und GdG als Fraktionen bereits anerkannt sind
und als in zwei Einzelgewerkschaften verankerte UG seit 19.11.97
auch vom ÖGB anerkannt werden, sind Fraktionsstatus und die
damit verbundenen Mittel für ihre Gewerkschaftsarbeit gesichert.
Die UGÖD wird sich bei ihrem Graufe um die GÖD-Anerkennung
vor allem auf die Solidarität der KIV verlassen - die vormals
GE/UG in der GPA wird mit ihrem, über den Rahmen der GPA weit
hinausgehendes grünen AK-Wahlkampf in nächster Zeit genug
zu tun haben... Bei der Halbjahreskonferenz der "UG im ÖGB"
am 13. Dezember 1997 haben wir nicht GE-lerInnen die Gelegenheit,
die neue Situation zu diskutieren, und zwar nicht nur die der ÖGB-Anerkennung,
sondern auch die der uns auf´s Aug gedrückten Parteifraktion/UG."
Ähnlich äußerte sich auch Karl Fischbacher, der
u.a. schrieb: "Der Bevölkerungskreis, der uns die Parteiunabhängigkeit
nicht mehr abnimmt, wird größer und größer.
Einmal die "Insider, die die Geler Öllinger und
Margulies als Parteigrüne bereits seit langem kennen; und als
Zweites hausverstandsmäßig klarerweise jene, die "...Grüne
GewerkschafterInnen" mit den Parlamentsgrünen identifizieren.
Was sonst? In diesem Sinne bröckelt eine der drei UG-Säulen
gewaltig ...Zurück wieder in der heutigen Realität, bleibt
eigentlich nur zu tun, Risse für die Gesamt UG zu verhindern.
Das heißt meiner Meinung nach (zu verstehen auch als Antrag
an die UG-Konferenz): Der/die Sprecher/Sprecherin der UG bzw. UG-Vertreter/in
im ÖGB-Vorstand soll kein Mitglied der "Alternativen und
Grünen GewerkschafterInnen sein."
Die Problematik wurde auf der Konferenz ausführlich, aber unter
dem Motto "Lassen wir die Kirche im Dorf" diskutiert.
Die Personalentscheidungen: Alfred Bastecky wird als UG-Vertreter
in den ÖGB-Bundesvorstand entsandt, die Beschickung des ÖGB-Bundesfrauenausschusses
bleibt unverändert: Lisa Langbein, Ersatz: Klaudia Paiha.
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