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ÖGB-Kongress 2003
Kommentar
Der Fünfzehnte
Nicht alle Jahre wieder, aber alle vier Jahre
wieder tagt der ÖGB-Bundeskongress. Eröffnung, Begrüßung,
Ehrungen, Reden und das Arbeitsprogramm für die nächsten
vier Jahre. Es hat schon was, so ein voller Saal, eine Videowall
und ein festliches Ambiente.
Von Gerhard Winter. >> Info
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Die Frage ist, ob diese Szenerie einer genaueren Betrachtung
standhält. Am ersten Tag wurde auch die Bundesregierung oder
zumindest Teile davon eingeladen. Schüssel, Grasser, Bartenstein,
Strasser, Khol und wie sie alle heißen - sie nehmen gerne
ein Bad in der Menge. In der Zwischenzeit ist es ihnen, glaube ich
egal, wer sie einlädt. Die Eitelkeit lechzt nach Namensnennung
und Scheinwerferlicht. Sie sind nicht unsere Freunde und sie haben
auch nicht den Anstand, zu den Reden zu applaudieren. Präsident
Verzetnitsch mahnt die Buh-Rufer zur Ruhe. Wenn Regierungsmitglieder
schon eingeladen sind, dann soll man sie auch respektvoll behandeln.
Darüber könnte man reden, wenn diese Regierung gezeigt
hätte, dass sie Respekt verdient. Nur Troopy bringt es in seiner
Rede auf den Punkt: wir hätten sie nicht einladen sollen! Die
Presse wird ihn in einem Artikel vom 16. Oktober 2003 nicht nur
deshalb als "der streitbare Bastecky" bezeichnen. Der beim Kongress
gepriesene "größte Abwehrstreik" wird von Troopy so kommentiert:
"wir sind sang- und klanglos untergegangen. Und es gab nicht einmal
eine Manöverkritik."
Die RednerInnen der UG sind zahlreich, ließe sich das auf
das Wahlverhalten rückrechnen, dann hielten wir eine glatte
Mehrheit. Und auch in der Qualität können sich unsere
RednerInnen sehen lassen, auch wenn viele Besucher den Jahrmarktrummel
rund um den Saal vorziehen. Info-Stände, Geschenkausgabestandeln
sind ja auch etwas schönes!
Nehmen wir uns die Anträge vor. Es sind so viele und alle
sind gut. Es fehlen nur die Angaben, wie diese Ziele erreicht werden
können. Was geschieht, welche Maßnahmen werden ergriffen,
wenn die Forderungen gar nicht auf fruchtbaren Boden fallen. Sollen
sie nur auf Papier stehen? Nur den Zweck erfüllen, beim nächsten
Mal als "bereits gestellte Forderungen" abgelegt zu werden. Das
kanns nicht sein! Oh je - dieser häufigst gestellte Gewerkschaftssatz
bedeutet zumeist, dass es schon ist! Natürlich kann der Kongress
keine Arbeitssitzung sein, aber ein bisserl konkreter könnts
schon sein. Oder glaubt wirklich jemand, eine Forderung wie "Die
Frage der Beweislast ist verbindlich zu regeln. Es müssen jene
Mitgliedstaaten die Beweispflicht haben, die behaupten, durch eine
einzelstaatliche Vorschrift in ihren Rechten aus den WTO-Verträgen
verletzt zu sein." Könnte in Zeiten wie diesen irgendeine Regierung
kratzen?
Die Wahl. Nicht überraschend wird Fritz Verzetnitsch wiedergewählt
und mit standing ovations bedacht. In seiner echten Freude erklimmt
er einen Stuhl und wankt. Der Sessel ist so viel Euphorie nicht
gewohnt und gibt nach. Der gestürzte Präsident erklärt
vom Podium, kein gestürzter, sondern ein gewählter Präsident
zu sein. Karl Klein von der FCG schafft nur knapp die Wahl zu einem
Vizepräsidenten. Er zahlt vermutlich die Zeche für alle.
Für einen in der Pensionsfrage umgefallenen Fritz Neugebauer
aber vielleicht auch für die Bundesregierung.
Lassen wir uns also nicht von Festlichkeit blenden, warten wir
die Zukunft ab. Die spielt sich hoffentlich in den Gremien ab. Der
erste Hauptausschuss der GdG (HG I) fand knapp nach dem Kongress
statt. Ein strahlend neugewählter ÖGB-Vizepräsident
Rudolf Hundstorfer hat für die bevorstehende Harmonisierung
des Pensionssystems für die Wiener Gemeindebediensteten bereits
tröstende Worte wie "ein erlebbares" oder "gestaltbares Minus"
parat. Um es mit den Worten des Krimi Autors Wolf Haas auszudrücken:
"Mehr brauchst du nicht!"
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