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ÖGB-Kongress 2003
Kommentar
Schlecht angelegt
Von Bernhard Redl.
Manchmal werde ich gefragt, warum ich denn nicht Gewerkschaftsmitglied
wäre. Seit dem letzten ÖGB-Bundeskongress habe ich eine
Antwort mehr parat: Weil ich keine Lust habe, eine Organisation
zu unterstützen, deren Vorstellung von Pensionssicherung sich
nur durch ein paar Beistriche von der der jetzigen Regierung unterscheidet.
Der ÖGB hat keine Probleme, mit einer Formel "80-45-65" an
die Öffentlichkeit zu gehen - soll heißen: Man kriegt
gnädigerweise achtzig Prozent Ruhensbezug, wenn man bis zum
Fünfundsechziger fünfundvierzig Versicherungsjahre angesammelt
hat - natürlich bei voller Durchrechnung. Und als Drüberstreuer
lässt man sich dafür auch noch vom Lieblingspensionsexperten
der Regierung, Theodor Tomandl, loben und stellt dieses Lob auf
die ÖGB-Webseite.
Sicher, beschlossen worden ist dieses Paket am Bundeskongress
nicht. Die Tatsache, dass diese Dinge am Kongress zwar diskutiert
wurden, aber kein Konsens erzielt worden war, erfährt man aber
nicht auf der Webseite. Die Reden des Bundespräsidenten und
eines Bischofs darf man dort nachlesen. Debattenbeiträge von
Kongressdelegierten findet man hingegen nicht.
So steht die staatstragende Fiebervision "Österreich-Pension"
des Herrn Verzetnitsch unhinterfragt und Irreführenderweise
als "das Pensionsmodell des ÖGB" auf der Homepage. Und die
Mär von der Unfinanzierbarkeit des bisherigen Pensionswesens
findet ihre Bestätigung durch den doch so regierungskritischen
Gewerkschaftsbund.
Wen wundert es da, wenn sich die Menschen denken, dass ihr Gewerkschaftsbeitrag
vielleicht doch besser als Zuschuss zu ihrer privaten Zusatzversicherung
investiert ist.
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