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ÖGB-Kongress 2003
Kommentar
ÖGB im Übergang
Mein zentraler Eindruck vom Kongress: der ÖGB
befindet sich im "Übergang". Es gab zwar einige Aufbrüche,
ein Umbruch fand jedoch nicht statt.
Von Hermann Dworczak.
Nahezu alle wichtigen Fragen, mit denen die Gewerkschaften
heute konfrontiert sind, kamen zur Sprache: die internationale Offensive
des Neoliberalismus, der massive Sozialabbau, die Versuche, die
Gewerkschaften zu marginalisieren, die "Abwehrstreiks" gegen die
Pensionskürzungspläne von Schwarz-Blau und ihre Grenzen,
die Unerlässlichkeit von bloßen Service- zu Kampforganisationen
umzusteigen ....
Und es waren nicht nur die "stadtbekannten Linken", die dies thematisierten.
Neue Gesichter waren zu sehen, fortschrittliche Positionen standen
nicht blöd im Eck. Von dem grauenhaften Referat etwa von Gertrude
Tumpel-Gugerell zur EU blieb nix über. Sie wurde inhaltlich
demontiert wie ein Christbaum im neuen Jahr.
Gleichzeitig wurden "Leitanträge" des Bundesvorstands präsentiert,
in denen die Entwicklungen des letzten Jahres kaum auftauchen, platteste
Sozialpartnerschafts-Illusionen verbraten werden, ja der Chimäre
nachgejagt wird, man/frau könnte sich über Brüssel
und die EU-Verfassung das zurückholen, was einem/r hierzulande
weggenommen wird.
Beide Argumentationsstränge standen im Raum - unvermittelt
wie zwei Mehlsäcke nebeneinander. "Übergang" trifft die
Situation recht gut. Der Ausgang ist nämlich durchaus offen.
Entweder nach vorne - radikales Umdenken, fundamentale Demokratisierung
des ÖGB, flächendeckende Kampfmassnahmen statt bloßer
Nadelstiche, Schauen, dass der - bemerkenswerte - Antrag der GPA
für "europäische Aktionstage gegen den Sozial- und Pensionsabbau,
die den nationalen Bewegungen und Auseinandersetzungen eine machtvolle,
europäisch synchronisierte Note verleihen" nicht auf dem Papier
bleibt. Sondern via Europäischer Gewerkschaftsbund und Europäisches
Sozialform verwirklicht wird.
Oder ein Roll-Back, Kuscheln mit Wirtschaftskammer-Leitl und Co.,
Stillhalten mit gelegentlichem Dampfablassen für Unzufriedene
und Mitarbeit an einem "starken" Europa, einem dritten, flott aufgerüsteten
imperialen Pol neben den USA und Japan - wofür dann die Gewerkschaften
das Attribut "sozial" beisteuern.
Schlussfolgerung daraus: einmischen, zupacken ist notwendig -
um eben die "Not zu wenden". Weder jammernder Pessimismus noch überschäumender
Optimismus entspricht der Lage. Aktiver, eingreifender Realismus
ist gefragt. Konkret: Aufbau der AUGE/UG mit langem Atem, Zusammenarbeit
allen Gewerkschaftslinken über Fraktionsgrenzen hinweg, kontinuierliche
Mitarbeit im Prozess der Sozialforen:
- November 2003: Europäisches Sozialforum in Paris/St.
Denis
- Jänner 2004: Weltsozialforum in Mumbai/Bombay, Indien
- Juni 2004: Austrian Sozial Forum in Linz.
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