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ÖGB-Kongress 2003
Vorschau
Ist Dabeisein wirklich wichtig?
Langjährige LeserInnen der Alternative werden
sich vielleicht erinnern können: diesen Titel habe ich im Lauf
der Jahre schon zwei Mal verwendet.
Von Alfred Bastecky. >> Info
zum Autor
Erstmals 1986 nach der Landeskonferenz der Wiener Gemeindebediensteten.
Es ging um Kosten, Geschenke und Rituale: "Und wozu dieser Aufwand?
Dafür, dass an diesen zwei Tagen ausnahmslos Entscheidungen
getroffen wurden, die schon vorher feststanden. Wenige Macher in
der Fraktion Sozialistischer Gewerkschafter hatten sie festgelegt.
Und von den SP-Delegierten dachte keiner auch nur im Schlaf daran,
gegen das zu verstoßen, was so verniedlichend ´Fraktionsdisziplin`genannt
wird. Ein hoher Preis für Nichts - finanziert aus den Gewerkschaftsbeiträgen
der Mitglieder."
Es folgte eine Beschreibung der unerträglichen Rituale beim
Tagesordnungspunkt "Anträge" und endete mit dem Resümee:
"... Darüberhinaus hatte ein Teil der Minderheiten-Delegierten
- speziell die, die das erste Mal an einer derartigen Veranstaltung
teilnahmen - zu diesem Zeitpunkt ohnedies schon innerlich das Handtuch
geworfen. Es muss ja nicht gerade Basisdemokratie á la grün-alternative
Einigung sein, aber das hier???"
1998 gab es einen auszugsweisen Reprint dieses Textes. Mit Anmerkungen
zu den Veränderungen seit 1986. Das Fazit: "Veränderungen
in der Gewerkschaft sind nicht ganz so aussichtslos, wie es manchmal
erscheinen mag. Aber: Ohne langen Atem geht gar nichts."
Jetzt - eine Woche vor dem 15. Bundeskongress des ÖGB - fallen
mir diese Texte wieder ein. Und die darin enthaltene Grundsatzfrage
"Ist Dabeisein wirklich so wichtig?" ein.
Die Bilanz der letzten vier Jahre ist nicht gerade toll. Die Bekenntnisse
zu einer verbesserten Sitzungskultur blieben leere Ankündigungen.
Die Organisationsreform wurde unterlaufen von den überraschenden
Blockbildungen. Mehr denn je herrscht bei der Debatte zu diesem
Thema Doppelbödigkeit bis Unwahrheit. Unser Ceterum censeo
am Ende jeder Wortmeldung beim letzten ÖGB-Kongress "Im übrigen
bin ich der Meinung, dass die Unabhängigen GewerkschafterInnen
in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst als Fraktion anerkannt
werden müssen!" blieb ein frommer Wunsch. Die GÖD hat
bis heute keine rechtlich haltbare Fraktionsordnung dem Bundesvorstand
zur Bestätigung vorgelegt.
Ja, natürlich. Da war ja noch der Streik. Aber - siehe den
Text von Klaudia Paiha.
Bleiben die Inhalte. Gegen die eingebrachten Anträge ist
im Grund genommen nichts einzuwenden. Wir wissen aber aus langjährigen
Erfahrungen, dass die jeweils aktuelle Beschlusslage im ÖGB
wenig darüber aussagt, welche Politik tatsächlich gemacht
wird.
Vielleicht sehe ich das alles eher negativ, weil ich einen "Knax"
in meiner gewerkschaftlichen Tätigkeit nicht überwunden
habe. In einer ÖGB-Bundesvorstandssitzung in der großen
Zeit der Donnerstag-Demos habe ich beantragt, der ÖGB möge
zur nächsten Demo mit aufrufen. Viel Zustimmung in der Diskussion
und dann nur Gegenstimmen - die der FCG-Mitglieder.Fritz Verzetnitsch
darauf: "Damit ist der Antrag abgelehnt."?
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