Offener Brief
an Frau Bundesministerin Lore Hostasch anlässlich
der Verleihung der goldenen Verdienstmedaille für Verdienste um
die Republik Österreich an Robert Haider.
Mit Empörung haben wir aus Zeitungsmeldungen über die Auszeichnung
und Verleihung der goldenen Verdienstmedaille für Verdienste um
die Republik Österreich an Robert Haider erfahren.
Uns ist nicht bekannt, dass sich Herr Robert Haider jemals von
seiner nationalsozialistischen Tätigkeit (Beitritt zu HJ 1929; Beitritt
zur SA 1930; Mitglied der "Österreichischen Legion« 1933, Beteiligung
am Nazi-Putsch im Juli 1934 und schliesslich 1938 Gaujugendwalter
von OÖ) distanziert hätte. Diese Aktivitäten, die zum Untergang
Österreichs und der Demokratie beigetragen haben als Verdienste
um die Republik zu behandeln ist skandalös.
Immerhin waren Sie, Frau Ministerin, vor Ihrer Regierungsmitgliedschaft
in leitender Funktion der Gewerkschaftsbewegung und als Vorsitzende
der AK tätig und sollten wissen, was der Nazifaschismus über Österreich
und vor allem über die Arbeiterbewegung gebracht hat.
Der Antrag zur Verleihung dieser besonderen Ehrung wurde aber von
Ihrem Ministerium an den Herrn Bundespräsidenten gestellt.
Angesichts eines von Nazi-Deutschland hervorgerufenen verbrecherischen
Krieges mit Millionen Kriegsopfern in ganz Europa, der Millionen
Opfer in den KZ`s, dem unermesslichen Leid, das dieses Regime verursacht
hat, ist es unverständlich - ja politisch unverantwortlich,- einen
Menschen mit einer solchen Vergangenheit, von der er sich nicht
distanziert, auch noch zu ehren.
Um so mehr, als diese Zeit nach wie vor einer historischen Aufarbeitung
bedarf.
In diesem Zusammenhang möchten wir darauf hinweisen, dass es in
das Bild Österreichs 1998 passt, dass Männern und Frauen, die für
die Befreiung Österreichs im Widerstand und in Alliierten Armeen
aktiv waren, Auszeichnungen dieser Art nicht zuteil werden.
Wir erwarten eine öffentliche Stellungnahme, eine Begründung Ihrer
Vorgangsweise sowie eine allfällige Rücknahme dieser Auszeichnung.
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