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Brief an Bundesminister Bartenstein
Am 31. Jänner 2003 schickte UG-Vorsitzender
Alfred Bastecky eine Brief an Bundesminister Bartenstein. Er
forderte unter anderem die Offenlegung aller Angebote Österreichs
sowie einen Konsultationsprozess.
Sehr geehrter Herr Bundesminister!
Seit nunmehr mehr als einem Jahr laufen die Vorbereitungen für
Verhandlungen im Rahmen des GATS, mit dem Ziel weitere Liberalisierungsverpflichtungen
im Dienstleistungssektor einzugehen. Die bisherigen Veröffentlichungen
der Forderungen der EU gegenüber anderen Ländern, als
auch der USA z.B. gegenüber der EU zeigen eindeutig, dass weltweit
die Liberalisierung von öffentlichen Dienstleistungen, wie
Wasser, Gesundheit, Bildung oder kommunale Dienste, verhandelt werden
soll. Obwohl es sich hier um essentielle Bereiche der Grundversorgung
handelt, wird der Öffentlichkeit der Zugang zu den bisher erarbeiteten
Forderungen und Angeboten verweigert. Wir fordern Sie daher auf,
alle Forderungen und Angebot Österreichs bzw. der EU offen
zu legen und einen Konsultationsprozess durchzuführen. Alle
ÖsterreicherInnen haben ein Anrecht darauf, über Ihre
Liberalisierungsvorhaben im Bereich der Daseinsvorsorge informiert
zu werden und dazu Stellung beziehen zu können.
Wir als Unabhängige GewerkschafterInnen im ÖGB (UG) rechnen
mit massiven Verschlechterungen für ArbeitnehmerInnen. Mit
der Liberalisierung der "services" durch das GATS ist
eine Verstärkung der Dynamik der Prekarisierung und Deregulierung
von Arbeitsverhältnissen zu erwarten. Die Beschäftigten
im Dienstleistungssektor werden den erhöhten Wettbewerbsdruck
- als ob der bestehende nicht hoch genug wäre - nach der Liberalisierung
als erste zum spüren bekommen, da private AnbieterInnen durch
Kostenreduktion' - sprich Arbeitskräfteabbau, Lohnkürzungen
in Niedriglohnsegmenten - versuchen, wettbewerbsfähiger zu
werden. Im öffentlichen Dienst werden eingeleitete Verschlechterungen
weiter verstärkt.
Einmal gemachte Zugeständnisse sind im GATS irreversibel,
selbst wenn sich die Liberalisierung als Fehlschlag herausstellt.
Zudem wird der demokratische Gestaltungsspielraum durch zentrale
Vertragsprinzipien dramatisch eingeschränkt. Mitbestimmung,
Umweltschutz, Regional- und Entwicklungspolitik werden massiv behindert,
Frauen massiv benachteiligt.
Die STOPP GATS Kampagne ist ein breites Bündnis von mehr als
50 Organisationen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen
Bereichen. Gemeinsam wollen wir öffentliche Dienste wie Wasserversorgung,
Gesundheit, Bildung, Verkehr und andere mehr vor dem Ausverkauf
schützen - in Österreich und auch in allen anderen Ländern.
Allen Menschen in Österreich und weltweit muss ein fairer Zugang
zu diesen Leistungen ermöglicht werden.
Wir gehen natürlich davon aus, dass Sie als für das GATS
zuständige Mitglied der Österreichischen Bundesregierung
alles unternehmen werden, was im Interesse der StaatsbürgerInnen
ist. Dazu zählt unserer Überzeugung nach die sofortige
und vollständige Veröffentlichung aller Informationen
über Anfragen und Angebote im Rahmen der laufenden Verhandlungen.
In dringender Erwartung Ihrer Antwort,
Alfred
Bastecky
Unabhängige GewerkschafterInnen im ÖGB, Vorsitzender
Dieser Brief geht auch an das Büro der STOPP
GATS Kampagne und an die Medien.
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