Wenn die Basis befragt wird ...
Positionen, Kommentierungen und Empfehlungen
der "Unabhängigen GewerkschafterInnen im ÖGB"
(AUGE, GUG,
KIV, UGöD)
zur ÖGB-Urabstimmung.
Eine Premiere! Erstmals läßt
der Gesamt-ÖGB urabstimmen. Wir rufen alle ÖGB-Mitglieder
auf, daran teilzunehmen. Unsere Empfehlungen lauten:
1. Frage: "Wir fordern, dass die österreichische
Sozialpartnerschaft gestärkt wird. Die Mitbestimmung der Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer muss auf alle Bereiche der Arbeitswelt ausgeweitet
werden."
Wir wollen kein zurück zum Gemauschel hinter verschlossenen
Türen. Wir wollen, daß der ÖGB seine Rolle in der
österreichischen Politik neu definiert. Wir wollen einen demokratischen
und kämpferischen Gewerkschaftsbund. Wir wollen, daß
Gewerkschaftsmitglieder aktiv in Entscheidungen des ÖGB eingebunden
sind. Die Ausweitung der Mitbestimmung - die wollen wir auch. Daß
diese Forderung im Rahmen dieser Sozialpartnerschaft möglich
ist, bezweifeln wir. Aus gutem Grund ...
Die UG empfiehlt: "Ja" zur
Ausweitung der Mitbestimmung, "Nein" zur Stärkung
der Sozialpartnerschaft. Unser Vorschlag: Entweder ersten Satz (Stärkung
der Sozialpartnerschaft) streichen und "Ja" stimmen -
als klares Signal an den ÖGB. Oder mit "Nein" stimmen!
Wir fordern in diesem Zusammenhang eine genaue und differenzierte
Auswertung des Abstimmungsergebnisses.
2. "Wir fordern die Beibehaltung der Pflichtversicherung,
damit auch in Zukunft alle - unabhängig von ihrem Einkommen
- auf die Gesundheits- und Pensionsversorgung vertrauen können."
Dem können wir uns voll und ganz anschließen. Für
uns bedeutet die Sicherung der Sozialsystem eine aktive und offensive
Verteilungspolitik von oben nach unten! Und eine Demokratisierung
der Sozialversicherungen ist auch längst überfällig
...
Die UG empfiehlt: "Ja".
3. "Wir fordern, dass Lohnerhöhungen und
Arbeitszeiten weiterhin durch die Gewerkschaften in Kollektivverträgen
geregelt werden."
Und nicht nur das fordern wir. Wir fordern einen gesetzlichen Mindestlohn
von 15.000 ATS (1090 EUR), sowie eine Arbeitszeitverkürzung
auf gesetzlicher Basis - sowohl der Wochen-, als auch der Lebensarbeitszeit.
Und wir fordern ein stärkeres Engagement für Frauen und
NiedrigeinkommensbezieherInnen ...
Die UG empfiehlt: "Ja".
4. "Wir fordern einen Anspruch auf Abfertigung
ab dem ersten Tag - auch bei Selbstkündigung - mit freier Verfügbarkeit
durch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer."
Die Abfertigung ist ein Lohnbestandteil - und nur die ArbeitnehmerInnen
sollen bestimmen, was mit ihr passieren darf. Abfertigungen als
betriebliche Pensionsvorsorge betrachten wir als sehr problematisch
...
Die UG empfiehlt: "Ja".
5. "Wir fordern eine schulische und berufliche
Bildungsoffensive, um die Zukunftschancen aller zu verbessern. Ziel
ist: ein offener Bildungszugang ohne soziale Barrieren."
Selbstverständlich. Zur Durchsetzung dieses Zieles muß
der ÖGB jedoch Bündnisse mit anderen gesellschaftlichen
Gruppen eingehen (StudentInnen) ...
Die UG empfiehlt: "Ja".
6. "Wir fordern die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit
der öffentlichen Dienste und den Stopp des unwiderruflichen
Ausverkaufs öffentlichen Eigentums (z.B. Betriebe, Strom, Wasser,
Wälder), um unsere Grundversorgung zu sichern."
Stopp dem privaten Raubzug gegen öffentliches Vermögen!
Wir wollen Grundversorgung nicht den Risiken der Finanzmärkte
überlassen ...
Die UG empfiehlt: "Ja".
"Soll der ÖGB zur Durchsetzung seiner Forderungen
in Verantwortung für die Zukunft unseres Landes und seiner
Menschen notfalls auch gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen ergreifen?"
Dafür ist er da. Das geht aber nur mit den Mitgliedern! Und
die sind da oft weiter als die ÖGB-Spitze. Und wenn Gewerkschaften
ihre Mitglieder befragen, müssen sie ihre Forderungen auch
ernst nehmen. Sonst wird gewerkschaftliche Demokratie zur Farce
...
Die UG empfiehlt: "Ja". Die
UGöD empfiehlt, das "Ja" mit dem Zusatz "Streik"
zu bekräftigen.
Für einen starken, kämpferischen und demokratischen
ÖGB!
Die Urabstimmung kann nur ein erster Schritt sein!
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