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Aus der Serie "Akte X":

Leistung lohnt sich

In Teilen des Wiener Magistrats gibt es eine 2-Klassengesellschaft: Eine mit, die andere ohne Matura. Arbeiten tun beide dasselbe. Aufstiegschancen hat die maturierte Klasse, die auch durchschnittlich 4000-5000 öS monatlich mehr verdient.

Von Wolfgang Kauders.

 

Nach Protestversammlungen und Resolutionen der unteren Klasse (den C- und D-Bediensteten), die in einem erheblichen Ausmaß von der relativ oberen Klasse (den B-Bediensteten) unterstützt wurde, weil es sich bei dieser Dienstelle um die Büchereien Wien handelt und solidarisches Handeln hier gute Tradition hat, gab es vor ca. 15 Jahren ein kleines Zugeständnis: nach 28 Dienstjahren wurden Bücherei-C-Bedienstete bei "Sehr Guter"-Dienstbeschreibung in die C-5 befördert. War sehr wenig, aber doch was. Leider gab es magistratsweit kurz danach die Koppelung von Dienstbeschreibung und Krankenstandstagen. Was hieß, daß etliche KollegInnen, die zwar die 28 Jahre erreicht hatten, aber krankheitsbedingt nicht ins "Sehr Gut" gelangten, nicht oder viel später die Beförderung nach C-5 erhielten. So weit, so ungut. Im Zuge der Strukturreform, die angeblich 300 Mio. öS gekostet hat, tatsächlich aber wahrscheinlich ein Einsparungspotential bietet, das weit über diesen Betrag hinausgeht, wurde zwischen den Verhandlern der Gewerkschaft und dem Magistrat eine Nebenvereinbarung formuliert, derzufolge pro Jahr drei C-Büchereibedienstete in die C-5 übersiedelt werden könnten. Was insofern eine Verschlechterung war, weil innerhalb der nächsten zehn Jahre der durchschnittliche Anteil an "28ern" höher als drei sein wird. Bei dieser Vereinbarung wurden naturgemäß die unmittelbar zuständigen PersonalvertreterInnen aus den Büchereien übergangen. Nach Protesten aus den Büchereien wurde vom Gewerkschaftsvorsitzenden zugesichert, daß je nach Bedarf entsprechend die Beförderung bewerkstelligt werde. Im Herbst wurde allerdings bekannt, daß

- ab nun statt "Sehr Gut" eine "Ausgezeichnete" Dienstbeschreibung gefordert wird, was alle Kolleginnen, die eine mehrere Wochen dauernde Krankheit haben, automatisch rauskatapultiert
- Von den drei 1999 drankommenden 28jährigen nur Eine/r genannt werden kann, weil AnwärterInnen von 1998 bis in den Jänner 1999 verschoben worden waren. Was hieße, daß die AnwärterInnen in den nächsten Jahren immer weiter nach hinten verschoben werden, bis sie eine gnädige Pensionierung von ihrer Warterei erlöst.

Und niemand hat was davon gewußt: weder der Gewerkschaftsvorsitzende, noch der Ausschußvorsitzende, noch wir kleinen PersonalvertreterInnen. Scheint sich also um eine waschechte Verschwörung geheimnisvoller Kräfte zu handeln. Irgendwo gibt es immer wieder dunkle Kräfte oder vorauseilende Bösewichte, scheint's. Wieso kriegen wir sie nie zu fassen? Oder können wir sie zumindest benamsen? Oder ist es ganz einfach "das System", wie es vor dreißig Jahren genannt wurde, wenn unerklärliche Dinge passierten? Ein System, das systematisch Frust und Demotivierung unter den Bediensteten schafft? Oder sinds gar Anarchisten, die sowas steuern, damit "das System" zusammenbricht? Wer weiß ... .

Nach Dienstellenversammlungsprotesten und Resolutionen gab es inzwischen wieder Zusagen vom Gewerkschaftsvorsitzenden, daß das repariert werde. Wir werden warten und Akte X schauen.

 

Fast um Gottes Lohn

Die Büchereien haben heuer im Sommer eine Systemumstellung gemacht, die ohne dem engagierten Einsatz des EDV-Teams nicht gelungen wäre. Zwei von den vier Kolleginnen sind Nichtmaturanten, das heißt, sie kriegen weiterhin einen Dreck bezahlt (weil sie zu ihrem Unglück auch noch relativ jung sind). Die eine macht seit Jahren Schulungen für Büchereibedienstete und versucht, ihnen sowohl Internet als auch das neue System nahezulegen. Daneben ist sie für Support zuständig - alles um ein C-Gehalt. Immerhin wurde nach Jahren für sie ein C-4-Posten beantragt (was angesichts ihrer Leistung als eher unzureichend anzusehen ist). Der andere ist erst kurz bei den Büchereien, ziemlich jung und daher auch noch in der Verwendungsgruppe D. Er hat in nächsten Jahren keine Chance, entsprechend seiner Leistungen zu löhnen. Wenn er zur EDV-Abteilung der Stadt Wien ginge, würde er dort die entsprechenden Zulagen kriegen. Bei den Büchereien scheint so etwas nicht möglich zu sein.

 

Es wird ein Haus baut

Gebaut ist es noch nicht, aber gebaut wird es. Das Haus ist die "Neue Hauptbücherei" in Wien. Am Gürtel über der Station Urban-Loritz-Platz. Das Geld dafür gibt es. Für die Bausubstanz. Für das Personal gibt es nix. Nicht einmal die Minimal-Variante: die dreißig zusätzlichen Posten wurde bislang von den Magistratsmächtigen nicht mal andiskutiert. Was heißt: endlich gibt es ein Büchereiprojekt, das in etwa europäischem Standard entspricht, und die Idioten vom Dienst, sprich das geheimnisvolle schwarze Loch, das alle magistratischen Entscheidungen trifft, tut so, als ob das ohne vermehrten Personaleinsatz ginge (immerhin sind politikerseits großzügige Öffnungszeiten angekündigt worden). Da ein solches Projekt bekanntlich eine größere Vorlaufzeit braucht (Bestandsaufbau, Organisation) wären die dreißig zusätzlichen Bediensteten ab heute gefordert. Aber nix tut sich. Es wird ein Haus geben und nix wird sein. Um unser Geld.