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Telefonieren, bis die Ohren glühen!
Call-Centers sind nicht das, was viele intuitiv
mit dem Namen verbinden.
Von Lisa Langbein. >> Info
zur Autorin
Angenehm gedämpfte Atmosphäre, junge
Menschen mit "Headsets" sitzen an wabenförmig angeordneten
Arbeitsplätzen vor Monitoren. Über Bildschirme an den
Decken flackern lautlos Produktpräsentationen sowie Telfonnummern
jener Arbeitsplätze, die gerade besichtigt werden. Auf einer
Art Leuchtband an der Wand blinken Zahlen auf. An den Wänden
zeigen Diagramme Anrufspitzen. Einige Schreibtische an der Stirn
des Raums gewähren Übersicht - die Arbeitsplätze
der Supervisoren."
Fast niemand weiss, was Call-Centers eigentlich sind. Still und
heimlich boomt seit den 80er Jahren weltweit eine Branche mit Telefondienstleistungen,
die sich durch ungemeine Flexibilität auszeichnet. Kundenservice,
Umfragen, Vertrieb von Finanzdienstleistungen, das sind nur drei
jener Bereiche, die heute von Call Centers abgedeckt werden. Versandhäuser,
Verlage, Banken, Versicherungen, die Reisebranche und viele andere
benützen mittlerweile flächendeckend Call-Centers für
Telefondienste. In Deutschland arbeiten schon 170.000 DienstnehmerInnen
in 2500 Call-Centers.
Annette Falkenberg, Sekretärin der Gewerkschaft HBV in Deutschland
und Mag. Renate Böhm von der AK-Salzburg berichteten am Forum
Jägermayrhof über die Schwierigkeiten, die ArbeitnehmerInnenvertretungen
in diesem Bereich haben.
Ein Call-Center ist relativ schnell errichtet, die Ausstattung
findet auf einem Lastwagen Platz und die räumlichen Anforderungen
sind gering. So schnell sie errichtet sind, so schnell sind sie
aber auch übersiedelt. Die Bildung solcher Zentren wird gefördert,
waren sie doch oft der Rettungsanker für schnelle Erfolge am
Arbeitsmarkt.
An die dort Beschäftigten ("Call-Center-Agents") sind hohe
Anforderungen gestellt, es handelt sich um sehr junge und oft weibliche
Belegschaften, etwa 1/3 hat Matura, fast 10 Prozent haben einen Universitätsabschluss.
Nur 10 Prozent der in Call-Centers Beschäftigten sind älter
als vierzig Jahre. Gearbeitet wird 7 mal 24 Stunden, die Diensteinteilungen
erfolgen flexibel, was von den Beschäftigten sehr gern gesehen
wird. Die Lohn- und die Dienstverhältnisse sind sehr unterschiedlich
und oft undurchsichtig, umso durchsichtiger sind die Arbeitsabläufe.
Da es sich für viele ArbeitnehmerInnen um "Jobs" handelt, sie
sind jung, vielfach noch in Ausbildung und arbeiten unregelmässig,
wann immer sie Zeit haben, beziehen sie ihre Selbstbestätigung
nicht über die Arbeit. In den Call-Centers gibt es ein starkes,
kollektives Gefühl, weniger über die eigenen Probleme,
wohl aber mit den Dienstgebern. Gewerkschaften werden auch von der
Belegschaft oft als störend und feindlich empfunden. Annette
Falkenberg hat die Erfahrung gemacht, dass Erwartungen an die Gewerkschaften
davon ausgehen, dass diese kompetente, moderne PartnerInnen sein
sollen. Es wird, wenn, dann schnelle Hilfe erwartet und diese muss
an konkreten Problemen ansetzen. Zum Beispiel an der Aushandlung
von der Möglichkeit, Zeitausgleich gebündelt in der Zeit
vor Prüfungen nehmen zu können.
In Österreich wurden ÖGB und AK schnell in die Forcierung
von Call-Centers eingebunden. Ging es doch gleich um Ausnahmen vom
Arbeitsruhegesetz, die die Bedingung für die Eröffnung
solcher Zentren sind. So gelang es hierzulande auch, einen Kollektivvertrag
für Call-Centers zu installieren. Ein Erfolg, der freilich
seine Tücken hat, denn nahezu zwei Drittel aller Beschäftigten
arbeiten inzwischen mit einem freien Dienstvertrag. Freie DienstnehmerInnen
zahlen ihre Steuer und Versicherung selbst, sie unterliegen nicht
dem Kollektivvertrag und können auch keine Betriebsräte
wählen. Da auch diverse Hotlines über Call-Centers laufen,
"verkaufen" dort freie DienstnehmerInnen Solidarität für
andere.
In Salzburg gab es eine Untersuchung über Call-Centers. Die
Tätigkeit als "CallerIn" wird darin von den Betroffenen überwiegend
als positiv eingeschätzt, die Bezahlung allerdings negativ.
Renate Böhm berichtet über eine übergreifende "Aktionsgruppe
Call-Center". Diese besteht aus AK, GPA, Postgewerkschaft und zwei
BetriebsrätInnen. Das erste Hauptziel dieser Gruppe ist die
Kommunikation der Belegschaften untereinander. Es werden Chat-rooms
eingerichtet (immer mehr wird in Call-Centers neben dem Telefon
auch mit dem Computer im Netz gearbeitet, und immerhin hat die Aktionsgruppe
jetzt auch einen Internet-Anschluss), ein AgentInnenstammtisch wird
betreut und ein konkretes arbeitsrechtliches Unterstützungsangebot
wird ausgearbeitet.
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