SAP - Na und?
Die Umstellung auf SAP wird alle Bereiche der
Firma und alle Beschäftigten betreffen.
Von Richard Koller.
SAP ist sozusagen die Firma Microsoft in der Betriebswirtschaft
und bei Allem, was zum privaten gewerblichen Markt gehört.
Und wie MS hat auch SAP seine Liebhaber, seine Feinde und seine
dauernd murrenden, aber gezwungenen Anwender. Bloß die Bill
Gates von SAP, ehemalige IBM-Entwickler, die sich selbständig
gemacht haben, sind nicht so im Rampenlicht der Öffentlichkeit.
Offenbar wagen aber wie bei MS nur Sonderlinge und Nischenanwender,
sich an der überall präsenten Software von SAP vorbeizuschleichen.
"SAP R/3 ist heute der Standard bei kaufmännischer Anwendungssoftware."
In der österreichischen Öffentlichkeit und besonders
im Bundesdienst ist diesbezüglich einige Verspätung gegenüber
der internationalen Situation festzustellen (wie ansonsten auch
meist). Desto dringender und unausweichbarer ist jetzt das Verlangen,
nachzuholen und gleichzuziehen. Also: Auch für uns führt
kein Weg vorbei an SAP.
Dann eben SAP
Na gut, könnte nun Einer sagen, dann eben SAP. Bisher haben
wir auch unsere Zeiten aufgeschrieben, Leistungen nachgewiesen,
verrechnet, was solls? Im Grunde stimmt das auch und an diesen "einfachen"
Vorgängen der täglichen Arbeit wird sich auch höchstens
die Form der Eingabe oder Notierung ändern.
"Die SAP-Software ist ein modular aufgebautes, branchenneutrales
Softwarepaket, das alle betriebswirtschaftlich relevanten Funktionsbereiche
beinhaltet."
Was die Sache heikel macht, ist die hochgradige Integration von
SAP, ein erheblicher Vorteil gegenüber anderen Software-Systemen
auf diesem Gebiet. Ein Vorgang, einmal an einem Punkt des ganzen
Verfahrens durch Eingabe erfaßt, steht unmittelbar an allen
Schnittstellen des Systems zur Verfügung, Tagfertigkeit ist
keine Frage, aktuelle laufende Aufschreibung ist das Thema.
"R/3 benötigt ... keine bestimmte Hardwareplattform,
sondern in der Regel ,nur' ein System, auf dem ein UNIX-Derivat
mit einer nahezu beliebigen Datenbank lauffähig ist. Diese
relative Hardware-Unabhängigkeit ermöglicht es, bei steigenden
Ansprüchen an die Systemperformance die Hardware erweitern
zu können, ohne die Funktionsfähigkeit der Software in
Frage zu stellen. Im Gegensatz zu den hardware-spezifischen Großrechner-Anwendungen
der Vergangenheit ermöglicht dies quasi ein ,Mitwachsen' der
Software über Hardwaregrenzen hinweg."
Durch die Konzeption einer universellen Datenerfassung über
verschiedenste Schnittstellen mit einer Datenbank im Hintergrund
entsteht bei richtiger Konzeption ein virtuelles Abbild des Unternehmens
in SAP. Jeder auch noch so kleine Prozeß steht dauernd im
Zugriff und fließt in die Gesamtbetrachtung ein, kann überprüft
und ausgewertet werden.
Nicht nur entsteht damit gleichsam ein Überfluß an
Information, der bisher nicht hergestellt werden konnte, es bieten
sich auch unzählige Varianten von Datenverknüpfungen,
Abfragen, Auswertungen an, die nur schwer unter Kontrolle gehalten
und vernünftig verwertet werden können. Über die
möglichen kurzschlüssigen Folgen einer derartigen Informationsflut
brauche ich wohl nicht allzuviel erzählen. Wenn einer etwas
Bestimmtes will, findet er hier auch Argumente für seine Position.
Das macht die Sache nicht gerade einfach.
Zur technischen Situation
Ich versuche hier, sicherlich mangelhaft und vereinfacht ausgedrückt,
die wichtigsten Merkmale einer SAP-Umgebung zu beschreiben. Wer
es besser weiß oder kann, den ersuche ich um einen Beitrag
zur Berichtigung in der nächsten Nummer der Zeitung. Wer den
technischen Ablauf für uninteressant hält, überspringt
jetzt einmal vier Absätze und liest bei "Sicherheit - oder
wie" weiter.
SAP unterscheidet drei Schichten, die Präsentationsschicht
(Anwendersicht), die Applikationsschicht (Abbildung der Geschäftsprozesse)
und die Datenbankschicht (Tabellen für Systemsteuerung und
Anwendungen). Dabei ist die Präsentationsschicht plattformunabhängig
für Apple/Mac, Windows, OS/2 usw. brauchbar, der Applikationsserver
verarbeitet bereits Daten im internen SAP-Format und es gibt nur
eine Datenbank in einem SAP-System, in der alle Daten in Tabellen
gespeichert sind.
Hierarchisch werden in SAP R/3 verschiedene Ebenen unterschieden:
Oberste Ebene ist der Mandant, im Normalfall gibt es - abgesehen
von Systemwartungen - pro Unternehmen nur eine Instanz. Darunter
gibt es Buchungskreise für die Abbildung von selbständig
verrechnenden Einheiten (z.B. Konzernbetriebe, Tochterfirmen),
dann Unterteilungen in Geschäftsbereiche, Werke und Lagerorte.
Darüber hinaus sind weitere Untergliederungen in Kostenrechnungskreise,
Verkaufsorganisationen usw. möglich, die sich auf die Funktionen
bestimmter SAP-Module beziehen.
Daten können entweder im Dialog (z.B. direkte Erfassung,
Zeiterfassungssysteme, Belegleser usw.) ins System eingebracht werden,
oder über Schnittstellen (Batch-Input, Direct-Input usw.) eingespielt
werden. Die Verarbeitung geschieht dabei über Prüfung
von Berechtigungen und Datenkonsistenz, den Aufruf von internen
Transaktionen, die Protokollierung und den eigentlichen Eintrag
in die Datenbank. Intern werden dabei auch Belegnummern vergeben
und ein Logdateisatz mitgeschrieben, der nach erfolgreicher Verarbeitung
wieder gelöscht wird. Belege werden archiviert, wobei allerdings
Löschungen nur durch entsprechende Sperren bei den Berechtigungen
verhindert werden können.
Grundlage der Datenspeicherung sind wie gesagt Tabellen. Änderungen
an Tabellen werden normalerweise nur protokolliert, wenn dies extra
gewünscht und mit Parametern eingestellt wird. Diese Einstellung
und die gesamte Parametrierung der Systemsteuerungstabellen geschieht
eigentlich in der Entwicklungsphase eines SAP-Projekts durch das
sogenannte "Customizing". Hier wird festgelegt, welche Mandanten
bearbeitet werden, welche Buchungskreise verwendet werden, Geschäftsbereiche
und Kostenstellen werden definiert, aber auch die grundlegenden
Regeln der Systemsicherheit werden festgelegt: Zugriffsschutz, Anzahl
der fehlerhaften Passwort-Eingaben usw.
Sicherheit - oder wie?
Werden keine klaren Abgrenzungen von vorn herein getroffen, ist
das SAP-System (im übrigen wie jede Software, die auf Datenbanken
aufbaut) offen wie ein Scheunentor. Es gibt Generalvollmachten von
Seiten der Berechtigungen, es gibt Super-User, die alles können,
es gibt vorbei an allen Protokollen und Berechtigungen auch die
Möglichkeit der direkten Auswertung der Daten (für Fachleute:
bei uns im Haus SQL auf Oracle-DB). Grundsätzlich erlaubt das
SAP-System sogar etwas, was in einer konventionellen Buchhaltung
völlig undenkbar wäre: Durch die Löschung von Änderungsbelegen
kann im System "radiert" werden., Änderungen sind dann nicht
mehr nachvollziehbar, Auswertungen unkontrollierbar usw.
Focus Berechtigungskonzept
Aus Sicht der Belegschaft und damit im Zentrum der Absichten des
Betriebsrats steht daher ein Berechtigungskonzept, das die angebotenen
flexiblen Möglichkeiten von SAP auf ein vernünftiges und
gesetzeskonformes Maß zurückschraubt. Was die Fragen
des Datenschutzes und der Sicherheit angeht, trifft sich dieses
Interesse sicherlich mit dem der Geschäftsführung. Verstöße
in diesem Bereich sind heikel und kosten - wenn nicht Strafen, so
doch guten Ruf und Qualität.
SAP bietet in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit eines
ausgefeilten gestuften Berechtigungskonzepts mit der Verwaltung
von Profilen und Berechtigungen an. Das Problem ist nur, daß
ein solches Konzept noch nicht existiert und einzelne SAP-Module
bereits im Einsatz sind. Außer den Entwicklern und jetzigen
Betreibern weiß eigentlich niemand Bescheid, wer welche Berechtigungen
hat und was er damit tut.
Zentralthema Datenbank-Sicherheit
Dazu kommt, daß auch eine ordentliche Vereinbarung über
ein Berechtigungskonzept in SAP selbst das Problem nur zum Teil
löst. Denn wie gesagt besteht außer und neben SAP selbst
jederzeit die Möglichkeit, auf die Tabellen der Datenbank direkt
zuzugreifen. Und bei einigermaßen ausreichenden Kenntnissen
der Standardstrukturen in SAP ist damit ein Zugriff ohne jegliche
SAP-Kontrolle möglich.
Es wird also nötig sein, sich so bald als möglich mit
dem zugrunde liegenden Oracle-Datenbanksystem vertraut zu machen
und dessen Sicherheits- und Berechtigungsvergabe zu untersuchen,
um die eigentlichen Schwachstellen des Systems in den Griff zu bekommen.
Ich werde versuchen, diesbezüglich alle nötigen Informationen
zusammenzutragen und eine Klärung der Situation herbeizuführen.
Aber insgesamt glaube ich, daß SAP zu einem Dauerbrenner in
unserer Arbeit werden wird und - siehe Microsoft - irgendwann alle
Bereiche der Firma betreffen wird.
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