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Im Windkanal
Auf der Suche nach der Stromlinie für die
künftige GPA-Organisation spielt die politische Innovation
eine untergeordnete Rolle. Ein Managementprojekt setzt auf eine
top down Strategie, in der Partizipation in der Entwicklung neuer
Strukturen nicht gefragt ist. Ob den BetriebsrätInnen das Ergebnis
dieser Vorgangsweise schmecken wird, wird sich erst herausstellen.
Von Paul Kolm.
Dem ÖGB geht es schlecht, der GPA geht es schlecht.
Die Mitglieder werden weniger, das Geld wird weniger. Der Organisationsgrad
in den neuen Branchen, in den Klein- und Mittelbetrieben ist schwach.
Die Organisation vergreist, weil immer weniger junge ArbeitnehmerInnen
beitreten. Der politische Einfluß sinkt. Die Unternehmer können
sich Dinge erlauben, die noch vor wenigen Jahren so nicht denkbar
waren.
Der ÖGB reagiert mit einem Fusions- und Modernisierungsprogramm,
dem man das Motto "Grad so viel ändern, daß alles beim
Alten bleibt" verpassen könnte. Die GPA geht einen Schritt
weiter. Das Motto des mit Hilfe einer externen Unternehmensberatung
eingeleiteten Organisationsentwicklungsprozesses könnte frei
nach Lampedusa lauten "Damit alles beim Alten bleibt, muß
man alles ändern". Auf dem Tisch liegt ein "funktionales Strukturmodell",
das die etwa 600 gewerkschaftlichen Gremien radikal zusammenstutzt.
Macht und Durchgriffsmöglichkeiten der Zentrale (Top-Management
heißt das jetzt) werden gestärkt, etwa durch die Abschaffung
der Sektionen. Die Reduktion auf sogenannte Kernkompetenzen äußert
sich unter anderem in der geplanten Schließung des Umweltreferates. *)
In etwa zwanzig Branchen soll flexibler als bisher die wirtschaftliche
und soziale Entwicklung abgebildet werden. In der neuen Struktur
soll es Platz für konkret definierte Zielgruppen (z. B. TeleheimarbeiterInnen)
und für Mitglieder offene, temporäre Themenplattformen
geben.
Das Organisationsmodell hat durchaus eine innere Logik, wenn auch
die konkrete Ausformung vielfach noch fehlt. Es krankt "nur" daran,
Unternehmensphilosophien bruchlos auf die Gewerkschaft übertragen
zu wollen. Die Mitglieder, selbst die BetriebsrätInnen sind
als Kunden oder Klienten Objekte der Reform und anscheinend stellt
sich kaum jemand die Frage, wo die Grenzen der Ökonomisierung
von Politik liegen. Solidarität kann im Hinblick auf die Kosten
sehr unökonomisch sein.
Von den etwa 600 Gremien sind vermutlich tatsächlich nicht
wenige ineffektiv in dem Sinn, daß Beschlüsse wenig verantwortliche
Verbindlichkeit nach sich ziehen. Dazu trägt sicher auch die
Erfahrung bei, daß die wirklichen Entscheidungen oft anderswo
fallen. Es gibt zwar eine wirtschaftliche Diagnose der Gremienarbeit,
eine qualitative Analyse liegt jedoch nicht vor. Das Austrocknen
der Blutbahnen der Gewerkschaft, mag kurzfristig effizient sein,
längerfristig geht eine Machtbasis verloren. Es ist eine Illusion
zu glauben, in einer stromlinienförmigen Organisation könne
man auf Knopfdruck gewerkschaftliche Kampagnen starten.
Das Konzept hängt irgendwie in der Luft. Das Verschieben von
Organisationskästchen unter dem Hinweis, den Mitgliedern ist
doch egal in welcher Struktur sie organisiert sind, sagt nichts
über die Reaktion der Umwelten aus, in denen sich die Gewerkschaft
bewegt, von denen sie auch abhängt. Neue Branchenorganisation,
wie schaut es mit den KV-Partnern in der Wirtschaftskammer aus?
Wie paßt das Modell in den ÖGB, in künftige Kooperationen
oder gar Fusionen? Wie reagieren mühsam gewonnene Bündnispartner
auf die Einengung von Gewerkschaftspolitik?
Politische Innovation würde bedeuten, das Hirnschmalz und
die Ressourcen dafür zu verwenden, mit welcher strategischen
Ausrichtung, zu welchen Fragen, auf welchen Ebenen, mit welchen
Methoden und Instrumenten die Auseinandersetzung mit den Unternehmern
unter den veränderten wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen
geführt werden soll und dann davon ein Organisationsmodell
abzuleiten. Eine partizipativ organisierte Reform der Gewerkschaft
wäre die Chance (gewesen?), zumindest Teile der Mitgliedschaft
aus der Passivität heraus zu führen und zu bewußten
Trägern der GPA neu zu machen.
Nun, bis zum geplanten Sondergewerkschaftstag im Jahr 2000 wird
noch einiges Wasser die Donau hinunterfließen. Die Entscheidungen
fallen aber in den nächsten Monaten in den gewerkschaftlichen
Gremien. Der Zug steht zwar auf den Schienen, das "Management" hat
sich entschieden, aber Weichenstellungen sind durchaus noch möglich.
*) Mittlerweise wurde die geplante Schliessung
nach einer Diskussion auf der Vorständekonferenz der GPA zurückgezogen.
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