Alternative-Logo (1kb)
 
     
 

Einheitsarchitektur

Meine erste Bundesfrauenkonferenz der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten von Susanne Vesely.

 

Mit nicht sehr hohen Erwartungen, aber doch mit einer positiven Grundhaltung ging ich zur Bundesfrauenkonferenz der GdG, denn noch verband ich die Auswahl des Konferenzortes – das Kongreßhaus Margareten in postrealsozialistischer Einheitsarchitektur – nicht mit dem Programm der Bundesfrauenkonferenz. Aber diese Konferenz kann als exemplarisch gelten, daß (Tagungs) Raum und Programm einander bedingen.

Schon bei den Begrüßungsreden der Ehrengäste wurde mir klar, daß es hier nicht um Dialog und Erarbeiten eines Arbeitsprogrammes ging, sondern um das Schönreden des Ist–Zustandes. Vorsitzender Weninger drückte sich in seiner Rede um die Frauenquote in der Führungsspitze der Gewerkschaft herum und brillierte schlußendlich mit der Aussage, es ist schwer eine Frau Dr. Strobelberger nachzubesetzen, frei nach dem Motto, es gibt halt leider keine qualifizierten Frauen, und die Mehrzahl der Frauen im Saal dankten es ihm mit freundlichem Applaus.

Nach dem Grundsatzreferat von Kollegin Aschauer von den ÖGB-Frauen, die tapfer versuchte, die Lethargie von Frau und Konferenz zu nehmen, brachte Maria Hirsch für die KIV die Idee ein, daß auf der Konferenz ein Arbeitsziel für eine Verbesserung in einem Bereich oder die Umsetzung einer Forderung zu vereinbaren sei und dieses Ziel in einem Jahr verwirklicht werden sollte. Frauen müssen selbst aktiv werden, um ihre Forderungen umzusetzen und sollten nicht auf die nächste Konferenz warten müssen, wo wieder nur über ihre Benachteiligungen gesprochen, aber keine Handlungen gesetzt werden.

Mit dieser Forderung war das Tagespräsidium überfordert. Nach mehreren Urgenzen nach einer Antwort ließ man uns wissen, das werde in den Gremien diskutiert (ZK läßt grüßen).

Auch eine Resolution der KIV gegen eine neuerliche Kriminalisierung der Frauen, die eine Abtreibung vornehmen und daß die Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper ein Grundrecht ist, war eine Überforderung. Zwar unterschrieben über 50 Frauen quer durch alle Fraktionen die Resolution, die jeder Teilnehmerin vorlag, doch Kollegin Schwinner von der FCG, die dem Tagungspräsidium angehörte, hat es leider übersehen, nicht gewußt, nicht mitbekommen, daß es da eine Resolution der KIV dazu gäbe. Sie hatte ihren großzügigen Tag und es durfte trotzdem abgestimmt werden, aber eine geforderte Diskussion verbat sie sich dann ausdrücklich, mit den Worten, die Konferenz sei nicht für Diskussionen da, da zu wenig Zeit sei, was sie nicht daran hinderte, eine weitere 10-minütige Pause auszurufen. Das Statement, daß das alles so kurzfristig zum Thema gemacht wurde und daher neu für sie ist und sie keine Aussage treffen kann, sollte Grund und Anlaß genug sein, diese besondere Art der Frauenpolitik gemeinsam mit Frauen aller Fraktionen nicht nur in Frage zu stellen, sondern abzulehnen

Es reicht nicht, als Tagungspräsidium wohlwollend von der Bühne runter zu schauen, die Abstimmungen abzuhalten, besonders dann nicht, wenn es bei einer Resolution gegen Extremismus, im speziellen Rechtsextremismus, zu Stimmenthaltungen und zu Gegenstimmen kommt. Da wäre das Tagungspräsidium mehr als gefordert gewesen.

Diese Bundesfrauenkonferenz der GdG hat mich persönlich enttäuscht, ich hatte mehr Dialog, mehr Strategien zur Umsetzung von Frauenforderungen, einfach mehr "Frauen-power" erwartet.

 

 

Flüchten oder Standhalten

Im Sommer fahre ich immer mit 15 Frauen in die Toskana. Wir lachen, wir diskutieren, wir wandern, wir schwimmen, wir essen und trinken und wir gehen sehr sorgsam miteinander um.

Von Renate Schön. >>  Info zur Autorin 

 

Im Hausprojekt, indem ich lebe, habe ich sehr intensive, verbindliche, eigentlich familiäre Beziehungen zu Frauen und wir haben es miteinander ganz toll. Ich treffe mich gern mit Frauen, wenn wir miteinander reden, spüre ich die Seelenverwandtschaft. Wir sind geprägt von der Frauenbewegung der 70er-Jahre.

Und dann erlebe ich die Frauengremien, zuletzt die Bundesfrauenkonferenz der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten.

Ich bemühe mich redlich zu verstehen, daß die meisten der dortigen Frauen andere Lebensumstände und eine andere Sozialisation haben als ich. Sehr oft sind sie von unserer männerdominierten Gesellschaft geprägt, sich davon zu lösen ist nicht leicht. Das weiß ich. Ich hatte eben das Glück, zur rechten Zeit die richtigen Frauen zu treffen, habe eine ältere frauenbewegte Schwester und habe mich in einem bestimmten politischen Umfeld bewegt.

Was aber so schmerzt, ist die Tatsache, daß nicht die Gewerkschaftsmänner, sondern die KIV-Frauen die Feindbilder vieler GdG-Frauen sind.

Wir spüren auch, daß einige Frauen der GdG unser Selbstbewußtsein und unser Auftreten oder unsere Fantasie beim Formulieren von Anträgen à la "Emmas Leidensgeschichte" nicht ertragen.

Es schmerzt, daß die meisten GdG-Frauen gerade noch genügend Mut haben, um KIV-Frauen anzugreifen, die Konfrontation mit den Männern der eigenen Fraktion aber scheuen.

Es schmerzt, wenn der Weggang von Fr. Dr. Stroblberger aus dem Frauenausschuß bedauert wird mit dem Hinweis wie wichtig eine Juristin in diesem Ausschuß ist und völlig ignoriert wird, daß eine KIV-Frau Juristin und Mitglied des Frauenausschusses ist. Das ist Frauenverachtung. Es schmerzt, wenn alle möglichen Funktionärinnen Blumen und Geschenke bekommen, nur diejenige Angestellte nicht, die die meiste Arbeit und Verantwortung für die Frauenkonferenz hatte. Das ist Ignoranz von Frauen gegenüber Frauen.

Es ist für mich furchtbar, wenn ich auf einer Frauenkonferenz die Wörter "Scheiß Emanzen" von Frauen hören muß. Es ist für mich furchtbar, wenn Frauen auf einer Frauenkonferenz Resolutionen zu den Themen "Fristenlösung" und "Rechtsradikalismus" ablehnen, nicht sagen warum und diejenige frenetischen Applaus erntet, die meinen Zwischenruf nach Erklärung als undemokratisch verurteilt.

So deutlich wie in den Frauengremien der GdG spüre ich das Konkurrenzverhalten zwischen Frauen selten, vor allem wenn sie nicht lieb und nett sondern heftig wie wir sind.

Ich vermisse den Kampf für die Rechte der Frauen à la Johanna Dohnal oder Irmgard Schmidleithner. Ich vermisse in den Frauengremien der GdG all das, was ich in den letzten 20 Jahren als Frau gelernt habe.

Ich komme übrigens mit Männern prächtig aus, ich weiß aber, daß ich genausoviel wert bin und genausoviel kann wie sie. In der KIV müssen wir schon lange nicht mehr um Gleichberechtigung kämpfen.

Warum tue ich mir diese Frustrationen nur an?

Flüchten oder Standhalten - das muß ich mir jetzt überlegen.