| |
Testinstitut für Arbeitslose
Beim AMS Wien wurde im Sommer dieses Jahres die
Etablierung eines Instituts ausgeschrieben, welches umfangreiche
Tests mit Arbeitslosen durchführen können soll.
Von Rita Ertl.
Die Ausschreibung beinhaltete Details der Vorgangsweise,
die vollkommen inakzeptabel sind. So wurde weder die Freiwilligkeit
der Teilnahme vorgesehen, noch sichergestellt, daß der Datenschutz
gewährleistet ist. Vielmehr wurde geplant die Arbeitslosen
ohne jegliche Mitsprache, nur auf Grund der autonomen Entscheidung
ihrer jeweiligen BetreuerInnen, zu allen nur erdenklichen Test zuweisen
zu können, ohne ihnen auch nur Gründe oder Resultate der
Tests nennen zu müssen. Insbesondere im Bezug auf den Datenschutz
wurden keinerlei Vorkehrungen getroffen; so ist weder sichergestellt,
daß das beauftragte Institut die Daten nicht für eigene
Zwecke verwendet, noch daß die Daten an ArbeitgeberInnen nicht
weitergegeben werden dürfen.
Die Liste einerseits der Ungereimtheiten, andererseits der angeführten
Details in der Ausschreibung hat zu massiven Protesten während
der Ausschreibungsphase geführt. Es bestand die Hoffnung, daß
diese Vorgangsweise nicht zu einem Vertrag und damit der Etablierung
eines Testinstituts führen würde. Zumindestens wurde von
allen Seiten zugesichert, daß eine Umsetzung der Idee nicht
in der in der Ausschreibung vorgesehenen Form erfolgen werde.
Leider kam es anders - der Auftrag wurde an die Firma Ratio auf
Basis der erstellten Ausschreibung vergeben.
Die AK Wien, welche zu einer der KritikerInnen der geplanten Vorgangsweise
gehörte, erstellte einen Auflagen- und Maßnahmenkatalog,
welcher im Landesdirektorium diskutiert wurde, jedoch nicht in allen
Punkten Zustimmung fand. Die erforderlichen Ansätze zur Umsetzung
fehlen in den meisten Bereichen nach wie vor. Die MitarbeiterInnen,
welche diesen neuen Vertrag handhaben sollen, haben noch keine detallierten
Informationen und Anweisungen, wie sich die Zusammenarbeit mit Ratio
gestalten soll.
Ein Fachausschuß, welcher die Qualitätssicherung sämtlicher
Testmaßnahmen gewährleisten soll wurde zwar beschlossen,
gearbeitet hat er jedoch bisher noch nicht.
Dies alles müßte schon Anlaß genug sein, Alarm
zu schlagen, in dieser Angelegenheit besonders achtsam vorzugehen
und als Arbeiterkammer verstärkt die Interessen der Arbeitslosen
wahrzunehmen. Die Botschaft in den Vorbesprechungen zur Vollversammlung
der AK Wien lautete jedoch anders: Die Angelegenheit ist erledigt,
dem Antrag der GE kann daher nicht zugestimmt werden, eine Zuweisung
ist nicht erforderlich. Meinem Unverständnis gegenüber
dieser Haltung wurde auf der anderen Seite ebenfalls mit Unverständnis
begegnet - die Sache ist erledigt. Punkt! Doch nein halt - ein Angebot
- wir bekommen die Unterlagen, die nachweisen, daß in dieser
Angelegenheit alles geregelt sei. Warten, Urgenzen, Nichts!! Noch
direkt vor der Sitzung habe ich das letzte Mal nach den angeblichen
Beweisen der Erledigung dieser "Angelegenheit" gefragt - Schulterzucken,
Ausreden, jedenfalls keine echten Antworten, und schon gar keine
Unterlagen.
Dies veranlaßte mich zu einer Rede, in der ich neben den
oben erwähnten Problembereichen auch noch ein Schreiben Herbert
Buchingers an die Ministerin Hostasch zitierte. In diesem Schreiben
wird ein Weg vorgeschlagen, wie man die öffentliche Kritik
abschwächen kann. Die darin vorgelegten Zustimmungserklärungstexte,
welche von den betroffenen Arbeitslosen unterschrieben werden sollen,
tragen nicht gerade dazu bei, vorhandene Ängste und Befürchtungen
in den Wind zu schlagen. Trotzdem meinte Herbert Buchinger am Ende
seines Schreibens, daß nach einer Veröffentlichung der
Mustertexte "niemand mehr Angst haben muß und die Kritik an
den "Psychotests" bald verstummt."
Verstummen werden wir sicherlich nicht und das Umschwenken der
FSG nach meinen mündlichen Ausführungen in der Vollversammlung
läßt Hoffnung aufkommen, daß auch andere in den
Chor einstimmen werden.
Es war für mich persönlich ein unheimlich schönes
Erlebnis, daß nach meiner Rede viele einzelne KollegInnen
zu mir gekommen sind und sich bei mir für das "Wachrütteln"
bedankt haben. Daß etliche versprochen haben, sich der Sache
nun wirklich anzunehmen und daß allgemein eine Stimmung zu
vermerken war, die ich mir öfter in der politischen Landschaft
wünschen würde: Gemeinsam an einem Strang ziehen, etwas
verhindern, etwas genau hinterfragen - egal wer die Fragen gestellt
hat, egal welche Fraktion die "Urheberin" der Diskussion ist. Ein
herzlicher Dank am Schluß an Irmgard Schmidleithner. die wieder
einmal, wie so oft, mit ihrem couragierten Auftreten für einen
Schritt in die richtige Richtung gesorgt hat.
Wir sind schon ganz gespannt auf die Behandlung dieses Antrages
im zuständigen Fachausschuß und hoffen, daß sich
bis dahin alle in ihrem Bereich dafür eingesetzt haben, daß
Tests, wenn überhaupt, dann nur unter klaren Rahmenbedingungen,
mit klarer Eingrenzung der anzuwendenden Methoden, unter Einhaltung
aller Datenschutzbestimmungen und nur unter Berücksichtigung
des Kriteriums der Freiwilligkeit durchgeführt werden.
|
|