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Frauen sind kein Flexibilisierungspotential
Nicht nur Gewerkschaften und Betriebsräte beugen
sich zunehmend dem Globalisierungsdiktat.
Von Rita Ertl.
Auch Sozialministerin Hostasch, ehemals Präsidentin der
AK, hat sich offenbar dem Kommando der totalen Flexibilisierung
widerspruchslos ergeben. "Flexible Arbeitszeiten sind für unsere
Wirtschaft wichtig, damit die Betriebe im internationalen Wettbewerb
konkurrenzfähig bleiben", lautete ihre Stellungnahme im März. ‚Den
Betrieben helfen und die Arbeitnehmer schützen’, wie Hostasch im
Nachsatz beschwichtigend formulierte, bleibt somit frommer Wunsch.
Denn flexible Arbeitszeiten, die die Konkurrenzfähigkeit der Betriebe
erhöhen, können nur Arbeitszeiten sein, die kapazitätsorientiert
also auf die betrieblichen Belange hin ausgerichtet sind. Und die
sind per se nicht auf die Flexibilität ausgerichtet, die ArbeitnehmerInnen
sich wünschen. Von einer Ministerin, die vor noch nicht allzu langer
Zeit an der Spitze der Arbeiterkammer stand, sollten wir in bezug
auf Flexibilität allerdings andere Töne hören.
Wiederum aus dem Sozialministerium kommt ein Spruch nach dem Motto
‚Schön sprechen - garstig handeln’: Die 55. Novelle zum ASVG sieht
vor, künftig das Wochengeld auch Freien Dienstnehmerinnen zu gewähren.
Allerdings nicht, wie üblich, in der Höhe des durchschnittlichen
Einkommens aus den letzten 13 Wochen, sondern lediglich den Einheitsbetrag
von 2780 S. Wie die ÖGB-Frauenvorsitzende Irmgard Schmidtleithner
sehr richtig feststellte, kann davon allerdings auch die sparsamste
Frau nicht leben. Wir Frauen konstatieren (zum wievielten Mal?),
dass - aller offizieller Beteuerungen auf besondere Frauen-Unterstützung
zum Trotz - am weiblichen Teil der Bevölkerung immer wieder besonders
herumgespart wird. Statt Frauen in prekären Arbeitsverhältnissen,
zu denen die Freien Dienstnehmerinnen gehören, besonders intensiv
zu unterstützen, erhalten sie lediglich einen Bettel. Ausgerechnet
in der Zeit, in der sie am stärksten auf soziale Unterstützung angewiesen
sind.
Bislang galt es als Fakt, dass Frauen deswegen gern teilzeitarbeiten,
weil sie Kinder und Beruf unter einen Hut bringen möchten. Damit
wurde ihnen gesellschaftlich das gesamte Verantwortungspaket "Erwerbsarbeit,
Familienbudget, Erziehungsverantwortung" umgeschnürt. Gleichzeitig
war es insbesondere für zahlreiche Unternehmen, die verstärkt nur
mehr Teilzeitjobs anbieten, ein willkommenes Alibi. Tatsächlich
ist die Zahl derjenigen Frauen, die einen Teilzeitarbeitsplatz wollen,
rapide von 46 Prozent im Vorjahr auf 38 Prozent in diesem Jahr gesunken. Bei den
Alleinerzieherinnen sind es nur mehr ein Viertel. Die Gründe liegen
in der mangelnden Sozialabsicherung durch Teilzeit. Nicht nur, dass
der Teilverdienst für das Familienbudget nicht mehr ausreicht, auch
die Pension ist gefährdet. Wer als Frau in Teilzeit arbeitet, hat
darüber hinaus im Beruf noch weniger Chancen auf Weiterbildung als
ohnehin. Daraus resultieren wiederum weniger Aufstiegschancen.
Abhilfe könnte da nur eine grundlegende Arbeitszeitverkürzung schaffen,
mit der Frauen und Männer gleichermassen weniger arbeiten. Allerdings
nicht ohne Lohnausgleich für untere und mittlere Einkommen, denn
ein wesentlicher Teil der Frauen möchte ja deswegen von Teilzeit
auf Vollzeit wechseln, weil das Familienbudget zu knapp geworden
ist.
Frauen wollen sich zunehmend weniger als Flexibilisierungspotential
für Wirtschaft und Staat degradiert sehen, sondern Rahmenbedingungen
erhalten, in denen es ihnen möglich ist, einen Berufsverlauf nach
eigenen Bedürfnissen planen und durchführen zu können. Auch die
Frau Sozialminister sollte das zur Kenntnis nehmen.
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