NTM statt MAI
Das Mai ist gestorben, das nächste MAI kommt
bestimmt. Es soll "New Transatlantic Marketplace" heißen …
Von Bernhard Redl
In der letzten Ausgabe der Alternative hatten wir vor dem
"Internationalen Agreement on Investment" (MAI) gewarnt, das
offiziell nur zur weltweiten Gleichstellung in- und ausländischer
Investoren dienen sollte, de facto aber massive Eingriffe in die
jeweiligen nationalen Sozial-, Arbeits- und Umweltrechte bedeutet
hätte. Dieses Abkommen kann aber mittlerweile als klinisch tot bezeichnet
werden. Das Europäische Parlament hat in Folge der spät, aber doch
eingesetzt habenden öffentlichen Debatte mit 437 gegen 8 Stimmen
gegen den letzten MAI-Entwurf protestiert. Gewerkschaften und Umweltorganisationen
haben ebenso endlich begonnen, recht lautstark gegen das Abkommen
zu mobilisieren.
Gescheitert dürfte MAI aber vor allem an internen Widersprüchen
sein. Die europäischen Regierungen hatten eine Festschreibung der
Blockade gegen Investitionen etwa in Kuba oder Libyen, wie sie die
USA betreiben, als nicht dem Geist des Abkommens entsprechend abgelehnt.
Senatoren, die nicht auf einer Beibehaltung dieser nach Helms, Burton
und d’Amato benannten Gesetze beharren, müßten ernstlich um ihre
Wiederwahl bangen.
Andererseits verlangen die Franzosen eine Ausnahme für den Kulturbereich,
um beispielsweise nicht mit der französischen Filmförderung Hollywood-Schinken
unterstützen zu müssen — was der US-Regierung nicht paßt.
Angesichts dieser Schwierigkeiten hat der holländische Leiter der
OECD-Verhandlungen Frans Engering im März seinen Rücktritt erklärt
und gemeint, daß er nicht mehr an eine Unterzeichnung vor 1999 glaube.
Doch eigentlich hätten die Verhandlungen schon vor zwei Jahren abgeschlossen
sein sollen. Ob unter den Bedingungen des jetzt auch weltweit erwachten
Medieninteresses überhaupt noch unter dem Titel MAI ein Abkommen
beschlossen werden kann, ist mehr als fraglich. Kennzeichnend dafür
ist, daß selbst die österreichischen Liberalen, denen nun wohl kaum
Unternehmerfeindlichkeit vorgeworfen werden kann, MAI ablehnen,
da es "nicht einen schlanken, sondern einen schwachen Staat"
fördere, wie es in einer Aussendung heißt.
Aber Achtung! Es gibt nur Grund zu gedämpftem Jubel. Die EU-Kommission
bastelt schon an einem Ersatz für MAI. "New Transatlantic Marketplace"
heißt das geistige Kind des Kommissionsvizepräsidenten Leon Brittan.
Damit soll der EU-Binnenmarkt auf die USA ausgedehnt und mit massiven
Deregulationsmechanismen "verbessert" werden — von eben jener
Art, wie sie für MAI vorgesehen waren. Eine erste Annäherung der
natürlich auch diesbezügliche noch recht divergenten Standpunkte
auf höherer Ebene soll bei einem EU-USA-Gipfel im Mai stattfinden.
Ebenfalls zu beachten ist die 1999 beginnende "Millenium Round"
des GATT. Die letzte, als "Uruguay-Runde" bekannt gewordene
Verhandlungsrunde brachte mit der Schaffung der Welthandelsorganisation
WTO viele nationale Zollschranken oder Förderungen zu Fall - eine
der Hauptursachen dessen, was man so Globalisierung nennt. Für die
Millenium Round ist daher eine weitere Verschärfung dieses Regulationsabbaus
zu rechnen.
Dementsprechend wachsam gilt es zu sein, was so an Weltwirtschaftsrecht
in nächster Zukunft ausgebrütet wird. Dabei ist es ziemlich egal
unter welchem Namen diese Dinge laufen. Denn die Richtung ist klar:
Die Internationale des Kapitals versucht, sich das Recht vollkommen
nach ihren Vorstellungen zu schaffen.
Daher soll sich auch die für 20. Mai von der Anti-MAI-Koordinationsgruppe
geplante Demonstration nicht nur gegen das MAI an sich sondern auch
ganz allgemein gegen den Neoliberalismus richten. Diese Demo soll
der Abschluß der ebenfalls von dieser Gruppe geplanten Anti-MAI-Aktionstage
vom 18 bis 20. Mai sein. Wer Interesse hat: Die nächsten Treffen
der Koordinationsgruppe finden am 30. April und am 14. Mai, jeweils
um 18.30 im WUK-Umweltbüro, 1090, Währingerstr. 59 (Tel. 402 69
55) statt.
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