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Frauen-Parlament
Die Frauen lassen sich nicht aussperren
Internationaler Frauentag 1998 - 80 Jahre Frauenwahlrecht
- 80 Jahre Frauen im Parlament - wenige, aber es werden langsam,
sehr langsam mehr: Waren es 1918 bloß 8 Frauen im Parlament, darf
die Bevölkerungsmehrheit heute immerhin mehr als ein Viertel der
Abgeordneten im Nationalrat stellen. Repräsentativ im Sinne der
in der österreichischen Bundesverfassung konzipierten repräsentativen
Demokratie ist diese Unterrepräsentanz von Frauen in der Volksvertretung
immer noch nicht. Österreich ist nach wie vor eine demokratische
Männerrepublik, deren Recht vom Männervolk ausgeht, von wo es oft
als Unrecht zu den Frauen zurückkehrt (feministische Abwandlung
des Artikels 1 unserer Bundesverfassung).
Ein breites überparteiliches Bündnis von über 50 verschiedenen
Frauengruppen aus dem Gewerkschafts-, konfessionellen, linken, grünen,
liberalen Bereich, aber auch aus verschiedensten Ecken der sogenannten
"Frauenszene" will daher heuer schon zum zweitenmal zum
Frauentag ein "FRAUENPARLAMENT" veranstalten. Wenigstens
einmal im Jahr sollen Frauen ungehindert ihre Anliegen artikulieren
und diskutieren können, sollen sich vernetzen und informieren, aber
auch sich unterhalten und einander kennenlernen können. Was liegt
näher, als ein solches "FRAUENPARLAMENT" im Parlament
stattfinden zu lassen? Sollte eigentlich kein Problem sein, schließlich
sind die Frauen die Bevölkerungsmehrheit, zahlen Steuern und finanzieren
somit "ihre" Volksvertretung.
Als gelernte Österreicherinnen stellen die Organisatorinnen diesmal
bereits im Dezember 1997 einen Antrag an Nationalratspräsident Fischer,
ihnen am 6.März die Säulenhalle für ihr heuriges Frauenparlament
zur Verfügung zu stellen; geplant ist eine kulturell-künstlerische
Veranstaltung, mit einem Info- und Kunstmarkt von Frauen für Frauen;
weiters eine feministische Budgetrede, zu der Wortspenden abgegeben
werden können. Durch den Nachmittag führen sollte die Kabarettistin
Barbara Klein, es sollten keine langen politischen Reden gehalten
werden, sondern eine bunte, offene Veranstaltung stattfinden. Der
Veranstaltungstermin am Freitag nachmittag sowie die zeitliche Gestaltung
waren in Rücksicht auf die Sachzwänge der Parlamentsverwaltung ohnehin
bereits eine Kompromißvariante. Da schriftliche Anträge, wie die
Veranstalterinnen voriges Jahr gelernt haben, aber noch nicht ausreichen,
wird auch breite politische Unterstützung gesucht und gefunden:
Grüne, Liberale im Parlament, ÖGB-Frauen, Österreichischer Frauenring:
auch die Abgeordneten Bauer (ÖVP) und Hlavac (SPÖ) signalisieren
mögliche Unterstützung. Last, but eigentlich first, die Frauenministerin,
bei der die Veranstalterinnen am 12. Dezember in einem persönlichen
Gespräch um finanzielle und organisatorische Hilfe ersuchen: Die
Ministerin gibt daraufhin eine Verwendungszusage betreffend das
Parlament ab. In der Folge nimmt sie auch Kontakt zu Fischer auf,
der hat Bedenken hinsichtlich der Veranstaltung in der Säulenhalle,
die er nie mit den Veranstalterinnen selber bespricht. Außerdem
hält es das Parlament nicht für erforderlich, den Antrag vom Dezember
auf die Tagesordnung der Präsidiale, die einen einstimmigen Beschluß
fassen müßte, zu setzen. Niemand kümmert sich dort um das "Frauenparlament",
bis die Grünen in einer Feuerwehraktion den Antrag doch noch einbringen.
Ergebnis: Diskussionen, aber kein Einvernehmen. Angeblich haben
sie ja nichts davon gewußt, und die Frauen haben sich bei ihnen
nicht gerührt - ??? (So schreibt's übrigens auch die APA, obwohl
ihnen der wirkliche Sachverhalt bekanntgegeben wurde ... ).
Prammer bedauert, ihr wurde bis zuletzt signalisiert, daß die Sache
mit dem Parlament schon klappen werde; immerhin erhöht sie daraufhin
ihre Subventionszusage, damit das "Frauenparlament" doch
noch stattfinden kann.
Offiziell erfahren die Veranstalterinnen nach wie vor nichts. Gott
sei Dank reden Frauen miteinander, sonst stünden sie schön da....
Das "FRAUENPARLAMENT" wird trotzdem wie geplant stattfinden,
wenn sie die Frauen nicht doch noch hineinlassen, dann halt vor
dem Parlament: Volles Programm, wie eingeladen. Für warme Getränke
wird gesorgt, warme, bequeme Kleidung sollten die Frauen selbst
mitbringen. Denn: Die Frauen lassen sich nicht aussperren. Es ist
ihr gutes Recht als Staatsbürgerinnen, wenigstens einmal im Jahr
in der Volksvertretung ausreichend repräsentiert zu sein und sich
Gehör zu verschaffen. Lehrreich, daß einige hohe Herren und leider
auch Damen offenbar der Ansicht sind, dies sei eine Gnade, die die
Untertaninnen durch submissestes Antechambrieren und inständiges
Flehen erst erwirken müßten ...
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