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Budgetrede zum Internationalen Frauentag.
Von Elfriede Hammerl.
Sehr geehrter Herr Nationalratspräsident!
Hohes Haus!
Natürlich kann nur verteilt werden, was gemeinsam
erarbeitet wurde. Frauen erarbeiten viel. Sie leisten zwei Drittel
der gesellschaftlich notwendigen Arbeit. Trotzdem erhalten sie lediglich
ein Drittel der Einkommen. Das ist ungerecht und nicht einzusehen
und schon gar nicht einzusehen ist eine Budgetsanierung zu Lasten
der Frauen.
Wir wollen gerechtere Verhältnisse. Sind sie herstellbar? Selbstverständlich
sind sie herstellbar. Es ist möglich, bezahlte und unbezahlte Arbeit
gerecht aufzuteilen, vorausgesetzt, der Wille dazu ist da. Diesen
Willen fordern wir endlich ein. Ist nicht realisierbar? Frauen wollen
gar nicht in so großer Zahl in die Politik? Da wir von Geld reden.
Ein Schilling für jede Frau, deren politische Ambitionen an der
soliden Mauer aus männlichen Interessen zerbrochen sind, ein Schilling
würde uns reich machen. Wir fordern diesen Schilling nicht. Wir
fordern statt dessen was anderes: eine Koppelung der Parteienfinanzierung
an Quotierungsvorgaben. Das wäre ein sinnvoller Schritt in die richtige
Richtung.
Zunächst einmal wäre es wichtig, daß Politiker und Politikerinnen
erfahren, wie die Lebensrealität der meisten Frauen ausschaut. Wir
fordern daher erfahrene Politikerinnen - solche, die erfahren haben
und wissen, wie 52 Prozent der Bevölkerung leben (müssen). Wir fordern,
daß Frauen - die Hälfte der Menschen in diesem Land - auch die Hälfte
aller Positionen auf allen politischen Ebenen eingeräumt bekommen,
damit weibliche Lebenszusammenhänge ins Blickfeld der Politik gerückt
werden.
Freilich ist es damit keineswegs getan. Wir sehen in der geschlechtshierarchischen
Arbeitsteilung, der einseitigen Aufbürdung familiärer Lasten den
Ausgangspunkt für einen Kreislauf von Benachteiligungen für die
Frauen. Denn Hand in Hand mit dieser einseitigen Zuweisung der privaten
Versorgungsarbeit an die Frauen geht eine weitgehend an männlichen
Lebensläufen orientierte Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Ungleiche
Chancen im Beruf, in der Entlohnung sind die Folgen, und diese Ungleichheit
schlägt sich durch alle Sicherungssysteme bis in die Pension nieder.
Anders gesagt. Frauen arbeiten unbezahlt am und für das Funktionieren
des menschlichen Zusammenlebens - und werden dafür permanent bestraft.
Sie haben weniger Geld und weniger Ansehen, sie sind abhängig und
sehr oft auch frustriert, weil sie ihr Hirn auf Eis legen müssen,
um all den banalen Notwendigkeiten nachzukommen, in die Männer weder
Zeit noch Kraft investieren müssen.
Das Modell der Versorgungsehe, das immer noch durch die Köpfe spukt
und die zweifelhafte Grundlage der beschriebenen ungerechten Konzeption
darstellt, war schon im vorigen Jahrhundert kein Modell für alle
Frauen, und selbst die, die sich darauf verlassen wollten, mußten
oft erfahren, daß sie nicht versorgt, sondern verlassen waren.
Heute beanspruchen immer mehr Frauen ein Recht auf Berufstätigkeit,
auf eine eigene Existenz, weil sie das Risiko der Abhängigkeit vernünftigerweise
als zu hoch und die Abhängigkeit selbst begreiflicherweise als unbefriedigend
und demütigend ansehen. Aber selbst wenn mehr Frauen mehr Lust auf
die traditionelle Rollenteilung hätten, würde sie das nicht vom
Arbeitsmarkt fernhalten, weil immer mehr Familien ohne die Berufstätigkeit
der Frau gar nicht überleben könnten. Das war übrigens früher gar
nicht so sehr viel anders: Der sogenannte Ernährer hat in zahlreichen
Fällen mehr schlecht als recht ernährt, und es blieb den magischen
Fähigkeiten der Hausfrau überlassen, mit einem Minimum an Lebensmitteln
viele hungrige Mäuler stopfen zu sollen. Oft blieben sie bekanntlich
hungrig, und die Hausfrauen waren diejenigen, die am seltensten
satt wurden.
Wußten Sie, daß "558 Milliarden oder 22 Prozent des um den
Wert der Hausarbeit erhöhten Bruttoinlandsprodukts müßten aufgewendet
werden, um die in privaten Haushalten erbrachten Dienstleistungen
finanziell abzugelten." So steht es im Frauenbericht 1995.
558 Milliarden Schilling würden Hausfrauen verdienen, wenn sie mit
der Hausarbeit verdienen würden. 558 Milliarden Schilling verschenken
Mütter und Hausfrauen jährlich an die Familie, den Staat, die Allgemeinheit.
Nein, wir wollen keinen Lohn für Hausarbeit. Wir wollen vielmehr,
daß weniger Haus-Arbeit geleistet werden muß. Wir fordern ein größeres
Angebot an Dienstleistungen, einen Ausbau der kommunalen Infrastruktur,
ein flächendeckendes Netz von Kinderbetreuungseinrichtungen (in
denen Kinder wirklich betreut werden). Wir wollen Investitionen
in die Bildung und in den Umweltschutz, wir wollen, daß viele Bereiche,
die derzeit der privaten und ehrenamtlichen Initiative vor allem
von Frauen überlassen bleiben, professionalisiert werden. Und wir
wollen selbstverständlich Halbe/Halbe für den verbleibenden Rest.
Die Investition in Erwerbsarbeitsplätze hätte wiederum einen günstigen
Effekt auf die Einnahmenseite des Staatshaushaltes. Es wäre also
in unser aller Interesse, unbezahlte Dienstleistungen in bezahlte
Arbeitsplätze umzuwandeln.
Erwerbsarbeit und das Solidaritätsprinzip sind die Grundlagen
für soziale Sicherheit, wobei in einer grundlegenden Reform - anders
als bisher - unterschiedlichste Lebensbiographien berücksichtigt
werden müssen. Derzeit wird nur eine Art von Lebensbiographie berücksichtigt:
die vorwiegend männliche. Für sie gibt es soziale Sicherheit. Für
die weibliche - die deshalb weiblich ist, weil sie vorwiegend Frauen
aufgezwungen wird - gibt es sie nicht. So kann und darf es nicht
bleiben.
Doch obwohl Erwerbsarbeit und Solidarität wie gesagt die Grundpfeiler
der sozialen Sicherheit darstellen, sehen die Budgets von 1996 bis
1998 für Arbeitsmarktpolitik nicht mehr Geld, sondern vier Milliarden
weniger vor!
Arbeiterkammer-Budgetexperte Bruno Rossmann: "Die Budgets
bauen überwiegend auf Einmal-, Vorzieh- und Umschichtungsmaßnahmen
auf. Das ist zwar erlaubt und mit Ausnahme der Privatisierungen
auch ,Maastricht-konform', führt aber zu keiner nachhaltigen Budgetsanierung ...
Der budgetpolitische Spielraum ist damit noch nicht wiedergewonnen.
Zur Einhaltung des Stabilitätspakts werden in den nächsten Jahren
weitere Sparpakete notwendig sein."
Es ist höchste Zeit, ein anderes Konzept umzusetzen, das zu einer
tatsächlichen Sanierung des Staatshaushaltes führt. Kein Geld vorhanden
?
Für das heurige Jahr sieht das Budget so aus: Einnahmen: 666 Milliarden
aus Steuern und sonstigen Abgaben; Ausgaben: 750 Milliarden. Zwar
kommen noch andere Einnahmequellen hinzu, aber ein Defizit bleibt,
den Streit, in welcher Größe, überlassen wir den Experten und Expertinnen.
Ein Großteil der Ausgaben geht jedenfalls - für Schulden- und Zinsendienste
- an Banken und Versicherungen. Meinen Sie nicht, es wäre an der
Zeit, im Rahmen der EU-Gremien eine geänderte Zinspolitik von der
europäischen Zentralbank einzufordern?
Auffallend ist, daß bereits über 80 Prozent der Budget-Einnahmen
aus den beiden Massensteuern und von weiteren Verbrauchsabgaben
kommen, während der Anteil aus Einkommens- und Vermögenssteuer kontinuierlich
sinkt. Die Einnahmen aus Einkommen machen nur 1,55 Prozent des Budgets
aus, die aus Vermögen gar nur 0,37 Prozent - eine verschwindende
Größe.
Bei den Ausgaben fällt auf, daß die Ausgaben für Soziales nicht
nur - wie behauptet - in ihrem Wachstum begrenzt, sondern absolut
gesenkt wurden und werden. Das Doppelbudget 96/97 hat mit zwei Belastungspaketen
rund 100 Milliarden Schilling einspart - zu Lasten der sozial Schwachen.
Diese Einsparungspolitik wird auch im kommenden Budget 98/99 fortgesetzt
werden. Leistungen für die Familien, das Karenzgeld werden nicht
valorisiert. Das heißt: sie sinken weiter.
Das heißt: Wir sparen weiterhin an denen, die ohnehin schon wenig
haben, und die sich am schlechtesten wehren können. Sie wissen,
daß es in Österreich rund 2500 Steuerpflichtige gibt, die über zwei
Drittel aller Vermögen verfügen, nämlich über 442 Mrd., ausgeschrieben:
442.000.000.000 Schilling (neun Nullen)? Zweieinhalbtausend Menschen
in Österreich sind nahezu unvorstellbar reich. Die Armut der anderen
braucht sie nicht zu kümmern. Wir schonen den Reichtum der Reichen
und bitten die Armen zur Kasse. Warum? Weil sie ein hartes Leben
eh schon gewöhnt sind? Würden wir eine Vermögenssteuer von 2,2 Prozent
wieder einführen, wie sie in den USA oder im EU-Durchschnitt üblich
ist, brächte uns das jährliche Einnahmen von über 50 Milliarden
Schilling. Die Eintreibung sämtlicher Steuerschulden brächte uns
den gleichen Betrag oder mehr. Warum scheuen wir davor zurück? Warum
führen wir nicht endlich, wie seit langem gefordert, eine Wertschöpfungsabgabe
ein?
Sehr geehrter Herr Nationalratspräsident, hohes
Haus, wir wissen, daß es möglich ist, das Budget wirklich zu sanieren.
Wir sind überzeugt, daß das löchrige soziale Netz wieder ausgebessert
werden kann, daß Arbeitsplätze und Kinderbetreuungseinrichtungen
geschaffen werden können.
Schließen Sie sich unserer Überzeugung an. Setzen Sie in die Tat
um, was Sie immer wieder versprechen. Nehmen Sie die Anliegen der
Frauen ernst. Nehmen Sie sie ernst und realisieren Sie die Forderungen
des Frauenvolksbegehrens. Realisieren Sie sie jetzt!
2500 Steuerpflichtige in Österreich sind unermeßlich reich, während
zahlreiche Frauen von ihrer Ganztagsarbeit nicht einmal notdürftig
ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Machen Sie Schluß mit dieser
himmelschreienden Ungerechtigkeit und sorgen Sie sofort für ein
Mindesteinkommen von 15.000,- Schilling brutto und für eine sozialrechtliche
Absicherung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse!
Im Namen von über fünfzig verschiedenen Frauengruppen
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