Kahlschlag
Nach dem Beschäftigungsgipfel ist der Kampf gegen
Arbeitslose wieder nationale Sache.
Von Thomas Schwarzenbrunner.
Der Sparwahn kennt keine Grenzen. Nachdem unser Bundeskanzler
große Versprechungen in Richtung Jugendbeschäftigung abgegeben hat,
wird nun in Oberösterreich klar, wer diese Rechnung bezahlt. 300
Millionen Schilling müssen im Rahmen des Jugendbeschäftigungsprogrammes
der Regierung vom AMS OÖ für entsprechende Maßnahmen zur Verfügung
gestellt werden. Diese Mittel werden bei Sozialprojekten gestrichen,
da der Bund nicht mehr Geld zur Verfügung stellt. Bis zum heutigen
Tag ist noch unklar, wie diese Kürzungen vorgenommen werden. Klar
ist allerdings, daß der Bund und somit das AMS die Verantwortung
abgibt. Das Land OÖ hat zwar jetzt 32 Millionen Subventionen aus
dem Landesbudget zugesagt, doch ist dies erstens viel zu wenig und
zweitens nicht sinnvoll, weil Bundesangelegenheiten auch vom Bund
bezahlt werden müssen. Sollten die Interventionen der Sozialpartner
und der Projekte auf Bundesebene nicht erfolgreich sein, müssen
fast alle Beschäftigungsprojekte zusperren und mehr als 400 Menschen
werden auf die Straße gesetzt.
Was ist passiert?
Nachdem die Plattform der OÖ Sozialprojekte (Dachverband und Interessensvertretung
der OÖ Sozialprojekte) schon monatelang Vorbereitungen für den Widerstand
gegen die geahnten Kürzungen unternahm kam es am 26. November zur
ersten Krisensitzung. Dabei wurde versucht, das Ausmaß des Kahlschlags
darzustellen und Widerstand zu organisieren. Am 27. November trafen
weitere Meldungen über Streichungen von Sozialprojekten ein. Die
Autowerkstätte Vehikel, das Frauenförderungsprojekt VFQ und die
Fahrradwerkstätte B7 erhielten die Nachricht über ihr Ende. Die
Plattform begann mit Pressearbeit und Verhandlungen mit zuständigen
PolitikerInnen und BeamtInnen.
Am 3. Dezember fand die Direktoriumssitzung des AMS statt, wo über
die massiven Streichungen und Kürzungen für 1998 abgestimmt werden
sollte. Die Plattform der OÖ Sozialprojekte organisierte einen "Besuch"
beim AMS OÖ, wo Betroffene ihren Unmut kundtun sollten und die Delegation
von VertreterInnen von 3 betroffenen Sozialprojekten in der Direktoriumssitzung
unterstützen sollten.
Während in den oberen Etagen des AMS die VertreterInnen der Wirtschaftskammer,
der Industriellenvereinigung, der AK und der Gewerkschaft die Argumente
der betroffenen Sozialprojekte zu hören bekamen, wurde zu ebener
Erde getrommelt, gepfiffen und gesungen. Mehr als 500 Menschen haben
sich frühmorgendlich zusammengefunden um ihren Unmut über diese
Umverteilung von den Armen zu den Armen kundzutun. Sie demonstrierten
unter dem Motto "Wir wollen gehört werden" gegen den Zynismus,
der mit den Maßnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit prahlt und
die schwächsten Gruppen (Langzeitarbeitslose, Wiedereinsteigerinnen,
Schwer Vermittelbare, etc.) bekämpft.
Nachdem die ArbeitnehmerInnenvertreter von AK und ÖGB nicht bereit
waren, konkreten Maßnahmen und Schließungen zuzustimmen, wurde die
Sitzung vertagt.
Wie geht's weiter?
Das AMS OÖ hat von der Plattform verlangt, eine Liste anzufertigen,
die die Projekte, die auf keinen Fall geschlossen werden dürfen,
beinhaltet. Nachdem die Plattform diese Forderung entschieden zurückgewiesen
hat, wird das AMS diese Liste nun selber basteln. Die Plattform
wird in Unterstützung verschiedener fortschrittlicher Gruppen weiteren
Widerstand forcieren. Am 19. Dezember hat eine Großdemonstration
in Linz unter dem Motto "Arbeitslosigkeit geht uns an!"
stattgefunden. Weitere Gespräche werden geführt und Interventionen
bei EntscheidungsträgerInnen probiert.
Wer ist betroffen?
Noch immer treffen Meldungen über betroffene Projekte ein. Das
heißt, eine genaue Darstellung der Streichungen ist noch nicht möglich,
da kein Stein auf dem anderen bleibt. Soviel ist allerdings schon
klar:
- 11 Ausbildungsprojekte werden geschlossen. Davon sind 200 KursteilnehmerInnen
betroffen. Lehrabschlußkurse und Arbeitstrainingskurse werden gestrichen.
Die TeilnehmerInnen können diese Ausbildungen teilweise nicht fertig
machen.
- 17 Ausbildungsprojekte können unter der Bedingung massiver Kürzungen
weitermachen. Es gibt keinerlei Qualitätsanspruch mehr.
- Arbeitsmarktpolitische Beratungseinrichtungen erleiden massive
Budgetkürzungen (Verein zur Betreuung der AusländerInnen in OÖ:
Kürzung ca. 20 Prozent).
- Gemeinnützige Eingliederungsbeihilfe GEB (früher Aktion 8000)
soll zur Gänze gestrichen werden.
Das AMS OÖ präsentiert damit den Bankrott der Innovativen Arbeitsmarktpolitik.
Eine 15jährige Partnerschaft wird von einem Tag auf den anderen
aufgekündigt und mehr als 400 Menschen sollen auf die Straße gesetzt
werden. Wir protestieren schärfstens gegen diese Pläne der Bundesregierung
und des AMS und unterstützen den Forderungskatalog der Plattform
der OÖ. Sozialprojekte:
- Mehr finanzielle Mittel für eine aktive Arbeitsmarktpolitik
- Das Recht auf Beratung, Qualifikation und Beschäftigung für Arbeitslose
- Ausreichende Mittel für Arbeitslosenprojekte
- Kein gegenseitiges Ausspielen von unterschiedlichen Arbeitslosengruppen
(Jugendliche, Frauen, Langzeitarbeitslose, ... )
- Weiters fordern wir eine radikale Arbeitszeitverkürzung auf 30
Stunden/Woche und eine Umverteilung durch gerechte Steuerpolitik.
Wir sind nicht für die Wirtschaft da, sondern die Wirtschaft ist
für uns alle da!
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