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Budget- und Pensionspolitik:
Nur Umverteilung von unten nach ganz oben
Der Versuch einer Analyse der Pensionseinigung.
Von Karl Fischbacher.
Der Handlungsdruck "von oben" war (und ist) gewaltig.
ÖGB/GÖD handeln letztlich unter der "neuen Weltordnung"
der Anleger von Billionen Dollar, Pfund, DM, Schilling etc. rund
um den Erdball. Banken, Versicherungen, Spekulanten suchen ständig
die höchsten Gewinnraten - rund um den Erdball. Das Finanzkapital
und die Großkonzerne im Lande zu behalten ist das eine (mit steuerfreien
Stiftungsrechten, abgeschafften Vermögenssteuern und flexiblen Produktions-
und Verkaufsbedingungen), den Euro zur starken Reservewährung zu
machen, ist das andere Diktat, wo Europas Regierungen samt der österreichischen
glauben, damit die Devisenhändler zufrieden zu stellen. Möglichst
geringe Besteuerung der Zinseinkünfte, stabiler Außenwert des Schilling
und niedrige Inflation - kurz, exakt die EU-Maastricht-Kriterien,
sind das Gebot der "neuen Weltordnung". Nur unterhalb
dieser Ebene des "großen Geldes" wird hierzulande (und
weltweit) Budget- und Sozialpolitik gemacht!
Die Pensionen kosten rund 100 Milliarden Staatszuschuß. Dieser
Beitrag sinkt prozentuell seit 1975, sodaß sich die Versicherten
in Österreich ihren sozialen Standard zu rund 75 Prozent selber bezahlen!
Wachsende Posten des Budgetdefizits sind hingegen die Zinszahlungen
an die Banken (heuer rund 92 Mrd.). "Der Zinsendienst ist ja
eine klare Umverteilung von den kleinen Einkommensbeziehern zu den
Vermögensbesitzern und -verwaltern, wie Banken, Versicherungen oder
Investmentfonds", sagt der in keiner Weise linksverdächtige
Präsident des Staatsschuldenausschusses Frisch. Denn diese 92 Milliarden
machen bereits zwei Drittel der staatlichen Steuereinnahmen aus
Lohnsteuer und Mehrwertsteuer aus, die ihrerseits wieder rund 80
Prozent der Gesamtsteuereinnahmen darstellen!
Also nur ein Kasperltheater? Verzetnitsch, Dohr und Neugebauer
kennen natürlich die oben beschriebene "Zwangslage" sehr
gut. Dennoch waren die Muskelspiele von ÖGB/GÖD in den letzten Monaten
sicherlich nicht bloß ein Kasperltheater. Allerdings erinnerte einiges
sehr wohl an die Urania-Puppenspiele, wenn man sich nur einmal die
Beschwörungen der Dohr & Neugebauer gegen jeden Durchrechnungszeitraum
für die Pensionen der "treuen" Beamtenschaft noch auf
dem Gewerkschaftstag gibt.
Schon am Dienstag nach dem GÖD-Gewerkschaftstag, ratterten die
"15 Jahre" Durchrechnungszeitraum auch für BeamtInnen
über die Fernschreiber. Alles, was vorher beschworen wurde - vom
heiligen Berufsbeamtentum, das es mit Treueschwüren und Disziplinarordnungen
ohnehin schon schwer genug habe bis zur nicht antastbaren "Vertragssicherheit"
- gilt jetzt nicht mehr!
Aber es war Dohr & Neugebauer mit der Verteidigung der Senatsratspensionen
auch sehr ernst. Durchrechnungszeiträume bedeuteten für die Herren/Damen
Hofräte, Richter und honorigen Uni-ProfessorInnen monatliche Pensionsabschläge
um die 10.000 Schilling (von ihren 60.000 bis 70.000 Schilling "Ruhegenuß").
Als Zweites blies den Gewerkschaften in den vergangen Jahren allerdings
auch ein scharfer Wind ins Gesicht. Die GÖD konnte zwar als einzige
Fachgewerkschaft im ÖGB noch an Mitgliedern dazu gewinnen (1996:
1000). Aber nur all zu gut in Erinnerung waren da noch die Austrittsbewegungen
im Öffentlichen Dienst nach den letzten Minuslohnrunden etc. Widerstand
markieren war somit in der Pensionsfrage angebracht.
Verzetnitsch, Dohr und Neugebauer befanden sich jedoch von Anfang
an grundsätzlich auf dem Kurs der Budgetkonsolidierung à la Euro.
In der GÖD wechselten sich Dohr und Neugebauer schon Wochen vor
der Einigung gegenseitig ab, "Alternativen" zur Durchrechnungszeitraum-Pensionsreform
der Regierung vorzuschlagen: Erhöhung des Beamtenpensionsalters,
Erhöhung der Abschlagszahlungen bei Frühpensionen und Verschlechterungen
"nur" bei den Neuanstellungen (zuletzt mit allen Vertragsbrüchen,
die es nur gibt, bei jenen, die "erst" 10 Jahre pragmatisiert
sind).
Erst in der allerletzten Phase des Streits mit der Regierung kamen
den Beamtengewerkschaftern Solidaritätsfloskeln mit den ASVG-Versicherten
über die Lippen. Die GPA-Sallmutter, GMBE-Nürnberger & Co wiederum
pochten lediglich in dem Sinne auf die Interessen der ASVG-ArbeiterInnen
und Angestellten, indem sie dort Verschlechterungen nur hinnehmen
wollten, wie es sie auch für die BeamtInnen gebe! Trotzdem stimmten
sie schließlich substantiellen Pensionsverschlechterungen gerade
für die am schlechtesten gestellten ArbeiterInnen zu, die wegen
Krankheit, Behinderung oder Arbeitslosigkeit unfreiwillig aus dem
Erwerbsleben ausscheiden müssen bzw. von Unternehmern rausgedrängt
werden (Abschlagszahlungen).
Eine fortschrittliche Oppositionsbewegung in den Gewerkschaften
ist nötig!
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