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Alternativen zum Neoliberalismus
Auszüge aus einer Buchpräsentation
von Rupert Weinzierl.
- zur Behauptung, ein Abbau von Sozialleistungen sei unabdingbar:
das österreichische Volkseinkommen liegt heute um real 30 Prozent
über demjenigen von vor zehn Jahren - ein stattlicher Zuwachs!
Der Wert der in Österreich akkumulierten Vermögen ist
in einer AK-Studie auf 6000 Milliarden Schilling geschätzt
worden - daraus fließen jedes Jahr Vermögenseinkommen
von mindestens 300 Milliarden Schilling pro Jahr! Die österreichische
Wirtschaft wächst außerdem ab 1998 wieder deutlich schneller:
1998 laut WIFO wahrscheinlich um 2,5 und 1999 um schöne 3 Prozent!
Österreich ist zur Jahrtausendwende also reicher als je zuvor
in seiner Geschichte und kann sich die Aufrechterhaltung des Wohlfahrtsstaates
durchaus leisten - das ist nur eine Frage des politischen Willens
und damit ein Verteilungs- und kein Finanzierungsproblem!
- zur apokalyptischen Beschwörung einer "Globalisierungsfalle":
die EU exportiert nicht mehr als acht Prozent aller im Binnenmarkt
erzeugten Güter und Dienstleistungen in Nicht-EU-Staaten -
deshalb ist das Hauptproblem Europas nicht so sehr die globale Konkurrenzfähigkeit,
sondern vielmehr die nach monetaristischen Rezepturen hausgemachte
Beschäftigungsmalaise! Österreich wickelt zwei Drittel
seines Export- und 70 Prozent seines Importvolumens mit anderen
EU-Staaten ab - eine deutliche Europäisierung (und nicht Globalisierung)
der österreichischen Volkswirtschaft.
- Zur Behauptung, die viel zu hohen Arbeitskosten müßten
gesenkt werden: in Österreich reagiert die Beschäftigung
kurzfristig kaum auf Reallohnschwankungen. Lohnverzicht schafft
in Österreich also keine zusätzlichen Arbeitsplätze,
sondern steigert nur die Gewinnquote (das wäre nichts anderes
als eine Umverteilung zugunsten der Unternehmen). Beleg für
diese Behauptung: in den 80er Jahren ist die Arbeitslosigkeit trotz
Lohnzurückhaltung gestiegen, während in den 70ern hohes
Beschäftigungswachstum bei stark steigenden Realeinkommen erzielt
wurde! Sehr langfristig gesehen ist eine Beschäftigungswirkung
von Reallohnsenkungen durch eine Verbesserung der internationalen
Konkurrenzfähigkeit möglich, die aber vom Rückgang
der Konsumnachfrage weitgehend kompensiert und von anderen Faktoren
wie Änderungen in den Wechselkursrelationen weit übertroffen
wird. Die Angst vor einer Auslagerungsepidemie ist ebenfalls eine
unbegründete Hysterie, denn die Auslagerungen sind meist rein
substitutiv und steigern das Wirtschaftswachstum dadurch um rund
0,5 Prozent pro Jahr! ...
Durch die neoliberale Überbetonung von geldwirtschaftlicher
Stabilität und Budgetkonsolidierung sind unserer Meinung nach
andere, notwendigere Prioritätensetzungen (Verbesserung der
Beschäftigungssituation, Erhöhung von realwirtschaftlichen
Investitionen, größere Gerechtigkeit in der Einkommens-
und Vermögensverteilung, umweltpolitische Zielsetzungen) verhindert
worden ...
Der Katalog vorgeschlagener Maßnahmen umfaßt etwa
die Etablierung sozialer Mindeststandards zur Verhinderung von Social
Dumping, die Beendigung des europäischen Steuersenkungswettbewerbs
durch die Bildung einer Steuerunion, die Neuorientierung der europäischen
Geldpolitik an Wachstums- und Beschäftigungseffekten (anstelle
von Geldmengenzielen), die Konzeption und Verwirklichung europäischer
Infrastrukturmaßnahmen (Stichwort Transeuropäische Netze)
und die europaweite Regulierung der Finanzmärkte.
Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftspolitik/Rupert
Weinzierl, "Wirtschaftspolitische Alternativen zur globalen Hegemonie
des Neoliberalismus", Autoren: Nowotny/Proske/Rosner/Rothschild/Schulmeister/Walther/Weinzierl,
soeben erschienen im ÖGB-Verlag, ISBN: 3-7035-0660-1, Preis:
228 öS
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