Streik bei UPS
Ein starkes Lebenszeichen der amerikanischen
Gewerkschaften - meint Thomas Kerschbaum.
Der weltweit größte Speditionskonzern
"United Parcel System" (UPS) machte Schlagzeilen: Die Teamsters,
eine der größten nordamerikanischen Gewerkschaften, bestreikte
UPS vom 4. bis 19. August 1997. Seit Monaten kämpfen die amerikanischen,
aber auch einige europäische Gewerkschaften und die internationale
Fachgewerkschaft ITF (International Transport Workers Federation)
gegen Flexibilisierung und Kündigungen.
Der Konzern macht pro Jahr einen Gewinn von 1 Mrd. US$, beschäftigt
302.000 ArbeiterInnen und hat Standorte in über 200 Ländern.
In den USA besitzt UPS eine eigene Fluglinie und transportiert 80 Prozent
der Pakettransporte in den USA. Nur die Post beschäftigt mehr
Leute in der Transportbranche. Der Kollektivvertrag bei UPS hat
Beispielwirkung für die ganze USA. Die Teamsters, die Gewerkschaft
"International Brotherhood of Teamsters" mit insgesamt 1,4 Millionen
Mitgliedern und 400.000 PensionistInnen, organisieren 2/3 der ArbeiterInnen
bei UPS.
Jahrelang mußten die amerikanischen ArbeiterInnen Reallohnverluste
hinnehmen. Zusätzlich gibt es immer mehr Teilzeit-Jobs. Die
Stundenlöhne für Teilzeit-Jobs liegen aber unter jenen
der Vollzeit-Arbeitsplätze. Bei UPS lag der Startstundenlohn
für Teilzeit-Jobs seit 1982 immer bei 8 US$ und wurde nie angepaßt.
Erst dieser Streik führte zur Erhöhung der Löhne
für Teilzeit-Beschäftigte. Die Teilzeit-Arbeit war auch
ein zentraler Streitpunkt bei den KV-Verhandlungen. In den letzten
Jahren hat UPS immer mehr Teilzeit-Jobs geschaffen, aber gleichzeitig
immer mehr Vollzeit-Arbeitsplätze abgebaut und Bereiche des
Unternehmens ausgegliedert. Im Moment sind 60 Prozent der Belegschaft Teilzeit-Beschäftigte.
Die Gewerkschaft forderte mindestens 10.000 Vollzeit-Arbeitsplätze
in den nächsten 5 Jahren und ein Ende des "subcontracting",
also die Beschäftigung von immer mehr Subunternehmern.
UPS wollte auch den überbetrieblichen Pensionsfonds der Teamsters
aufbrechen und für alle UPS-Beschäftigten nur eine UPS-Pensionskassa
einführen. Dieser UPS-Fonds wäre dann nicht von Treuhändern
(von Arbeitgeber und Gewerkschaften nominiert), sondern alleine
vom UPS-Management verwaltet worden. UPS versucht wie alle anderen
Konzerne, die überbetrieblichen Fonds los zu werden, damit
sie kein neues Geld zuschießen müssen. Neben der Erhöhung
der Pensionen forderte die Gewerkschaft auch eine Lohnerhöhung.
UPS bot nur eine Einmalzahlung an, damit die Basis der Stundenlöhne
nicht erhöht wird.
Das UPS-Management forderte einen Abbau von Gewerkschaftsrechten:
Kündigungen sollten erleichtert, der Einfluß der Teamsters
auf den ArbeitnehmerInnenschutz eingeschränkt und die Disziplinarmaßnahmen
gegen "unwillige" ArbeiterInnen verschärft werden. Dabei geht
es um die Gewichtslimits für Pakete, die UPS ohne Einwilligung
der Gewerkschaft erhöhen wollte.
Dieser Streik konnte nur erfolgreich sein, weil die finanzielle
Solidarität der anderen Gewerkschaften und des Dachverbandes
AFL-CIO vorhanden war. Pro Woche bekamen die Streikenden 55 US$
Streikgeld, das kostete den Teamsters 10 Mill. US$ pro Woche. Die
Postgewerkschaft verhinderte die Beschäftigung von Aushilfskräften
bei der Post, um die Aufträge von UPS annehmen zu können.
Die großen Medien wie CNN machten Stimmung gegen den Streik,
aber die Stimmung innerhalb der Bevölkerung unterstützte
von Beginn an die Teamsters. Hunderte Streikposten, Pressekonferenzen
auch mit anderen Gewerkschaften - die Teamsters organisierten eine
wahre Flut von Aktionen. UPS machte Druck auf Präsident Clinton,
doch in den Streik zu intervenieren und diesen zu beenden. Laut
dem Taft-Hartley-Gesetz darf der Präsident einen Streik verbieten,
wenn dieser die wirtschaftlichen Interessen der USA bedroht. Doch
UPS geriet immer stärker unter öffentlichen und politischen
Druck, doch endlich einen neuen KV abzuschließen. Alleine
einen KV abzuschließen, war jetzt ein Sieg der Gewerkschaft.
Abgesehen davon, daß der KV auf 5 Jahre und die Löhne
auf der Basis 1997 abgeschlossen wurden, setzten sich die Teamsters
mit allen Forderungen durch.
Endlich hat eine große US-Gewerkschaft wieder einen Streik
geführt und halbwegs erfolgreich beendet. Der Organisationsgrad
der Gewerkschaften liegt bei sehr niedrigen 15 Prozent, die Gewerkschaften
werden durch strenge Gesetze in ihrer betrieblichen und politischen
Arbeit eingeschränkt. Ein Signal für die amerikanische
Arbeiterbewegung? Vielleicht. Es liegt viel jetzt bei der Gewerkschaftsführung,
die aber noch immer politisch die Demokraten unterstützt. Letztes
Jahr wurde von einigen Gewerkschaften die "Labor Party" gegründet.
Doch die großen Gewerkschaften lehnten noch einen eigenen
Präsidentschaftskandidaten gegen Clinton ab. Aber jetzt müssen
die US-Gewerkschaften den nächsten Schritt machen und die Labor
Party als echte Konkurrenz zu Demokraten und Republikaner mit Leben
erfüllen. Irgendjemand muß schließlich die soziale
Trendwende auch herbeiführen.
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