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Dienstbotengesellschaft

Tolle Perspektive: Homeservice-Projekte, Dienstleistungsschecks und steuerliche Absetzmöglichkeiten für Reiche.

Von Ilse Löwe-Vogl.

 

 

In der Steiermark, dem Land mit sehr hohen Arbeitslosenraten, fällt die Idee der Dienstbotengesellschaft auf politisch fruchtbaren Boden. Weil in Frankreich und Dänemark angeblich erfolgreich angetestet, wird vor allem von der steirischen ÖVP das Homeservice-Projekt in die interessierte Öffentlichkeit getragen.

In österreichischen Haushalten wird eine Heerschar SchwarzarbeiterInnen vermutet. Die geschätzte Zahl beläuft sich zwischen 60.000 und 300.000 illegal Arbeitende. Diese sollen mit der Schaffung von Dienstleistungsfirmen legalisiert werden. Zur Unterstützung dieses Vorhabens wird die EU mit ihrem 1993 veröffentlichten Weißbuch "Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung" herangezogen. Häusliche Dienstleistungen zählen danach zu jenem Bereich, in dem Arbeitsplätze in großer Zahl geschaffen werden können.

Überschätzte Möglichkeiten

Die Möglichkeiten gelegentlich in fremden Haushalten arbeitender Frauen und Männer mit guten Vollzeitarbeitsstellen werden aber sicher überschätzt. Es ist davon auszugehen, daß viele der "SchwarzarbeiterInnen" nur gelegentlich tätig sind, zur Aushilfe oder wenn spezielle Arbeiten anfallen. Die Einschätzung, es könnten damit dauerhafte und kontinuierliche Arbeitsplätze geschaffen werden, muß bezweifelt werden. Die Qualität der Arbeitsplätze dürfte sich im untersten Niveau bewegen, ohne Qualifizierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.

Vorgelegte Zahlen aus Dänemark sind zunächst beeindruckend: 2500 Vollzeitarbeitsstellen sind durch 4500 eigens gegründete Gesellschaften geschaffen worden. Die Relation zwischen diesen beiden Zahlen läßt allerdings den Schluß zu, daß es dabei sehr viele Teilzeitbeschäftigte geben muß, denn aus der vorhandenen Relation läßt sich entweder folgern, daß diese Gesellschaften sehr klein sind oder eben sehr viele Teilzeitkräfte beschäftigten. Interessant wäre zu erfahren, ab welcher Stundenzahl Dänemark Teilzeitbeschäftigte als solche ausweist. Es könnten sich viele "geringfügig Beschäftigte" darunter verbergen. Die Anzahl der Beschäftigten sagt darüber hinaus nichts aus über die tatsächliche Möglichkeit, von den angebotenen Stellen im Teilzeit- und Geringfügigkeitsbereich eigenständig und existenzsichernd leben zu können.

Qualität der Arbeiten

Das Homeservic-Projekt wird vielfach angepriesen, um die Aufgabe der Kinderbetreuung in den Familien zu übernehmen. Dabei wird völlig außer Acht gelassen, daß es im staatlichen Interesse liegen muß, Kinderbetreuung nicht nur als bloße Aufsicht zu betrachten, sondern als pädagogisch äußerst wertvolle Arbeit zu sehen ist und nur von gut ausgebildeten Kräften übernommen werden dürfte. Eltern können und wollen aufgrund immer stärkerer beruflicher Inanspruchnahme zunehmend weniger Zeit für die Erziehung ihrer Kinder aufwenden. Die Gefahr besteht, daß gut ausgebildete PädagogInnen in den Kindergärten - aus Kostengründen - nicht mehr finanziert werden und statt dessen die Kinderbetreuung zur Sachbetreuung verkommt. Bislang geltende Ansätze, auch Tagesmütter- und private Einrichtungen mit fachlich gut qualifiziertem Personal auszustatten, werden damit bewußt unterlaufen.

Gleiches gilt für das Pflegepersonal in der Kranken- und Altenbetreuung. Für beide Zielgruppen ist es unablässig, gut ausgebildete Fachkräfte zur Betreuung einzusetzen. Beim Homeservice-Projekt ist zu vermuten, daß Langzeitarbeitslose ohne fachliche Qualifizierung eingesetzt werden. Dies vor allem dann, wenn private Firmen mit der Organisation beauftragt werden, denn in diesen gilt allein der finanzielle Profit.

Dienstleistungsschecks sollen nach Vorstellungen der ÖVP in allen Banken und Postämtern aufliegen. Stundenweise Beschäftigungen in Privathaushalten würden mit einem Haushaltsscheckverfahren zu einem Gesamtbeschäftigungsverhältnis gebündelt. In arbeits- und sozialrechtlicher Hinsicht ein sehr fragwürdiges Verfahren, denn die Auswirkungen sind in ihrer negativen Wirkung für den/die DienstnehmerIn nicht abzuschätzen. Aufgrund der Vielzahl der unterschiedlichen Dienstorte in den einzelnen Familien ist eine Standardisierung des Arbeitsverhältnisses und der Arbeitsqualität kaum mehr möglich. Die Durchsetzungsmöglichkeit von Arbeitsschutzbestimmungen würde extrem schwer fallen.

Ein Privileg für Reiche

Steuerabsetzbeträge sind nur für diejenigen Haushalte interessant, die über ein entsprechend hohes Einkommen verfügen, das es erlaubt, Haushaltshilfen steuerlich geltend zu machen. Ein Instrument also, das vorwiegend priviligierten Haushalten zugute kommt, auch wenn der Vorschlag davon spricht, die erbrachten Leistungen den Haushalten einkommensabhängig zu verrechnen. Haushaltshilfen werden sich in erster Linie reichere Familien gönnen (die weniger Reichen sind ja als Dienstboten vorgesehen). Die schon überwunden geglaubte Teilung der Gesellschaft in eine gut verdienende kleine Oberschicht und eine breite und schlecht verdienende, mit mehreren geringfügigen Jobs ausgestattete Unterklasse, wäre somit wiederhergestellt.

Bisher öffentlich angebotene Dienstleistungen wie gut und qualitativ ausgestattete Kindergärten, Kranken- und Altenheime, werden damit völlig zurückgedrängt. Wertvolle Arbeitsplätze - auch in der Ausbildung - gehen verloren.

Aus Frauensicht

Zu befürchten ist, daß Frauen, die schlecht ausgebildet und arbeitslos sind, für diese Mini-Jobs in den Haushalten eingesetzt werden, damit eine gut verdienende Oberschicht immer höheren Leistungsanforderungen entsprechen können.

Der Staat entledigt sich mit der Schaffung dieser Dienstleistungsjobs minderer Qualität seiner Aufgabe, gute Ausbildungsmöglichkeiten, insbesondere für Frauen, zur Verfügung zu stellen. In einer Zeit, in der Frauen immer rasanter von Arbeitslosigkeit betroffen sind, müßten verstärkt Qualifizierungsmöglichkeiten und entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Aktive Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik für Frauen und die Schaffung qualitativ hochwertiger Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, Kranke und ältere Menschen sind gesellschaftspolitisch unabdingbar und einer sich ankündigenden Dienstbotengesellschaft entgegenzusetzen.