Stabilität in flexiblen Zeiten - Utopie oder Vision
Flexible Arbeitszeiten und verlängerte
Öffnungszeiten im Handel brachten ein weiteres "heißes"
Thema auf: Die Öffnungszeiten der Kindergärten und Horte.
Von Raphaela Keller.
Die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG),
die Kinderdrehscheibe (KIDS) und die Berufsgruppe von Kindergarten-
und HortpädagogInnen Wiens (BKHW) erarbeiteten in einem Arbeitskreis
zu dieser Problematik zwei Grundsatzpapiere. Manche Standpunkte
ließen sich nicht auf einen Nenner bringen, zu kontroversiell
ist dieses Thema.
Die gemeinsame Forderung nach sofortiger Installierung eines Arbeitskreises,
der sich aus VertreterInnen der Fachwissenschaften, der Jugendwohlfahrt,
der Arbeiterkammer, der GdG, der KIDS und der BKHW zusammensetzt,
wurde bei der Tagung am 6. März, an der 170 Personen teilnahmen,
einhellig unterstützt. Die Bereitstellung ideeller und finanzieller
Ressourcen für diesen Arbeitskreis wurde von der GdG, der Wiener
Wirtschaftkammer, der MA 11, dem Arbeitsmarktservice und dem Familienministerium
zugesichert! Aufgabe des Arbeitskreises ist es, die Bedürfnisse
aller Betroffenen detailliert zu erheben, konstruktive Vorschläge
zur Sicherung dieser Bedürfnisse zu erarbeiten und die notwendigen
Rahmenbedingungen und Ressourcen zur Umsetzung auszuarbeiten. Der
Ergebnisbericht soll dem Jugendwohlfahrtsträger und den SozialpartnerInnen
als Handlungsgrundlage dienen.
Ein Fragebogen wurde an das Personal öffentlicher und privater
Kindertagesheime verteilt. Mit neutralen Fragestellungen wollten
wir spontane Reaktionen zur Bereitschaft, eventuell nach 17.30 Uhr
im Kindertagesheim zu arbeiten. Wir haben die spontanen Reaktionen
erhalten!
30 Prozent der Befragten sind bereit, tageweise oder regelmäßig
Abenddienste zu leisten. 70 Prozent der Bediensteten lehnen Abenddienste
ab. Die dafür genannten Gründe lassen sich in mehrere
Argumentationsstränge zusammenfassen:
- Persönliche Gründe
- Gesellschaftspolitische Überlegungen
- Überlegungen zur pädagogischen Arbeit
- Befürchtungen bezüglich der Öffnungszeiten und
der Aufenthaltsdauer der Kinder
Die Auswertung der Fragebögen brachte viele Probleme zutage,
die schon lange bekannt sind, und um deren Lösung wir uns bisher
vergeblich bemüht haben: zu große Kinderanzahl in den
Gruppen, zu wenig Personal, zu viele Kinderdienststunden, zu geringe
Bezahlung, ungenügende Rückzugsmöglichkeiten für
die Kinder aber auch für das Personal!
Das Unabhängige Frauenforum (UFF) unterstützte mit einem
Referat von Fr. Elfriede Hammerl die Anliegen der Veranstaltung.
In einer Pressekonferenz wurden JournalistInnen gebeten, auch
ihren Part zu übernehmen: Öffentlichkeitsarbeit und Meinungsbildung.
VertreterInnen der GdG, der BKHW, der KIDS, sowie vom UFF (Dr. Pölzlbauer)
erläuterten den Druck, der auf Frauen ausgeübt wird, erklärten,
daß Kinder bessere Bedingungen für ihre Entwicklung benötigen
und daß die Moral nicht nur bei einem Teil der Gesellschaft
zu finden sein kann.
Eines der Hauptprobleme ist, daß wirtschaftliche und politische
Interessen vor allem von zwei Frauengruppen (Mütter und Kindertagesheimpersonal)
und den Kindern getragen werden sollen! KIDS und BKHW fordern daher
PolitikerInnen und Wirtschaftstreibende auf, in ihrem Wirkungsbereich
solidarische und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle zu forcieren!
Mitgestalten in einer solidarischen Gesellschaft, die nicht nur
Geld austauscht, ist mehr denn je gefragt!
Die gesamte Fragebogenauswertung ist, um einen Unkostenbeitrag
von S40.-, bei der BKHW (1090 Wien, Alserstrasse 40/19) bestellbar
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