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Das Sterben der Fraueneinrichtungen

Das Sterben - oder besser allmähliche Aushungern - der Fraueneinrichtungen geht weiter. Aktuelle Beispiele sind die Frauenberatungsstelle KASSANDRA in Mödling und das Berufsorientierungsprojekt MIRA in Baden.

Von Klaudia Paiha.

 

Das Arbeitsmarktservice (AMS) reduziert stetig die Infrastruktur für Frauen und Mädchen. In Wien und Niederösterreich sind mittlerweile sechs Einrichtungen von dieser zerstörenden Politik betroffen.

Für das AMS gilt als oberstes Qualitäts- und Effizienzkriterium die "Vermittlungsquote", d. h., wieviele der betreuten Personen auf einen Arbeitsplatz vermittelt werden können. Selbst in Zeiten steigender Arbeitslosenzahlen scheint es die Meinung zu vertreten, daß Erwerbslosigkeit nur ein individuelles Problem der Arbeitswilligkeit sei. Einrichtungen, die sich dieser Logik nicht beugen, gelten als "ineffizient" und werden daher nicht mehr finanziert. Das AMS mißt dabei mit zweierlei Maß: eigene Maßnahmen gelten schon als erfolgreich, wenn der/die Klientin an einem Kurs teilnimmt.

Für Kassandra begann die Demontage 1995 mit der Auflösung eines Projektes, 1996 wurden ausschließlich "aktivierende Kursmaßnahmen" von Seiten des AMS zugekauft. Für die Kassandra-Frauen geht es in ihrer Arbeit aber um mehr: sie wollen auch arbeitsmarktbezogene Beratung und Information bieten, Unterstützung leisten und durch Gesprächs- und Selbsthilfegruppen den Frauen wieder ein gestärktes Selbstwertgefühl geben. Tätigkeiten, die offensichtlich weder AMS noch die öffentliche Hand für finanzierungswürdig halten.

1997 hat das AMS beschlossen, sich zur Gänze aus der Finanzierung zurückzuziehen. Der arbeitsmarktpolitische Teil von Kassandra muß bis Juni 97 geschlossen werden, vier Frauen werden arbeitslos, die Räumlichkeiten können voraussichtlich aus Kostengründen nicht erhalten bleiben.

MIRA ist ein Berufsvorbereitungskurs für junge Frauen und Mädchen, der 1990 im Auftrag des AMS gegründet wurde. Ziel war es, eine fundierte Berufsentscheidung zu ermöglichen, die sich an persönlichen Fähigkeiten und Neigungen orientiert und nicht unbedingt traditionellen Mustern entspricht. Daher lag die Schwerpunktsetzung im Bereich Handwerk/Technik und sozialpädagogischer Betreuung. Die Vermittlungsquote lag jährlich zwischen 65 und 90 Prozent der Kursabsolventinnen.

Das AMS hat nun beschlossen, diese Leistungen anderswo zuzukaufen. Die Frage ist nur, wo: in der gesamten Südbahnregion gibt es keine vergleichbare Einrichtung, an Maßnahmen in Wien teilzunehmen ist für Niederösterreicherinnen nicht möglich. Der Schluß liegt nahe, daß das AMS nicht an derartigen Kursen interessiert ist.

Nach einer von einer Protestkundgebung begleiteten Gesprächsrunde in der Landesgeschäftsstelle des AMS N.Ö. hat MIRA eine Galgenfrist bekommen: wenn sie bis März ihr Konzept nach den AMS-Wünschen adaptiert, kann es - möglicherweise - eine Fortführung dieser Einrichtung geben.

Die Mädchen- und Fraueneinrichtungen geben den Kampf nicht auf. Ihr derzeit wichtigstes Anliegen ist es, über die Problematik eine Öffentlichkeit herzustellen. Eine kleine Möglichkeit ist die Unterstützung der derzeit laufenden Unterschriftenaktion von Kassandra. Weitere Aktivitäten soll es geben.

 

Informationen: KASSANDRA, F. Skribany-Gasse 1, 2340 Mödling, Tel: (02236) 41085, Fax: (02236) 42035; MIRA, Vöslauerstraße 4, 2500 Baden, Tel: (02252) 46671, Fax: (02252) 81098