In den schlimmsten Fällen würde dies zu Lohneinbussen
bei den Kollegen bis zu 40 Prozent bedeuten. Hier nun einige Gustostückerln
der Unternehmerforderungen:
- Die gesamte Druckvorstufe (Repro, Layout etc.) soll aus dem
grafische Kollektivvertrag ausgenommen bzw. der Lohn soll reduziert
werden. Qualifizierte Arbeit soll in Zukunft mit Helferlöhnen
abgegolten werden (Lehrlingsausbildung wird nicht mehr notwendig).
- Kürzung des Nachtschichtzuschlags. Die Nachtschicht soll
erst um zwei Stunden später beginnen. Falk und Dichand werden
auch in Zukunft ihren Geldsack kräftig füllen.
- Zuschläge im Bogendruck sollen auf 0 Prozent gesenkt werden.
- Besetzungsregelungen für Mehrfarbendruckmaschinen sollen
fallen. Große Maschinen sollen in Zukunft nur mehr von einer
Person bedient werden. Die Belastung für den einzelnen Drucker
wird dadurch erhöht.
- Entfall der Streßzulage in Tageszeitungsbetrieben.
- Streichung der Sozialleistungen für behinderte Kollegen (drei
freie Tage pro Jahr).
Kernstück der Unternehmerforderungen ist allerdings die
Flexibilisierung der Arbeitszeit. Eine Flexibilisierung, die für
die Wünsche der Arbeitnehmer dieser Branche wenig bis keinen
Spielraum der Arbeitsplatzgestaltung übrig läßt.
Sie halten damit auch nicht hinter dem Berg und beschreiben das
in ihren Aussendungen auch ganz offen: Wir müssen der Enwicklung
durch markt- und kundenorientierte flexible Arbeitszeitmodelle
gegensteuern. Das flexible Jahres-Arbeitszeitmodell, das der Verband
Druck & Medientechnik vorgeschlagen hat, ist keine Einschränkung
der Freizeit und keine unbezahlte Mehrarbeit.
Die Unternehmer schlagen da einen Durchrechnungzeitraum von
einem Jahr mit bis zu 48 Wochenstunden vor. Jeder, der in diesem
Gewerbe tätig ist, weiß, dass hier der Termindruck
in den Druckereien besonders groß ist. Nichts ist so alt,
wie die Zeitung von gestern. Periodika werden in der Regel terminlich
sehr genau geplant. Was dann in der Praxis bedeutet, dass die
Unternehmer immer Überstunden (Flexibilisierung) anordnen
können, diese aber nie bezahlen müssen. Aber auch die
Sechs-Tage-Woche kann so wieder durch die Hintertür eingeführt
werden. Zeitplanungen für Bedienstete werden dadurch immer
schwieriger, was sich vor allem für Kollegen mit Kleinkindern
fatal auswirkt, denn Kinderbetreuungseinrichtungen (Kindergarten,
Schule) werden sich der Flexibilisierung, wie sie der einzelne
Unternehmer wünscht, kaum anpassen können.
Das "Zuckerl" der Unternehmer dabei: jeder Mitarbeiter hat die
Möglichkeit sich ein Zeitguthaben aufzubauen, mit dem auch
er seine Arbeitswoche flexibler gestalten kann. Gleichzeitig ist
es für die Unternehmer selbstverständlich, dass dieser
Gestaltungsfreiraum nur unter Bedachtnahme auf die Notwendigkeiten
des Betriebes möglich ist. Was heißt, dass der Chef
sagt, wann der Kollege zu Hause bleiben kann und wann nicht.
Die Verhandler der Gewerkschaft konnten angesichts der unnachgiebigen
Haltung und dieser unverschämten Unternehmerforderungen nur
mehr den Verhandlungstisch verlassen. Es folgten in ganz Österreich
Betriebsrätekonferenzen, wo über weitere Kampfmaßnahmen
beraten wurde. Dabei wurde auch die stärkste gewerkschaftliche
Maßnahme - ein Streik - nicht mehr ausgeschlossen. Auch
wurde das Dilemma jahrzehntelanger sozialpartnerschaftlicher Verhandlungskultur
der Gewerkschaft sichtbar. Betriebsräte von Klein- und Mittelbetrieben
haben keinerlei Erfahrung mit gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen
und waren daher ziemlich verunsichert. Verunsichert auch, ob sich
die Kollegenschaft hinter die Forderungen stellen wird oder ob
sie im Regen stehen gelassen werden, bzw. ob die Kollegenschaft
die Kampfmaßnahmen mitträgt. Von einer Aufbruchstimmung
war nicht viel zu spüren.
Angesicht dieser Tatsache ist es trotzdem bemerkenswert, dass
es in vielen Betrieben zu Informationsstehungen kam. Ein Ende
des Arbeitskonflikts ist allerdings noch nicht in Sicht, denn
sollten die Unternehmer weiter so auf Wirtschaftsliberalisierung
setzen, werden wir in Zukunft wohl auch mit der Forderung nach
Einführung der Kinderarbeit konfrontiert werden.