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"Lohnverzicht sichert Arbeitsplätze"

So oder so ähnlich kann man die Forderungen der Unternehmer im grafischen Gewerbe bezeichnen, mit denen sie in die zur Zeit stattfindenden Kollektivvertragsverhandlungen gegangen sind.

Von Adi Hasch.

 

Zähe und bisweilen stockende Auseinandersetzungen prägen das Klima der laufenden Verhandlungen. Zumal sich in den letzten Jahren immer häufiger die Falken der Unternehmer an den Verhandlungstisch drängen. Das Forderungspapier der Arbeitgeberseite ist derart unverschämt, daß ein Zustimmen seitens der Gewerkschaft Druck und Papier nur einer Kapitulationserklärung gleichkäme und einen Massenexodus aus dieser Bewegung zur Folge hätte.

In den schlimmsten Fällen würde dies zu Lohneinbussen bei den Kollegen bis zu 40 Prozent bedeuten. Hier nun einige Gustostückerln der Unternehmerforderungen:

- Die gesamte Druckvorstufe (Repro, Layout etc.) soll aus dem grafische Kollektivvertrag ausgenommen bzw. der Lohn soll reduziert werden. Qualifizierte Arbeit soll in Zukunft mit Helferlöhnen abgegolten werden (Lehrlingsausbildung wird nicht mehr notwendig).
- Kürzung des Nachtschichtzuschlags. Die Nachtschicht soll erst um zwei Stunden später beginnen. Falk und Dichand werden auch in Zukunft ihren Geldsack kräftig füllen.
- Zuschläge im Bogendruck sollen auf 0 Prozent gesenkt werden.
- Besetzungsregelungen für Mehrfarbendruckmaschinen sollen fallen. Große Maschinen sollen in Zukunft nur mehr von einer Person bedient werden. Die Belastung für den einzelnen Drucker wird dadurch erhöht.
- Entfall der Streßzulage in Tageszeitungsbetrieben.
- Streichung der Sozialleistungen für behinderte Kollegen (drei freie Tage pro Jahr).

Kernstück der Unternehmerforderungen ist allerdings die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Eine Flexibilisierung, die für die Wünsche der Arbeitnehmer dieser Branche wenig bis keinen Spielraum der Arbeitsplatzgestaltung übrig läßt. Sie halten damit auch nicht hinter dem Berg und beschreiben das in ihren Aussendungen auch ganz offen: Wir müssen der Enwicklung durch markt- und kundenorientierte flexible Arbeitszeitmodelle gegensteuern. Das flexible Jahres-Arbeitszeitmodell, das der Verband Druck & Medientechnik vorgeschlagen hat, ist keine Einschränkung der Freizeit und keine unbezahlte Mehrarbeit.

Die Unternehmer schlagen da einen Durchrechnungzeitraum von einem Jahr mit bis zu 48 Wochenstunden vor. Jeder, der in diesem Gewerbe tätig ist, weiß, dass hier der Termindruck in den Druckereien besonders groß ist. Nichts ist so alt, wie die Zeitung von gestern. Periodika werden in der Regel terminlich sehr genau geplant. Was dann in der Praxis bedeutet, dass die Unternehmer immer Überstunden (Flexibilisierung) anordnen können, diese aber nie bezahlen müssen. Aber auch die Sechs-Tage-Woche kann so wieder durch die Hintertür eingeführt werden. Zeitplanungen für Bedienstete werden dadurch immer schwieriger, was sich vor allem für Kollegen mit Kleinkindern fatal auswirkt, denn Kinderbetreuungseinrichtungen (Kindergarten, Schule) werden sich der Flexibilisierung, wie sie der einzelne Unternehmer wünscht, kaum anpassen können.

Das "Zuckerl" der Unternehmer dabei: jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit sich ein Zeitguthaben aufzubauen, mit dem auch er seine Arbeitswoche flexibler gestalten kann. Gleichzeitig ist es für die Unternehmer selbstverständlich, dass dieser Gestaltungsfreiraum nur unter Bedachtnahme auf die Notwendigkeiten des Betriebes möglich ist. Was heißt, dass der Chef sagt, wann der Kollege zu Hause bleiben kann und wann nicht.

Die Verhandler der Gewerkschaft konnten angesichts der unnachgiebigen Haltung und dieser unverschämten Unternehmerforderungen nur mehr den Verhandlungstisch verlassen. Es folgten in ganz Österreich Betriebsrätekonferenzen, wo über weitere Kampfmaßnahmen beraten wurde. Dabei wurde auch die stärkste gewerkschaftliche Maßnahme - ein Streik - nicht mehr ausgeschlossen. Auch wurde das Dilemma jahrzehntelanger sozialpartnerschaftlicher Verhandlungskultur der Gewerkschaft sichtbar. Betriebsräte von Klein- und Mittelbetrieben haben keinerlei Erfahrung mit gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen und waren daher ziemlich verunsichert. Verunsichert auch, ob sich die Kollegenschaft hinter die Forderungen stellen wird oder ob sie im Regen stehen gelassen werden, bzw. ob die Kollegenschaft die Kampfmaßnahmen mitträgt. Von einer Aufbruchstimmung war nicht viel zu spüren.

Angesicht dieser Tatsache ist es trotzdem bemerkenswert, dass es in vielen Betrieben zu Informationsstehungen kam. Ein Ende des Arbeitskonflikts ist allerdings noch nicht in Sicht, denn sollten die Unternehmer weiter so auf Wirtschaftsliberalisierung setzen, werden wir in Zukunft wohl auch mit der Forderung nach Einführung der Kinderarbeit konfrontiert werden.