| |
Putzen und niederbügeln
Das Ministervorhaben, Erwerbslose in "Gemeinnützige
Arbeitsdienste" einzuweisen, wurde vorerst fallengelassen.
Diese Zwangsarbeit hätte sich mangels (noch) nicht geeigneter
Instrumentarien unter Berücksichtigung eines "Kosten-Nutzeneffektes"
nicht "gelohnt". Auch die öffentliche Kritik dagegen - viele
Frauenvereine und Institutionen hatten dagegen protestiert - war
zu massiv.
Dennoch wird das Programm, Erwerbslose "offensiv zu beschäftigen"
und gleichzeitig den "Mißbrauch" zu bekämpfen, gnadenlos
durchgezogen werden. Trotz der enormen Einsparungen mit dem Sozialraubpaket,
u. a. die Kürzung und Streichung des Arbeitslosen-, Notstandshilfe-
und Karenzgeldes, soll uns der Eindruck vermittelt werden, daß
Hums "hilft" und Erwerbslosen die Chance auf akzeptable Lohnarbeit
mit entsprechender Bezahlung ermöglicht.
Der Sozialminister, der bei der Lesben/Frauenkundgebung gegen
Sozialraubbau und Zwangsarbeit Ende März vor seinem Ministerium
mit Buhrufen empfangen und ausgepfiffen wurde, wunderte sich über
die lautstarke Kundgebung: "... warum demonstrieren Sie eigentlich?
Ich möchte Ihnen doch nur helfen ..." Gekränkt in
seiner Männlichkeit und verärgert über diese eigensinnigen
Frauen, die aus Protest die Gehsteige mit blutroter Farbe "putzten",
verordnete Hums durch Anweisung zwei amtsbekannten Kritikerinnen
Putzjobs und Aussteuerung. Das Arbeitsmarktservice erledigte dies
durch Vorladung zum Rapport in die Landesgeschäftsstelle Wien,
Stab I. Die Strafaktion sollte stillschweigend, weg vom offenen
Kundenverkehr der regionalen Geschäftsstellen durchgezogen
werden, um jeden Widerstand gegen die frauen- und ausländerfeindliche
Politik des BMAS wegzuwischen.
Denn Hums möchte sein Prestigeprojekt unbeschadet und sauber
über die Bühne bringen. Dies sieht u. a. folgendermaßen
aus: Seit dem Beschäftigungssicherungsgesetz 1993 gibt es einen
Passus, daß Arbeitssuchende durch "Ausschöpfen des Selbsthilfepotentials,
allen Anstrengungen zur Erlangung einer Beschäftigung (unter
Sanktionsandrohung, Sperren der Bezüge) nachzukommen" haben.
Damit wird nun verschärft umgegangen. Beratung und Förderung
wird es für bestimmte Personengruppen nicht mehr geben. Diese
Aufgaben des AMS werden durch EDV-gestützte Überwachung
und Kontrollen ersetzt. So wird die Schuld am Mangel an Erwerbsarbeit
auf die Betroffenen selbst abgewälzt und gleichzeitig Aufstands-bekämpfung
betrieben.
Nur wer sinnlos herumrennt, um dem Arbeitsamt die "Arbeitswilligkeit"
durch die Vorlage von abgelehnten Bewerbungen nachzuweisen oder
sich "freiwillig" unter Sanktionsandrohung in den Ressourcenpool
zum Bewerbungen schreiben, ins Motivationstraining oder in die Arbeitserprobung
begibt, soll vorerst (noch) nicht ausgesteuert werden. Durch diese
Schikanen und Disziplinierungen wird der Druck verstärkt, sich
selbst ganz flexibel in Jobs zum Billigsttarif, in die "neue Selbständigkeit"
oder Heimarbeit zu katapultieren.
Mit der zynisch geschlechtsneutral formulierten weiteren Gesetzesverschärfung
"dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen", werden AusländerInnen,
Frauen mit Betreuungspflichten, Personen, die verdächtigt werden,
unangemeldet zu arbeiten (geringfügige Beschäftigung,
Gelegenheitsjobs, ...), oder sich durch selbstgewählte
Ausbildungen oder Studien weiterbilden, aus der Arbeitslosenversicherung
ausgeschlossen.
Bei Neuanträgen auf Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe
wird allen Frauen, die verdächtigt werden, nicht allzeit dem
Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen zu können, eine schriftliche
Erklärung unter Sanktionsandrohung abverlangt. "In Fällen,
bei denen bei der abgegebenen Erklärung Zweifel bestehen -
insbesonders bei Vorliegen von Betreuungspflichten - ist die Verfügbarkeit
anhand eines konkreten Beschäftigungsangebotes im Sinne des
§ 9 ALVG zu prüfen" (Zitat aus den Durchführungsbestimmungen
des BMAS zum Strukturanpassungsgesetzt 1996). Um "Schmarotzerinnen"
aus den Bezügen zu schmeißen, ist eine probeweise Zwangsvermittlung
zur Überprüfung der "Arbeitswilligkeit" durch eifrige
ReferentInnen nach vorheriger Absprache mit "kooperativen" Firmen
durchaus üblich.
MigrantInnen sollen zusätzlich kriminalisiert und mit Abschiebung
bestraft werden, wenn sie eine solchermaßen zugewiesene Arbeit
ablehnen oder die vorgeschriebenen Aufenthalts- und Beschäftigungsbedingungen
nicht erfüllen können und somit diesem Arbeitsmarkt nicht
zur Verfügung stehen dürfen!
Mit der Gründung von Institutionen der "Gemeinnützigen
Arbeitskräfteüberlassung" wird der Dienstleistungssektor
für Frauen weiter ausgebaut. Der Wiener Landesgeschäftsführer,
Klaus Werner, eröffnet im Juni eine AMS-eigene Beschäftigungsgesellschaft,
die Erwerbslose als Putz- und Bügelarbeiterinnen in private
Haushalte vermietet, um gleichzeitig den unkontrollierbaren "Mißbrauch"
von ausländischen Putzfrauen "offensiv zu bekämpfen".
In diesen "modernen" Arbeitslagern sollen Frauen, falls sie nicht
gerade zum Putzen abkommandiert sind, "geschult" werden. Ein Hungerlohn,
"sogar" mit Sozialversicherung, sichert die totale Verfügbarkeit
über Frauen. Zu dieser Entwicklung in Richtung Dienstbotinnengesellschaft
stehen auch "Sozialdemokratinnen" wie Brigitte Ederer und Helga
Konrad ...
Dasselbe gilt für den schwarz-roten Streit um die Tagesmütter,
denen entweder eine kontrollierte Anstellung oder ein kontrolliertes
Dazuverdienen erlaubt werden soll - zur Überwachung werden
dafür auch noch aufwendige Kommissionen und verschiedene Gremien
beschäftigt.
Das Sonderprogramm "für" Langzeitarbeitslose, das sich vor
allem gegen die sowieso schon weniger werdenden Frauen richtet,
die überhaupt noch in der Statistik aufscheinen, ist in vollem
Gange. Bis Ende September dieses Jahres werden alle, die schon länger,
bzw. "noch immer" Notstandshilfe beziehen, zu einem Kontrolltermin
unter Sanktionsandrohung "eingeladen". Sinn dieser Vorladung ist
die Ausstellung eines Anamnesebogens, also die persönliche
Vorgeschichtserhebung bis ins kleinste Detail, ähnlich wie
in der Psychiatrie. EDV-gestützt ist dies die Basis zur "systematischen
Durchforstung" und Reduzierung des noch verbleibenden "Bestandes".
Hums "Vermittlungsoffensive" zielt darauf, tausende Erwerbslose
durch Sanktionsandrohungen und Disziplinierungen zur "freiwilligen"
Abmeldung aus den Bezügen oder zum Putzen und Dienen zu zwingen.
Bleibt also die Hoffnung, daß die Frauen/Lesbenbewegungen
rasch auf die Kampfstrategien ihrer Geschichte zurückgreifen
und solidarisch-kreativ gegen diese Kriegserklärung vorgehen.
Dann wird die Milchburschenrechnung dieses hochhakigen Zwutschkerls
nicht aufgehen ...
Wenn keine zwangsweise putzen geht, stellt sich die Frage, wer
hier wen niederbügelt!
Die "Initiative Frauen/Lesben gegen Zwangsarbeit",
A-1071 Wien, Postfach 71, hat sich in letzter Zeit vor allem darum
bemüht, die Veröffentlichung und den Protest gegen die
AMS-Strafaktion gegen Kritikerinnen und Demonstrantinnen zu forcieren.
Dies nicht nur, weil wir selbst davon betroffen sind, sondern weil
exemplarisch die Situation aller Lesben/Frauen, die autonom und
selbstbestimmt leben wollen, bedroht ist.
|
|