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Auf dem Weg zur dritten Kraft
Der Ausgang der Arbeiterkammer-Wahlen 2004 kann
aus AUGE/UG-Sicht positiv bewertet werden. Auch wenn einige Erwartungen
nicht ganz erfüllt werden konnten.
Von Markus Koza.
Das Endergebnis liegt nun vor. Über 2,4 Millionen ArbeitnehmerInnen
in ganz Österreich waren aufgerufen, ihre Interessensvertretung
zu wählen. Knapp 1,2 Millionen sind dieser Aufforderung auch
nachgekommen.
Das Ergebnis: ein roter Erdrutsch, schwere Verluste für den
ÖAAB, die Halbierung der Freiheitlichen und Gewinnen für
die Alternativen und Grünen GewerkschafterInnen
(AUGE/UG). Die Ergebnisse im Detail:
- die FSG erhielt bundesweit 746.775 Stimmen, 63,43 Prozent und
539 Mandate (+57)
- der ÖAAB kommt auf 279.465 Stimmen, 23,74 Prozent und 206
Mandate (26)
- die FA erreichen 57.687 Stimmen, 4,9 Prozent und 41 Mandate (42)
- knapp dahinter die AUGE/UG mit 50.914 Stimmen und 4,32 Prozent,
das sind 33 Mandate (+7).
Damit ist die AUGE/UG den Freiheitlichen auf den Fersen. In Tirol,
Salzburg und Wien liegt die AUGE/UG vor den Freiheitlichen, in Burgenland
herrscht Mandatsgleichstand. Die größten Gewinnen für
die AUGE/UG gab es in Tirol und Vorarlberg Arbeiterkammern
mit schwarzen Arbeiterkammer-Präsidenten.
Besonders erfreulich der Einzug der Grünen und Unabhängigen
GewerkschafterInnen in die Arbeiterkammer-Kärnten. Auf Anhieb
erreichte die dort unter Grüne kandidierende Liste
3,2 Prozent und zwei Mandate. Damit ist die AUGE/UG erstmals in
allen Länderarbeiterkammern vertreten. Mandatszugewinne gab
es in
- Vorarlberg: +1
- Tirol: +2
- Oberösterreich: +1
- Wien: +2.
Ein Mandat ging leider in Niederösterreich verloren, ein viertes
Mandat wurde in der Steiermark knapp verpasst.
Im Vergleich zur Arbeiterkammer-Wahl 2000 hat die AUGE bundesweit
ihr Ergebnis um knapp 0,5 Prozent verbessert. Die Erwartungen lagen
höher. In allen Bundesländern ein einheitlicher Trend:
die massiven Gewinne der SozialdemokratInnen. Deutlich punkten konnte
die AUGE/UG vor allem in den Arbeiterkammern mit schwarzen Arbeiterkammer-Präsidenten.
Die FSG-dominierten Arbeiterkammern konnten sich dagegen als die
Opposition zur schwarz-blauen Regierung positionieren und gewannen
dafür auch die ProtestwählerInnen.
Eine weitere Frage mit der wir uns auseinandersetzen werden müssen:
wie hoch liegt tatsächlich unser WählerInnenpotential,
wie können neue WählerInnenschichten erreicht werden,
wie Grün-WählerInnen verstärkt mobilisiert werden?
Wo lagen Schwächen, wo Stärken unseres Wahlkampfes?
Einige Konsequenzen beziehungsweise Fragen die sich aus dem Wahlergebnis
ergeben beziehungsweise stellen sind allerdings naheliegend: Wir
brauchen eine stärkere betriebsrätliche Verankerung in
den Betrieben. Dort wo alternativ-gewerkschaftliche Arbeit erlebt
wird, wird sie auch belohnt.
Hat die Kommunikation unseres Namens, unserer Inhalte, unserer
Motivation für die Kandidatur zu den Arbeiterkammer-Wahlen
überhaupt funktioniert? Wer steht hinter AUGE/UG? Warum AUGE/UG
wählen und nicht FSG? Noch radikaler: ist der Name AUGE/UG
und damit eine gewisse Programmatik, eine bestimmte Identität
überhaupt so einfach kommunizierbar? Wie wird überhaupt
kommuniziert und wie können wir mit unseren beschränkten
Mitteln überhaupt kommunizieren?
Interessensvertretung für ArbeitnehmerInnen wird nach wie
vor vor allem der FSG zugetraut. Warum soll eine durchschnittliche
ArbeitnehmerIn eigentlich AUGE/UG wählen, wenn die Arbeiterkammer
ohnehin einen braven Oppositionskurs zu schwarz-blau verfolgt? Wie
können wir die Rolle der FSG in Arbeiterkammer und ÖGB
kritisch hinterfragen, ohne die Institutionen Arbeiterkammer und
ÖGB zu beschädigen? Wie positionieren wir uns in einer
Arbeiterkammer und einem ÖGB, die sich plötzlich kämpferisch
geben?
Ist unser WählerInnenpotential nicht überhaupt schon
ausgeschöpft? Wie schätzen wir den Bedarf nach alternativer
Gewerkschaftspolitik aus? Provokant gefragt: gibt es diesen Bedarf
überhaupt? Wenn ja, warum konnten wir ihn nicht nutzen. Wie
sehen künftige Kandidaturen überhaupt aus?
Rege Diskussionen stehen uns jedenfalls bevor. Und wir würden
uns darüber freuen, wenn es auch eine rege Beteiligung dazu
gibt.
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