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Erfolg für BR-Alternativ
Ende März 2004 fand bei Siemens-PSE die
Wahl des Angestellten-Betriebsrats statt.
Von Wolfgang Kainrath.
Das Ergebnis in nüchternen Zahlen:
- afs (fsg-nahe): 689 Stimmen, 6 Mandate (2)
- triebfeder, (fcg-nahe): 599 Stimmen, 6 Mandate (1)
- BR-alternativ, (auge-nahe): 780 Stimmen, 7 Mandate (+2).
Für die Liste BR-alternativ ist es eine Bestätigung
unserer guten Arbeit in schwieriger Zeit. Denn die PSE (program
and system engineering), die Software-Schmiede des Hauses Siemens,
hat schwere Zeiten hinter sich und noch schwerere vor sich,
wie wir fürchten. So ist das Wahlergebnis auch weniger ein
Triumph als eine Verpflichtung. Die vorhergehende Wahl fand gerade
am Höhepunkt der new-economy-Blase statt, dementsprechend
wurde sie auch von anderen Themen dominiert. Seit dem Ende des Booms,
also etwa seit 2001, haben für die Hochtechnologie-Spezialisten
bei Siemens härtere Zeiten begonnen. Diesmal fand im unmittelbaren
Vorfeld der Wahl eine Restrukturierung der PSE statt,
die über 300 Kolleginnen und Kollegen zirka 10 Prozent
der Belegschaft den Job kostete. Der Restrukturierung waren
lange Verhandlungen zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat
vorangegangen, das Ergebnis sieht wesentlich besser aus als die
ursprünglichen Wünsche der Firma: Die Firma wollte 530
KollegInnen abbauen und eine sieben-prozentige Gehaltskürzung
für den Rest. Herausgekommen ist ein Angebot einer freiwilligen
Abfertigung für jene, die Siemens von sich aus verlassen wollten
und eine Liste von 82 KollegInnen, von denen sich die Firma jedenfalls
trennen wollte. Auch diesen wurde eine erhöhte Abfertigung
geboten, so dass in Summe bis auf zwei Fälle alle Auflösungen
einvernehmlich erfolgten.
Die PSE in Stichworten
Seit über 40 Jahren aus einer kleinen Gruppe von Software-Entwicklern
gewachsen, galt die PSE Anfang der 1990er Jahre als das größte
Software-Haus Europas. Damals begann auch die Gründung der
sogenannten PSE-Töchter in den mittelosteuropäischen
Reformländern. Von Anfang an hatte die österreichische
PSE-Belegschaft geargwöhnt, dass die neuen KollegInnen, deren
Gehälter wesentlich niedriger sind als die österreichischen,
bald unsere Arbeit machen würden. Anfangs wurden diese Bedenken
noch zerstreut mit dem Argument, dass es gar nicht möglich
sei, auf dem kleinen österreichischen Arbeitsmarkt genügend
viele Software-SpezialistInnen für das rasche Wachstum der
PSE zu bekommen. Doch Ende der 1990er Jahre war es mit dem Wachstum
der österreichischen PSE vorbei, weiteres Wachstum fand nur
noch in den Regionen statt. Seit etwa 2001 sind jedoch
die Bereiche Netzwerk- und Mobilfunktechnik, die Hauptkunden der
PSE waren, wirtschaftlich unter Druck geraten, was zu massiven Arbeitsplatzverlusten
führte. Mit Zeitverzögerung erfasste diese Welle auch
die PSE. Erst gab es eine Auslastungskrise, die aber mit Urlaubsabbau,
Verzicht auf Überstunden und anderen weichen Maßnahmen
bewältigt wurde. Als die Auslastung bereits wieder anzusteigen
begann, konfrontierte uns die Leitung mit der Forderung nach Personalmaßnahmen,
was mit Kostengründen argumentiert wurde. Es folgte ein Verhandlungsmarathon
zwischen der Leitung und unseren drei Vorsitzenden, die es auch
verstanden, in eilig einberufenen Betriebsversammlungen die Bereitschaft
der KollegInnen zu Protestmaßnahmen zu demonstrieren. Bei
diesen Verhandlungen, praktisch am Vorabend einer Betriebsratswahl,
konnte sich keine der beteiligten Fraktionen unpopuläre Zugeständnisse
an die Firmenleitung leisten mit dem oben beschriebenen Ergebnis.
Wahl im Schatten der Globalisierung
Abgesehen von dem Umstand, dass die Persönlichkeit der KandidatInnen
bei einer Betriebsratswahl die größte Bedeutung hat,
fanden die Fraktionen auch zu einer interessanten Positionierung
zwischen Kooperation und Konfrontation mit der Leitung. Wir haben
eine kämpferische Position eingenommen, mit Augenmaß
und realistischer Einschätzung unserer Möglichkeiten als
Belegschaft. Wie das Ergebnis zeigt, teilten viele KollegInnen unsere
Meinung und hielten uns außerdem für glaubwürdig.
Die Herausforderungen für die neue Belegschaftsvertretung
sind groß: Der Drohung, unsere Arbeitsplätze in Billiglohnländer
zu verlagern, stellt die Firma das Angebot gegenüber, gewisse
Schlüsselarbeitsplätze im Land zu behalten, natürlich
bei moderater Bezahlung. Unsere Lohnkosten werden dabei verglichen
mit jenen in China (keine freien Gewerkschaften, kein Rechtsstaat),
Indien oder in den mittelosteuropäischen Reformländern,
die nach einer politischen Diktatur in den Raubkapitalismus
gefallen sind. Hier unterscheidet sich die innerbetriebliche Debatte
übrigens wesentlich von jener, die heute auf der nationalen
Ebene geführt wird. Niemand redet von Lohnnebenkosten,
unsere Stundensätze seien schlicht zu hoch, weil Österreich
ein Hochlohnland sei, leider. Und angesichts der geplanten
Senkung der Körperschaftssteuer wurde uns auch noch nicht die
Rettung eines einzigen Arbeitsplatzes angeboten.
Die Pläne des Konzerns, Arbeitsplätze aus Kostengründen
offshore zu verlagern, werden wir als lokaler Betriebsrat
alleine nicht verhindern können. Entscheidend wird sein, trotz
immer schärferer Konkurrenz um Arbeit natürlich
wollen die KollegInnen im Ausland Arbeitsplätze Solidarität
mit den KollegInnen in den betroffenen Ländern zu finden. Die
niedrigen Lohnkosten, die der Firma als Argument für die Verlagerung
dienen, können nicht im Interesse der dortigen KollegInnen
liegen. Nur geeint können Belegschaften die Begehrlichkeiten
transnational agierender Konzerne im Zaum halten. Deshalb ist die
Arbeit auf allen Ebenen der ArbeitnehmerInnenvertretung ein zentrales
Anliegen für uns.
Doch zurück zur betrieblichen Ebene. Dort haben wir die Wahl
gewonnen, dort müssen wir uns anstrengen, die in uns gesetzten
Erwartungen zu erfüllen. Alleine der Ausgang der Wahl ist ein
Zeichen der Belegschaft, die Kampfansage der Firmenleitung aufzunehmen
und nicht alle Maßnahmen des Managements widerspruchslos hinzunehmen.
Wir stehen vor unruhigen Zeiten.
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