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Aschenputtels Auferstehung
Wie ichs auch drehe und wende: am Ende bleibt
der Dienstleistungsscheck doch immer nur ein Putzlappen.
Von Klaudia Paiha.
Frohlocket, ihr Frauen in Scharen: die Hausarbeit wird zur
qualifizierten Arbeit im Unternehmen Haushalt aufgewertet.
So versprichts uns Familienstaatssekretärin Haubner (FP). Und
wodurch soll dieses Wunder erreicht werden? Durch den staatlich
subventionierten Dienstleistungsscheck für haushaltsnahe Dienstleistungen.
Schon bald soll er in Postämtern gleich neben Benitas
Konterfei Banken, etc. ganz unkompliziert erhältlich
sein und vor allem Frauen ermöglichen, ihren Beruf auszuüben.
Nach Haubners Vorstellung geht also nun die stressgeplagte, mehrfachbelastete,
berufstätige (Ehe-)Frau und Mutter her, besorgt den Scheck
um 12,50 Euro und kauft sich somit Stunde um Stunde von den häuslichen
Pflichten frei. Und den berufstätigen (Ehe)Mann und Vater gleich
mit, weil dieser ohnehin noch immer nicht begriffen hat, dass auch
er häusliche Pflichten hätte
.
Was uns Haubner und Bartenstein applaudiert von der SP
glauben machen wollen, geht an jeglicher österreichischen
Realität vorbei. Bei drei Viertel der Haushalte in Österreich
sind die Gesamteinkommen so gering, dass an zusätzliche Ausgaben
nicht zu denken ist. Haushalte von AlleinerzieherInnen beziehungsweise
Familien mit drei und mehr Kindern leben grossteils an beziehungsweise
unter der Armutsgrenze. Bleiben also hauptsächlich Personen
mit höherem Einkommen als potentielle Profiteure der staatlich
subventionierten Hausarbeit. Und das sind wie sich mittlerweile
auch zur Familienstaatssekretärin durchgesprochen haben sollte
in den seltensten Fällen Frauen. Wer sind also die Frauen,
welchen Haubner ermöglichen will, ihren Beruf auszuüben
die schlecht bezahlten Haushaltshilfen selbst?
Es gibt noch ein anderes unbestritten edles Motiv
für die Einführung eines Dienstleistungsschecks. Die derzeit
meist schwarz beschäftigten Putzfrauen, Kindermädchen,
Altenpflegerinnen, etc. sollen ohne viel Aufwand in die Sozialversicherung
einbezogen werden. Ganz unbürokratisch wird ihnen ab Überschreiten
der Geringfügigkeitsgrenze beim Einlösen 2,50 Euro pro
Scheck abgezogen. Auch hier geht die Idee völlig an der Realität
vorbei: Ein erheblicher Teil der Beschäftigten kann gar nicht
sozialversichert arbeiten, weil es die österreichischen Gesetze
verbieten. Wer sich hier aufhält, darf hier noch lange nicht
seinen Unterhalt verdienen. Ein weiterer Teil wird es sich schlicht
aus ökonomischen Gründen nicht leisten können, auf
einen Teil des Einkommens zu verzichten. Denn es glaubt wohl niemand
ernsthaft daran, dass künftig die ArbeitgeberInnen die entsprechenden
Euro draufschlagen werden, um ihren guten Geistern die
Pensions- und Krankenversicherung zu ermöglichen.
Was also bleibt von der Politik für Frauen nach
schwarz-blauem Strickmuster? Nach den bislang präsentierten
Vorstellungen bleibt der meist männliche Käufer
des Dienstleistungsschecks anonym, eingetragen wird lediglich die
meist weibliche Person, welche die Arbeit verrichtet.
Somit ist ersterer fein raus: wo kein Arbeitgeber, dort auch keine
Pflichten, weder Mindestlöhne, noch Arbeitsbedingungen, noch
Gesundheitsschutz
dafür aber legal und staatlich
subventioniert. Die Scheckeinlöserinnen haben hingegen volles
Risiko: Komme ich über die Geringfügigkeitsgrenze? Wie
kompensiere ich den Einkommensverlust? Kann ich mehr verlangen,
kann ich den Scheck verweigern, ohne meinen Job los zu werden? Der
Dienstleistungsscheck ist ein weiterer Schritt in Richtung Deregulierung
der Arbeitsverhältnisse: keine Mindeststandards, keinerlei
Verpflichtungen, keine Überprüfbarkeit der Auftraggebenden,
fehlende Sicherheiten, finanzielles Risiko und Beweisnotstand für
die ökonomisch schwächeren Arbeitskräfte.
Offensichtlich eine Situation ganz nach dem Geschmack der ÖVP.
Sie will mittels Dienstleistungsscheck zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten,
vor allem für Niedrigqualifizierte, schaffen die
uns Haubner dann als qualifizierte Arbeit im Unternehmen Haushalt
verkauft.
Schöne Perspektive für Frauen:
- Statt Förderungen von öffentlichen Kinderbetreuungs-
und Pflegeeinrichtungen mit qualifiziertem Personal zu arbeits-
und sozialrechtlichen Standards,
- statt arbeitsmarktpolitischer Massnahmen zur Schaffung von existenzsichernden
Arbeitsplätzen,
- statt einer Änderung des Aufenthalts- und Beschäftigungsrechtes,
die legale Beschäftigung für alle erlaubt,
- statt einer generellen Arbeitszeitverkürzung mit Lohnausgleich,
die wirkliche Vereinbarung von Beruf und Privatleben ermöglicht,
- wird die Zwei-Klassen-Gesellschaft staatlich subventioniert
hie die Verdienenden (Männer), dort die Dienenden (Frauen).
Und wer glaubt, damit sei das Ende der Fahnenstange erreicht,
der/die irrt: In Frankreich wird bereits überlegt, das Erfolgsmodell
Dienstleistungsscheck auch auf Tätigkeiten im Gastgewerbe auszuweiten
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