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Eine Zumutung
Steuergerechtigkeit? Für ÖVP und FPÖ
ein Fremdwort. Einkommensschwache Gruppen schauen durch die Finger.
Dafür gibt es großzügige Steuergeschenke für
große Unternehmen. Und: die Steuerreform zementiert ein konservatives
Familienbild.
Von Markus Koza.
Zu wenig Geld für Universitäten und Schulen? Drastische
Sparmaßnahmen im sozialen Bereich, bei den Pensionen, bei
Arbeitslosen und Gesundheit? Alles kein Problem für diese Regierung.
Sie kann es sich scheinbar leisten eine Steuerreform im Ausmaß
von 2,4 Milliarden Euro zu beschließen. Ohne Gegenfinanzierung.
Auf Pump. Schließlich stehen Wahlen in Kärnten, Salzburg,
zur Arbeiterkammer vor der Tür. Da lässt sich leicht was
verschenken, was in Wirklichkeit nicht da ist. Wir wissen was uns
bevorsteht, sollt diese Regierung die nächsten Wahlen gewinnen
- die nächsten Sparpakete! Und die werden wieder genau jene
treffen, die auf soziale Leistungen angewiesen sind. Aber die waren
schwarz und blau ohnehin immer egal.
Schwarz-Blau bedient ihr Klientel - die Unternehmen, die Bauern,
die Familien, in denen eine brav konservative Arbeitsteilung vorherrscht.
Auszug aus den geplanten Massnahmen:
- Der Körperschaftssteuersatz wird von 34 auf 25 Prozent
gesenkt. Das heißt: Aktiengesellschaften und Ges.m.b.H. zahlen
künftig noch weniger Gewinnsteuern - obwohl Österreich
ohnehin ein Steuerparadies für Kapitalunternehmen ist! So berechnete
die Universität Maastricht, dass Kapitalgesellschaften in Österreich
tatsächlich nur rund 18 Prozent Körperschaftssteuer zahlen,
die AK kommt auf ähnliche Zahlen. Österreich liegt damit
im unteren Drittel der EU-Staaten. Das österreichische Steuerrecht
macht das möglich. Künftig werden Großunternehmen
noch weniger Steuern zahlen, besondere Steuerzuckerln gibt es noch
zusätzlich für Konzerne. Sie können ab 2005 alle
Verluste von Auslandstöchtern mit Gewinnen im Inland gegenverrechnen
("Gruppenbesteuerung"). Dabei zahlen Konzerne ohnehin nur mehr einen
Steuersatz, der rasant gegen Null geht. Davon können ArbeitnehmerInnen
nur träumen? Steuergerechtigkeit? Alle sollen - entsprechend
ihrer Finanzkraft - ihren Anteil am Steueraufkommen leisten? Nicht
in Österreich. Die Entlastung für die Unternehmen soll
die Hälfte - also rund 1,2 Milliarden Euro - des Gesamtvolumens
ausmachen.
- Auf ArbeitnehmerInnenseite gewinnen kinderreiche Familien - die
allerdings ein schön konservatives Familienbild hegen und pflegen.
Wo es einen Hauptverdiener gibt (hier kann beruhigt die männliche
Form verwendet werden), die Frau nur Zuverdienerin (bis 6000 Euro
jährlich) ist gelten deutliche höhere Alleinverdienerabsetzbeträge
(für das erste Kind zusätzlich 130, für das zweite
170, für jedes weitere 220 Euro). Verdient die Frau mehr, ist
nix mit den höheren Alleinverdiener-Absetzbeträgen. Die
Stoßrichtung ist klar: es gilt, die traditionelle bürgerliche
Familie, wo die Frau maximal Zuverdienerin ist, steuerlich zu begünstigen.
Damit wird nicht nur ein tradiertes, schon lange nicht mehr existierendes
Familienbild gefördert, vor allem wird Frauen die Rolle der
Kindererzieherin und maximal Zuverdienerin zugewiesen. Frauen, zurück
zu Kind und Herd. 6000 Euro jährlich - das sichert weder Eigenständigkeit,
noch soziale Sicherung im Alter oder im Falle von Arbeitslosigkeit.
Das erzeugt und stärkt Abhänigkeit vom Mann. Das wird
gefördert. Familien, wo beide arbeiten und Frauen über
6000 Euro verdienen, verlieren diese Begünstigungen. Der AlleinerzieherInnenabsetzbetrag
- der vor allem alleinerziehenden Müttern zugute kommen würde
- wird dagegen nicht erhöht. Schließlich ist das ja keine
Familie, wie sie Khol und Gesellen gerne haben würden ....
- Von der Lohnsteuerreform profitiert vor allem der Mittelstand.
Allerdings ebenso TopverdienerInnen. Die Negativeinkommenssteuer
- eine Steuergutschrift für besonders einkommensschwache Gruppen,
von der Armutskonferenz auf 2,2 Millionen Menschen geschätzt
- wurde allerdings, wie von Opposition oder Armutskonferenz gefordert,
nicht erhöht. Sie zählen zu den VerliererInnen - unter
ihnen besonders Frauen, MigrantInnen, ArbeiterInnen.
- Profitieren werden dagegen, wie das "profil" ironisch feststellt
"katholische Bauern mit vielen Kindern". Schließlich soll
der Kirchenbeitrag künftig höher absetzbar sein, und der
Agrardiesel steuerlich begünstigt werden. Wahrlich, zukunftsweisende
Schritte in der Steuerpolitik. Das ist Steuerpolitik unter strikt
konservativen Vorzeichen. Steuerpolitik ist immer Gesellschaftspolitik
- in diesem Falle neoliberale und neokonservative. Klientelbefriedigung
in Reinstkultur. Und wie gesagt - alles ohne Gegenfinanzierung,
alles auf Pump, sonst wär es ja kein Wahlgeschenk. Das nächste
Sparpaket kommt dafür wie das Amen im Gebet.
Verabsäumt
Was wieder einmal - wie zu erwarten - verabsäumt wurde, ist
eine tatsächliche Steuerreform, die Verteilungsgerechtigkeit,
ökologische Nachhaltigkeit und eine neue Steuerstruktur zum
Ziel hat, die nicht ein Loch in künftigen Budgets hinterlässt,
die wachstumsfördernd wirkt, die Sozialsysteme auf hohem Niveau
sichert und Beschäftigung schafft.
Verabsäumt wurde unter anderem
- Die Erhöhung beziehungsweise Wiedereinführung von
Vermögenssteuern: Erhöhung der Einheitswerte von Grundstücken
- das letzte mal in den 1970er-Jahren bemessen. Die Wiedereinführung
der Börsenumsatzsteuer (brachte bei Abschaffung immerhin um
die siebzig Millionen Euro), die Abschaffung der Stiftungsprivilegien,
die Erhöhung der Erbschafts- und Schenkungssteuer. Durch Freibeträge
für niedrige Vermögen wäre Verteilungsgerechtigkeit
gesichert. Diese Chance, zumindest auf europäischen Durchschnitt
hinsichtlich der Besteuerung von Vermögen zu kommen, wurde
vertan. Damit verzichtet der Fiskus auf rund 2,2 Milliarden Euro,
um einkommensschwache Gruppen deutlich zu entlasten und damit Wachstumsimpulse
zu setzen.
- Die Ökologisierung des Steuersystems: das heißt Verteuerung
des Verbrauchs nicht erneuerbarer Ressourcen bei gleichzeitig steuerlicher
Entlastung des Faktors Arbeit (etwa im Bereich der Kommunalabgabe,
der Beiträge zum Familienlastenausgleichsfonds oder der Wohnbauförderung)
und Einführung eines Öko-Bonus (im Rahmen der Lohnsteuer)
um negative Verteilungseffekte zu verhindern.
- Die Förderung von Alleinerziehenden durch Erhöhung des
AlleinerzieherInnenabsetzbetrags gegenüber dem Alleinverdienerabsetzbetrag.
Der AlleinerzieherInnenabsetzbetrag kommt vor allem Frauen zugute,
während der Alleinverdienerabsetzbetrag die traditionelle Arbeitsteilung
in der Familie fördert.
- Die Erhöhung der Negativsteuer, die einkommensschwachen Gruppen
besonders zu gute kommt und dadurch Wachstumsimpulse setzt. Möglich
wäre dies etwa durch niedrigere Krankenversicherungsbeiträge
für NiedrigeinkommensbezieherInnen bei gleichzeitiger Anhebung
der Höchstbeitragsgrundlage gewesen.
- Eine Neuorientierung in der Finanzierung sozialer Sicherungssysteme:
indem etwa Einkommen aus Vermietung- und Verpachtung, aus Unternehmenstätigkeit
oder Vermögen (Zinsen) zur Finanzierung sozialer Leistungen
mit herangezogen werden.
- Eine gerechte Unternehmensbesteuerung durch Anhebung des effektiven,
tatsächlich geleisteten Körperschaftssteuersatzes. Dagegen
Förderung von Forschung und Entwicklung, sowie Investitionen,
die tatsächlich positive Beschäftigungswirkungen mit sich
bringen.
Die schwarz-blaue Steuerreform hat wieder einmal all jenen, die
sie nicht zu ihrem Klientel zählt - einkommensschwache Gruppen,
AlleinerzieherInnen, ArbeitnehmerInnen im Allgemeinen - klar gezeigt,
was sie von ihnen hält: nämlich nichts.
Höchste Zeit, ein klares Zeichen gegen diese Art von Politik
zu setzen: durch ihre Stimme bei der Arbeiterkammer-Wahl für
die AUGE/UG - die schärfste Kraft in der AK!
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