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AK-Wahl 2004:
Jetzt gehts los ...
An die drei Millionen ArbeitnehmerInnen sind
im ersten Halbjahr 2004 aufgerufen, ihre gesetzliche Interessensvertretung
zu wählen. Und so wies ausschaut wird es erstmals in
allen Bundesländern alternativgewerkschaftliche Kandidaturen
geben.
Von Markus Koza.
Zwölf Monate Schwarz-Blau II: Pensionsverunsicherungs-Reform,
ÖBB-Zerschlagung, VOEST-Privatisierung, Umverteilung von unten
nach oben - die rechtskonservative Regierung hat gehalten, was zu
befürchten war. Weiters: Regierungschaos bei der FPÖ das
leider immer noch nicht zur Koalitionsende geführt hat, Gesetze,
die vor dem Verfassungsgerichtshof nicht halten (Stichwort Hauptverband,
Ambulanzgebühr), Abfangjägerkauf, Bildungsnotstand und
Elend an den Universitäten, Freunderlwirtschaft und Karl-Heinz
Grasser, zu dem selbst mir inzwischen nichts mehr einfällt.
Und noch etwas hat uns Schwarz-Blau II beschert - und das ist so
was wie eine österreichische Premiere: umfassenden Kampf- und
Streikmaßnahmen seitens der Gewerkschaften. Streik ist in
Österreich kein Fremdwort mehr. Der ÖGB hat gezeigt, was
er kann - beziehungsweise was er könnte, wenn er wollte. Der
oft schon totgesagte Riese hat ein deutliches Lebenszeichen gegeben.
Und wenn auch die Proteste, der Widerstand nicht den erwünschen
Erfolg brachten - es hat sich zumindest etwas bewegt. Das ist einmal
ein Anfang. Und ÖGB und Arbeiterkammern kooperieren neuerdings
mit zivilgesellschaftlichen Organisationen.
ÖGB, hin- und hergerissen
In der "Stopp GATS"-Kampagne fanden Gewerkschaften, ATTAC, die
Armutskonferenz, Greenpeace und andere Organisationen zusammen,
um gemeinsam gegen Liberalisierungs- und Privatisierungsbestrebungen
der Daseinsvorsorge im Rahmen der Welthandelsorganisation aufzutreten
und so Druck auf Regierung und Parlament auszuüben. Im Austrian
Social Forum sind GewerkschafterInnen ebenso aktiv, wie Frauen-,
Sozial- oder Umweltinitiativen. Es hat die längst überfällige
und von AUGE und UG regelmäßig eingeforderte Öffnung
der Gewerkschaften gegenüber NGOs und Initiativen außerhalb
des ÖGB stattgefunden. Neuerdings entdecken Gewerkschaften
auch atypisch Beschäftigte als Zielgruppen, für die etwas
getan werden sollte. Auch schon seit langem von uns eingefordert.
Ach ja, und ökologische Fragen werden auch nicht mehr als etwas
weltfremdes, absurdes abgetan, sondern finden auch Eingang in gewerkschaftliche
Positionen. Also, alles gut? Nein. Wir erinnern uns auch daran nur
allzu gut: Nächtelange Verhandlungen zwischen Regierung und
ÖGB um die Pensionsreform. Nicht der ÖGB bestimmte, wann
und unter welchen Voraussetzungen verhandelt wird, sondern Schüssel.
Und der redet ja besonders gerne des Nächtens - typisch männliches
Verhandlungsritual. Und Gewerkschaften und Arbeiterkammer spielten
mit. Wir erinnern uns auch noch: so lange verhandelt wird, wird
nicht gekämpft. Warum das so sein muss, konnte bis heute noch
niemand erklären. Absage eines Aktionstages. Der Schwung wurde
aus der Bewegung genommen. Und wir erinnern uns vor allem auch an
den ÖGB-Bundeskongress: Wer waren die Ehrengäste? VertreterInnen
der Armutskonferenz, Greenpeace, ATTAC? Weit gefehlt! Der Bundespräsident,
die Regierungsmann- und frauschaft, der Bürgermeister, der
Bundespräsident. Die NGOs durften draußen bleiben. An
ihren Infotischen. Nix mit Ehrengaststatus. Der ÖGB, ganz im
Verständnis als staatstragende Organisation. Ja, und die Sozialpartnerschaft
wird neuerdings ebenfalls wieder zelebriert. Die Sozialpartnereinigung
im Bereich der Zumutbarkeitsbestimmungen für Arbeitslose werden
stolz als gemeinsamer Erfolg präsentiert. Die Sozialpartnerschaft
funktioniert, soll uns vermittelt werden - koste es was es wolle.
Also, doch nicht alles gut ... Bei allem, was wir an positivem erreicht
haben - es gibt für alternative, grüne und unabhängige
GewerkschafterInnen noch viel zu tun!
Und jetzt zur Arbeiterkammer ...
Szenenwechsel AK-Wien. Die handelnden AkteurInnen sind hier oft
die gleichen wie in den Gewerkschaften. Führende SpitzengewerkschafterInnen,
FunktionärInnen, BetriebsrätInnen die wir aus Gremien
der GPA, des ÖGB, der GdG oder der GdE kennen, sind auch gewählte
AK-RätInnen, Die Vollversammlung der AK-Wien - also das Wiener
ArbeitnehmerInnenparlament - spricht sich für "Stopp GATS"
aus. Lehnt auch die Vorschläge des EU-Grünbuchs zur Daseinsvorsorge
ab. Lehnt dementsprechend auch die Ausgliederungen und Privatisierungen
der Magistratsabteilungen für Soziales- und Gesundheit im roten
Wien ab, wie von der AUGE/UG gefordert ab ... sollte frau/man wohl
meinen. Wer "Stopp GATS" sagt müsste eigentlich konsequenterweise
auch "STOPP Privatisierungen in Wien" sagen. Aber weit gefehlt!
GATS ist weit weg, gegen die EU lässt sich trefflich polemisieren.
Doch wenns ums sozialdemokratisch regierte Wien geht, hört
sich der Spaß auf. Blut ist dicker als Wasser. Zuerst will
die sozialdemokratische Mehrheitsfraktion (FSG) den Antrag überhaupt
ablehnen. Das würde bedeuten, die AK-Wien stimmt den Massnahmen
der Landesregierung zu, tut nichts dagegen. Wär das nicht
etwas peinlich? Da könnt noch jemand auf die Idee kommen, die
Arbeiterkammer misst mit zweierlei Maß? Also, lehnt die FSG
doch nicht ab, sondern weist zu. In den entsprechenden Ausschuss,
um Zeit zu gewinnen. Obs ein Begräbnis erster Klasse
gibt - frau/mann wirds sehen. Wir lassen jedenfalls nicht
locker, fordern eine Stellungnahmen der AK-Wien ein. So oder so.
Drücken gibts nicht. Und was in der AK-Wien passiert,
geschieht ebenso in Tirol, in Salzburg, in der Steiermark, wo auch
immer. Ein Beispiel? In Salzburg gibt die FSG mit ihrer Mehrheit
den Sanctus zu den Ausgliederungen der Landeskrankenhäuser.
Eine Initiative der AUGE/UG gegen die Privatisierungen der Krankenhäuser
fand keine Zustimmung. Dafür ist frau/mann gegen GATS. Zu GATS
regional wird geschwiegen. Oder wer kennt ihn nicht, den ewig polternden
Fritz Dinkhauser, schwarzer AK-Präsident aus Tirol, der gern
in aller Öffentlichkeit "seinen" ParteifreundInnen "die Wadln
viere richtet". Wenns drauf ankommt aber immer noch ein braver,
loyaler Parteisoldat war. Was all den AK-Präsidenten - ob rot
oder schwarz - gemein ist: sie verfügen über großzügige
Mehrheiten in ihren Kammern. Das sollte sich schnellstens ändern!
... und warum wir uns anstrengen sollten
Werfen wir einen kurzen Blick zur AK-Wahl 2000 zurück: die
alternativgewerkschaftlichen Kandidaturen waren erfolgreich. Die
AUGE/UG sowie die ihr angeschlossenen Listen in Tirol (Grüne
in der AK) und Vorarlberg (Gemeinsam) legen deutlich zu: österreichweit
erzielen wir fast zweiundvierzigtausend Stimmen, erhöhen unseren
Mandatsstand von vierzehn auf sechsundzwanzig. Erstmals zieht die
AUGE/UG in die AK-Niederösterreich und Burgenland ein. Deutliche
VerliererInnen sind die Freiheitlichen, die stärksten Gewinne
gibt es für die Sozialdemokratischen GewerkschafterInnen. Die
ÖVP-nahen gewinnen in Vorarlberg und Tirol, sonst stagnieren
sie. Bei der letzten AK-Wahl gingen die Stimmen gegen die schwarz-blaue
Regierung - sie wollte die AK-Umlage drastisch kürzen und damit
die Arbeiterkammer handlungsunfähig machen - vor allem an die
rote FSG. Die AUGE/UG konnte nur einen Teil der Stimmen gegen eine
menschenfeindliche, neoliberale Politik abholen. Und wie wirds
2004? Wird sich der Trend der letzten Wahl fortsetzen? Wir haben
ein - zugegebenermaßen - ehrgeiziges Ziel. Wir wollen dritte
Kraft in der Arbeiterkammer werden. Nicht überall wirds
wohl gelingen. Die Chancen in einigen Bundesländern stehen
allerdings nicht schlecht. Die Freiheitlichen haben sich etwa in
Salzburg gespalten. Die FPÖ befindet sich im freien Fall. Warum
also nicht auch in der Arbeiterkammer? Dass der ÖAAB und die
ihm angeschlossenen ChristgewerkschafterInnen in der Arbeiterkammer
reüssieren werden, darf wohl bezweifelt werden. Die AUGE/UG
hat sich dagegen erfolgreich konsolidiert. Vor allem sind mit "...we4you/UG"
bei der Telekom und der GUG bei den EisenbahnerInnen zwei neue Gruppen
zur UG gestoßen, die in großen Betrieben verankert sind
und auch KandidatInnen für die nächste AK-Wahl stellen.
Hingehen, wählen und weitererzählen!
Entscheidend für die AUGE/UG wird die Frage sein, wie potentielle
WählerInnen, die bisher mit Arbeiterkammer und Gewerkschaften
nicht besonders viel anfangen konnten oder neue AK- Mitglieder geworden
sind - etwa junge Angestellte, arbeitende StudentInnen, MigrantInnen,
Universitätsbedienstete, gewerkschaftskritische GrünwählerInnen
- zu den Wahlurnen bekommen. Noch einen fulminanten sozialdemokratischen
Wahlsieg bei den AK-Wahlen gilt es zu verhindern. Sonst droht Stagnation.
Schließlich geht es darum, den Weg der Öffnung und der
neuen politischen Positionierung von ÖGB und Arbeiterkammer
zu befördern, Themen, die von Arbeiterkammer und ÖGB nur
halbherzig oder zögerlich wahrgenommen werden - wie bedarfsorientierte
Grundsicherung, selbstbestimmtes arbeiten, aktive Verteilungspolitik,
sozial-ökologischer Umbau der Wirtschaft, Demokratisierung
der Betriebe, sowie konsequente Frauenpolitik - stärker in
der ArbeitnehmerInnenbewegung zu verankern. Es gilt vor allem auch
darum jenen eine Stimme zu geben, die bisher unterrepräsentiert
waren, oder deren Anliegen nur ein "Randthema" für Arbeiterkammer
und ÖGB waren und sind: prekär oder atypisch Beschäftigte,
MigrantInnen, Arbeitslose. Und es gilt vor allem zu vermitteln,
dass es eben nicht egal ist, welche Mehrheiten es im Parlament der
ArbeitnehmerInnen gibt. Denn dieses Parlament gibt die Richtung
künftiger AK-Politik vor: ob gute Konzepte in Schubladen verschwinden,
oder zum Programm werden. Ob Lippenbekenntnissen auch Taten folgen.
Ob Papier weiter geduldig bleibt oder nicht. Ob sich AK-Politik
primär an Parteipolitik orientiert oder nicht. Es liegt in
der Hand der drei Millionen unselbständig Beschäftigten,
den Kurs der Arbeiterkammer in Zukunft zu bestimmen. Sie haben die
Möglichkeit ein klares Zeichen zu setzen. Die Chance sollte
nicht versäumt werden. Denn die nächste gibts erst
wieder in vier bis fünf Jahren. Und bis dahin hätte eine
anders eingefärbte Arbeiterkammer vielleicht einiges an Üblem
verhindern, einiges an Gutem bringen können ....
Wähle Deine KandidatInnen!
Von 3. bis 14. Mai 2004 finden die Arbeiterkammerwahlen statt.
Die AUGE/UG - Alternative und Grüne GewerkschafterInnen / Unabhängige
GewerkschafterInnen treten auch dieses Jahr wieder an. Und wir wollen
auch dieses mal wieder mit einer bunten Liste aus unterschiedlichsten
Berufen, UG-Säulen usw. antreten. Und wir hoffen - Du
wählst mit! Und zwar nicht nur bei der AK-Wahl, sondern auch
bei der Erstellung unserer KandidatInnenliste.
Wahl der KandidatInnen zur Wiener AK-Wahl:
Zeit: Samstag, 17. Jänner 2004, 10.00 bis (max.) 17.00 Uhr
Ort: AMS-Esteplatz 2, Eingang Uchatiusgasse, im Stufensaal im 5.
Stock
Wahlberechtigt sind
- AUGE/UG-AktivistInnen
- AUGE/UG-BetriebsrätInnen
- KandidatInnen zur AK-Wahl 2004
- KIV/UG AktivistInnen
- We4you/UG AktivistInnen
- UGöD AktivistInnen
- GUG AktivistInnen
Aus dem Bereich der öffentlichen Dienste sind vorzüglich
AK Wien-Mitglieder aufgerufen, bei der Listenwahl mitzuwirken. Ab
19.30 Uhr wird schließlich gefeiert: In der Brücke (Kulturraum),
Wipplingerstraße 23, 1010 Wien, bei Speis, Trank und Musik,
mit einer Menge netter Leute!
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