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Kampf den öffentlichen Diensten?
Die EU-Kommission hat zu einem Rundumschlag
ausgeholt: Nicht mehr nur einzelne Dienste sollen liberalisiert
werden, sondern die öffentlichen Leistungen insgesamt sollen
verschwinden.
Von Richard Koller.
Österreich ist eines der reichsten Länder Europas.
Wasser, Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände und Luxuswaren
- alles ist vorhanden, vieles davon im Überfluss. Naive Geister
könnten annehmen, dass es in diesem Land allen Menschen gut
geht. Aber der gesellschaftliche Reichtum ist ungleich verteilt
und kommt nicht allen zugute.
In den letzten Jahren hat sich die Situation verschärft. In
der Politik zählen die Menschen nur als Stimmvieh, wirklich
wichtig ist die Wirtschaft. Deswegen wird der vorhandene Reichtum
zunehmend so aufgeteilt, dass ein paar reiche Wirtschaftsmagnaten
immer reicher werden und der Großteil der Bevölkerung
gerade noch so durchkommt.
Das segensreiche Wirken der Europäischen Union hat diese Tendenz
noch verschärft: Gegründet als Wirtschaftsgemeinschaft,
vertritt die EU auch heute noch fast ausschließlich die Interessen
der europäischen Großkonzerne und ihrer Nutznießer.
Das Credo der Politik heißt Wettbewerb und freier Markt, übersetzt
der Untergang aller kleinen und schwachen Einheiten und Aufstieg
der Monopole zur internationalen Herrschaft.
Als größtes Hindernis für die ungehemmte Profitmacherei
erweisen sich dabei die gut entwickelten Sozialsysteme der europäischen
Länder. Diese verteilen einen Teil des gesellschaftlichen Reichtums
um, so dass ein Netz an sozialer Grundsicherung entsteht, das auch
den Ärmeren und Schwächeren ein halbwegs anständiges
Leben garantiert. Der Zugang zu Bildung, Gesundheit, sauberem Wasser
und Lebensmitteln, die Sicherung der Ausbildung der Jugend und der
Versorgung der Alten und vieles mehr werden durch ein komplexes
System von öffentlichen Leistungen gesichert.
Solche Einrichtungen sind dem gewünschten unbeschränkten
Wettbewerb und der schrankenlosen Bereicherung der Großkonzerne
im Wege. Die EU hat deshalb schon seit langem die Mitgliedsstaaten
zu einer Reihe von sogenannten Liberalisierungen verpflichtet: Energieversorgung,
öffentlicher Verkehr, Wohnungen, Kommunikation und Postdienste
sollten nicht mehr nach Bedürfnis zur Verfügung stehen,
sondern profitorientiert "zu günstigen Preisen" von Privaten
angeboten werden.
Die Folgen sind teilweise katastrophal: Schlecht bis gar nicht
funktionierender öffentlicher Verkehr, zusammenbrechende Energieversorgung,
schlechte Wasserversorgung, mangelhafte öffentliche Kommunikation
in den "beispielhaft liberalisierten" Ländern waren die Folge.
Die EU-Kommission macht daraus das Märchen günstigerer
Kosten und "transparenter" Dienstleistungen, die allen zugänglich
sind. Ob und wer sich das leisten kann, das ist nicht ihr Problem.
Die Zerschlagung bisher funktionierender öffentlicher Dienste
in einzelnen Sektoren reicht aber der Lobby der Hochfinanz nicht
aus. Das eigentlich große Geld könnte in den Sektoren
Bildung, Gesundheit, Pensionen usw. gemacht werden, die nach wie
vor in Europa großteils öffentlich geführt werden.
Die EU-Kommission hat daher im Interesse ihrer Klienten zu einem
großen Rundumschlag ausgeholt: Nicht mehr einzelne Dienste
sollen liberalisiert werden, sondern die öffentlichen Leistungen
insgesamt sollen verschwinden. Formuliert wird diese Absicht in
einem "Grünbuch", das in der EU üblicherweise am Anfang
eines Rechtssetzungsprozesses steht (nach dem Grünbuch folgt
üblicherweise ein "Weißbuch", aus dem sich dann Richtlinien,
Verordnungen und eine angepasste Rechtssprechung des EU-GH ergeben).
Grundsätzliches Thema des Grünbuchs: Es gibt in den EU-Verträgen
keine öffentlichen Dienste, es gibt nur wirtschaftliche Leistungen
im allgemeinen Interesse. Die Erbringung dieser Leistungen darf
keine Markthemmnisse beinhalten, sondern muss dem freien Wettbewerb
unterliegen. Der Staat kann zwar Mindestanforderungen formulieren
und durch Regulatoren kontrollieren lassen, ansonsten hat er sich
herauszuhalten und für den freien Markt zu sorgen.
Die Mindestanforderungen bestehen in sogenannten "Universaldiensten",
die von den europäischen Sozialstaaten nur verbrannte Erde
hinterlassen würden. Gewährleistet werden müssten
etwa bei der Post der Transport des Standardbriefs zu "vernünftigen"
Preisen, bei der Bildung die freie Grundschule, bei der Bahn die
wirtschaftliche rentablen Verbindungen u.s.w. Alles andere ist Luxus,
der zu bezahlen ist, wer sich das nicht leisten kann, hat ein Problem.
Das Grünbuch liegt vor, die Begutachtungsfrist läuft
bezeichnenderweise seit Juli bis zum 15. September 2003. Negative
Stellungnahmen sind offenbar nicht erwünscht, deshalb umso
dringender. Gewerkschaften, öffentliche Stellen (Bund, Länder
und Gemeinden), Nicht-Regierungsorganisationen sind aufgerufen:
Ohne deutlichen Widerstand und scharfe Kritik wird die Europäische
Union die europäischen Länder zu einer Sozialwüste
und einem Paradies für Superreiche machen.
Weitere Informationen: [www.attac-austria.org].
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