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Ungleicher Kampf um Spitäler
Still und leise hat die Privatisierung der Krankenhäuser
längst begonnen. Neben Bauriesen und selbsternannten Gesundheitsgurus
mischen auch internationale Klinik-Konzerne mit.
Wenn private Unternehmen und Investoren
öffentliche Bereiche suchen, in denen sie ein Geschäft
machen, mitnaschen oder bei Privatisierungen kräftig verdienen
können, fällt ihr Blick immer öfter auf das Gesundheitswesen.
Nachdem die Wasserversorgung und der öffentliche Verkehr weltweit
schon weitgehend von Privatkonzernen gesteuert werden, ist das Gesundheitswesen
im Gegensatz nämlich noch weitgehend öffentlich. Gleichzeitig
steigen aber die Kosten für die Gemeinden enorm und der Druck
auf Einsparungen wächst.
Die Folge ist, dass unabhängige ExpertInnen den Kommunen
zunehmend raten, sich doch von ihren teuersten Bereichen zu trennen
und einen privaten Partner zu suchen. Diese Bereiche sind mit Krankenhäusern
und Pflegeheimen schnell identifiziert. Immerhin machen Spitäler
fünfzig Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben aus. Etwa
zwanzig Prozent des Budgets einer Gemeinde entfällt auf das
Krankenhaus und die Altenpflege.
Und weil es eben derzeit recht modern ist, wenn sich die öffentliche
Hand von Aufgaben zurückzieht, steigen im Gesundheitsbereich
Privatisierungen. Die Folge: Bei PatientInnen und im niedergelassenen
Bereich steigen Selbstbehalte (oder werden zumindest diskutiert)
und im stationären Bereich steigen Ausgliederungen.
Aktuellstes Beispiel: Die steirische Landesregierung beschliesst
mit den Stimmen von ÖVP und SPÖ, dass die landeseigene
Spitalsholding Kages künftig von einer privaten Managementgesellschaft
geführt werden soll. Der Betrieb wird europaweit ausgeschrieben.
Die Kages beschäftigt 16.000 Menschen, führt zwanzig Krankenhäuser
und setzt rund 1,3 Milliarden Euro um. Von der Grössenordnung
ist der Schritt der Steirer also etwa vergleichbar damit, dass die
Verstaatlichtenholding ÖIAG sagt, sie sucht einen Partner für
die VA-Tech. Die öffentlichen Reaktionen wären enorm.
Und was passiert bei der Kages? Nichts. Nur einen Monat dauerte
es vom ersten Auftauchen der Idee bis zum Beschluss im Landtag.
Die ÖVP war sowieso dafür. Die SPÖ auch, wenn sichergestellt
ist, dass das Land als Eigentümer auch künftig bei Standortschliessungen,
Personalabbau oder Leistungskürzungen mitreden darf.
Was folgt ist eine typisch österreichische Posse um Freunderlwirtschaft
und Halb-so-wild-Politik. Aussichtsreicher Kandidat für das
Management der Kages ist die deutsche Sana-Gruppe. Diese Klinikkette
gehört achtzehn deutschen privaten Krankenversicherungen und
gilt als grösste deutsche Spitalskette. Chef des Unternehmens
ist der ehemalige Kages-Boss Ulrich Bosch. Ein weiterer Interessent
könnte die Tiroler Landesholding Tilak sein. Das Unternehmen
wird vom ehemaligen Sana-Vorstand Herbert Weissenböck geführt.
Doch damit nicht genug. Basis für die jüngsten Entwicklungen
bei der Kages waren zwei Studien von unabhängigen Experten.
Einer davon, der Gesundheitsökonom und Ex-LIF-Chef Christian
Köck, hält Anteile an einer Firma, die selbst seit eineinhalb
Jahren versucht, öffentliche Krankenhäuser zu managen
oder zu übernehmen. Der Vorschlag zur Teilprivatisierung der
Kages komme allerdings nicht von Köck - heisst es.
Tatsächlich geht es aber längst nicht nur um den Einzug
privater Konzerne in die steirischen Krankenhäuser. Das Beispiel
ist nur der Höhepunkt einer Reihe von Entwicklungen, die einem
europaweiten Trend folgen und zu immer grösseren und privat
geführten Klinikketten führen.
In Deutschland werden etwa schon 22 Prozent aller öffentlichen
Krankenhäuser von Privatketten, wie Sana, den Helios-Kliniken,
der Rhoen-Gruppe, Fresenius, Asklepius oder Mediclin geführt.
Vor zehn Jahren waren es noch sechzehn Prozent und bis 2015 soll
der Anteil bereits bei dreißig Prozent liegen. Die Folgen
sind derzeit noch weitgehend unabschätzbar. Selbst ExpertInnen
der deutschen Krankenkassen kommen in einer eigenen Untersuchung
aus dem Vorjahr zum Ergebnis, dass sie nicht genau sagen können,
wie sich der Wettbewerb im Spitalswesen auf die Versorgung der PatientInnen
und die Kosten auswirken wird. Dennoch befürworten sie die
Privatisierung pauschal.
In Österreich finden sich längst nicht so viele BefürworterInnen
- zumindest getrauen sie sich nicht an die Öffentlichkeit.
Im Hintergrund schreiten die Auslagerungen aber zügig voran.
So wurde etwa vor eineinhalb Jahren das allgemeine Krankenhaus Kitzbühel
zu siebzig Prozent an die deutschen Helios-Kliniken verkauft. Im
Frühjahr wiederum eröffnete die Sozialversicherungsanstalt
der Gewerblichen Wirtschaft das umgebaute und vergrösserte
Neurologische Zentrum Rosenhügel in Wien. Betrieben wird das
Haus von der Vamed AG, die sonst vor allem technische Betriebsführung
im AKH macht oder Thermen betreibt. Das Unternehmen gehört
mehrheitlich zum deutschen Klinik- und Medizintechnik-Riesen Fresenius.
Die Vamed ist es auch, die künftig das neugebaute Krankenhaus
Neunkirchen in Niederösterreich führen wird. An einer
entsprechenden Betriebsgesellschaft sind die Vamed und die Gemeinde
zu je fünfzig Prozent beteiligt. Doch damit ist es noch lange
nicht getan. Neben der Vamed versuchen auch andere Gruppen ins Spitalsgeschäft
einzusteigen. So hat etwa Christian Köck neben einer Beratergruppe
auch die HCC KrankenanstaltenbetriebsgesmbH gegründet. Miteigentümer
des Unternehmens sind der Bauriese Hans-Peter Haselsteiner, die
Raiffeisenbank Niederösterreich und andere. Haselsteiner ist
nicht der einzige Bauriese, der Spitäler führen oder kaufen
will. Vor kurzem wurde auch die SpitalsprojektgesmbH gegründet.
Das Unternehmen gehört der Baufirma Porr, deren Miteigentümer
Ortner und der Humanomed-Gruppe. Letzere managt wiederum nahezu
alle Privatkrankenhäuser in Österreich und gehört
den drei grossen Krankenversicherungen Uniqa, Merkur und Wiener
Städtische.
Damit sie es in Zukunft leichter haben, gleich eine Gruppe wie
die steirische Kages zu übernehmen, werden derzeit in allen
Bundesländern die Spitalsgesellschaften ausgegliedert. So gibt
es etwa in Vorarlberg, Tirol, Oberösterreich, dem Burgenland
und eben in der Steiermark schon Spitalsgruppen, die zwar den Ländern
gehören, aber privatrechtlich eigenständig sind. Auf dem
Weg, eine GesmbH zu werden sind die Holdings von Wien, Kärnten
und in Salzburg.
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