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Budget mit System(wandel)
Wenn im Plenum des Parlaments wieder einmal die
Raumtemperaturen tropische Dimensionen annehmen, liegt das nur allzu
oft an der heißen Luft, die so manche Rede beinhaltet. Wenn
die Temperaturen allerdings nahe am Siedepunkt liegen, weiß
der/die aufmerksame politische BeobachterIn: der Finanzminister
ist am Wort und hält seine Budgetrede.
Von Markus Koza.
Wir erinnern uns noch gut: "Ein guter Tag
beginnt mit einem sanierten Budget", sprach er. Damals noch nicht
KHG-Ich-Aktie sondern Finanzminister von Haiders Gnaden. Der zentrale
Marketinggag in Blau-Schwarz, das Nulldefizit, war geboren. "Keine
neuen Schulden", "Schluss mit der Schuldenmacherei" und andere Phrasen
prägten von nun an die finanzpolitische Diskussion.
Nun hat die neue ÖVP-FPÖ Koalition die Budgetvoranschläge
für 2003 und 2004 präsentiert: Siebentausend Seiten Budget,
siebenhundert Seiten Budgetbegleitgesetze (darunter die Pensionssicherungsreform)
und fünfzig Seiten Abänderungsgesetze: Für die ParlamentarierInnen
ein kaum zu bewältigender Wulst an Zahlen, Gesetzen, Informationen
und versteckten und offenen Fallen. Für KHG Budgets, die dem
"Erfolgsmodell Österreich" unter den Schlagwörtern "Den
Staat reformieren! Den Bürger entlasten!" Flügel verleihen
sollen.
Nichts Neues unter der Sonne ...
KHG ist ein Neoliberaler. Er will den Systemwandel ("... es geht
nicht um kleine kosmetische Eingriffe ins bestehende System, nein,
ein großer Wurf ist notwendig.") vom Wohlfahrtsstaat zum neoliberalen
Wettbewerbsstaat, zur Österreich AG endgültig vollziehen.
Seine Budgetrede ist dementsprechend der übliche Grassersche
Cocktail aus neoliberalem Qua-Qua, selbstherrlichem Optimismus,
Tatsachenverdrehung und gewerkschaftsfeindlichem Geseiere. Also
wahrlich nichts neues unter der Sonne, dennoch beachtenswert. Wurde
doch selten in einer derartigen Offenheit und Klarheit die von schwarz-blau
betriebenen Generaloffensive gegen die Reste von Sozialstaatlichkeit
in diesem Lande so offensichtlich. Die von der ÖVP Ende 2002
erarbeitete und präsentierte "Wirtschaftspolitische Agenda.
Land der Chancen" findet nun ihren budgetären Niederschlag,
das Budget präsentiert sich als in Zahlen gegossene konservative
Gesellschaftspolitik. So ist es eben auch kein Zufall, dass die
Pensionsreform ein Budgetbegleitgesetz ist. Die Finanzminister -
und das ist inzwischen in der gesamten EU der Fall - diktieren zunehmend
die Sozialpolitik. Soziale Maßnahmen werden nur mehr unter
dem "Finanzierungsaspekt" gesehen, sozialpolitische Ziele sind finanzpolitischen
Restriktionen untergeordnet.
KHG hat sich mit seinem Doppelbudget 2003/2004 einiges vorgenommen.
Das vorgelegte Budget ist "ein Zukunftsbudget, ein Reformbudget
und ein entlastendes Budget. Wir werden mit diesem Budget in die
Zukunft unseres Landes investieren, wir werden Reformen zur nachhaltigen
Sicherung unserer Sozialsysteme umsetzen, wir werden die Verwaltungsreform
fortsetzen und wir werden die Steuerbelastung deutliche senken.
Nur das ist der richtige Weg, um einen wirtschaftlichen Aufschwung
aus eigener Kraft zu schaffen." Nun, zum wirtschaftlichen Abschwung
hat KHG ja kräftig beigetragen, schaun wir einmal, wie
er da wieder rauskommen will. Also, dass der Wirtschaftsabschwung
auch hausgemacht sein könnte, fällte einem eitlen Sunnyboy
wie Grasser natürlich nicht ein. Dass Österreich in einer
veritablen Wirtschafts- und Beschäftigungskrise steckt, ist
- wie nicht anders zu erwarten - primär die Schuld der anderen.
Der 11. September 2001, der Afghanistankrieg, der Irakkrieg, die
Bilanzskandale in den USA. Der Schüssel-Grasser Kurs der ersten
blau-schwarzen Periode hat mit der Wachstumskrise selbstverständlich
aber auch rein gar nichts zu tun. Schließlich hat sich Österreich
"in den letzten Jahren gut entwickelt. Wir können daher mit
Selbstvertrauen und einem realistischen Optimismus in die Zukunft
blicken." Sagt Grasser, der es ja wissen muss. Allerdings - meine
werten Damen und Herren - "wenn wir ... dieses Potential für
einen Aufschwung und damit mehr Wohlstand und mehr Arbeitsplätze
haben wollen, dann ist gerade jetzt Gemeinsamkeit gefragt." Dieser
nationale Schulterschluss wird allerdings wieder einmal von verantwortungslosen
und vaterlandslosen Subjekten torpediert, die ja schon früher
einmal durch champagnisieren und vernadern ungut aufgefallen sind.
Warens damals Grüne, Sozis und außerparlamentarische
RegierungsgegnerInnen, die ihr Fett abbekommen haben, sind es diesmal
die Gewerkschaften: "Beendet eure Streiks gegen die Regierung!"
ruft KHG ihnen zu, "Beschädigt nicht die gute wirtschaftliche
Basis, die wir uns erarbeitet haben! Es ist unverantwortlich, den
Unternehmern und Arbeitnehmern unseres Landes in einer schwierigen
Situation zu schaden. Kehren sie zum Dialog und an den Verhandlungstisch
zurück!" Gerne schicken wir diese Aufforderung postwendend
zurück: Beschädigt nicht noch weiter die wirtschaftliche
und soziale Basis, welche die ArbeitnehmerInnen erarbeitet haben!
Es ist unverantwortlich, den ArbeitnehmerInnen unseres Landes durch
weiteren Sozial- und Pensionsraub, durch Abbau von ArbeitnehmerInnenrechten
und Ausdehnung der Arbeitszeiten in einer schwierigen Situation
zu schaden! Kehren Sie ins Privatleben zurück Herr KHG und
lassen Sie uns endlich in Frieden! Nun, bringen wird diese Aufforderung
leider nichts. Jedenfalls wissen wir jetzt schon, wer für die
miese Konjunktur in Zukunft die Schuld bekommen wird: der ÖGB.
So, kommen wir nun zu den weiteren Ausführungen des KHG: "Die
Österreicherinnen und Österreicher wissen, dass nur eine
leistungsstarke Wirtschaft Wohlstand und Arbeit schaffen und erhalten
kann." Ah so, wissen wir das? "Das bedeutet, dass wir unsere Wirtschaftspolitik
an den Prinzipien der wirtschaftlichen Freiheit, der Leistung, des
Wettbewerbs, aber natürlich auch an der sozialen Verantwortung
orientieren. Nur eine starke Wirtschaft sichert den sozialen Zusammenhalt
auf Dauer. Denn - um mit F. A. von Hayek zu sprechen - es
ist eine grundlegende Illusion des Sozialismus, dass sich Armut
durch Umverteilung des vorhandenen Wohlstandes beseitigen lässt."
Aha, also Umverteilung löst das Armutsproblem nicht. Was dann?
"Wer Armut wirksam bekämpfen will - und wir wollen das -, der
muss unsere Unternehmen von Fesseln und Belastungen befreien und
ein Klima schaffen, in dem sich Leistung für den Einzelnen
wieder lohnt. Wir wollen daher weniger Staatseinfluss und mehr Markt.
Wir wollen weniger Bürokratie und mehr Freiheit für den
Einzelnen. Wir wollen weniger Arbeitslose und mehr Beschäftigung.
Wir wollen nachhaltige Steuerentlastung und damit mehr Chancen für
Österreich!" Hilfe, wir wollen endlich einen anderen Finanzminister!
Das ist ja wahrlich kaum mehr zum Aushalten. Da stellt sich tatsächlich
einer hin und schwadroniert entgegen jeder Empirie und ernst zu
nehmenden Wissenschaft, dass Umverteilung nicht armutsbekämpfend
wirkt und das einzige Mittel gegen Armut in der Befreiung des Kapitals
von den Fesseln staatlicher Regulierung liegt. Und so was zu Beginn
des 21. Jahrhunderts! Jeder lebt in seiner eigenen Welt ... Dogmatismus
pur. Dafür allerdings soll Österreich endlich "TOP-Drei-Wirtschafts-
und Arbeitsstandort in Europa werden". Na, ist ja was.
... dafür mehr davon
"Ein ausgeglichener Haushalt über den Konjunkturzyklus garantiert
höheres Wachstum, mehr Beschäftigung und niedrigere Arbeitslosigkeit,"
führt KHG weiter aus. Und die Erde ist eine Scheibe. Die Wachstumskrise
innerhalb der EU-Staaten beruht nicht zuletzt auf dem Rückgang
von Binnennachfrage. Zurückhaltende Lohnentwicklung, gleichzeitig
durchgeführte Budgetkonsolidierungsprogramme mit dem Zurückschrauben
öffentlicher Investitionsprogramme haben den Wachstumseinbruch
beschleunigt. Der Stabilitätspakt wurde inzwischen selbst von
Romano Prodi als "dumm" bezeichnet. KHG ist nach wie vor begeistert
davon. "Jeder Haushalt, jedes Unternehmen hat eine Budgetbeschränkung.
Niemand kann auf Dauer mehr ausgeben als einnehmen. Das gilt auch
für den Staat! Dauerhafte Defizite - dies hat sich immer wieder
gezeigt - führen zu höheren Staatsschulden, zu höheren
Zinsen auf die Staatsschuld, zu höheren Steuern, zu weniger
Investitionen, zu langsameren Strukturwandel, zu geringerer internationalen
Wettbewerbsfähigkeit und damit letztlich zu geringerem Wirtschaftswachstum
bei steigender Arbeitslosigkeit. Das ist das Modell der rot/grünen
Koalition in Deutschland. Genau das Gegenteil aber ist unser Ziel."
Ha, da hat ers ihm aber wieder gegeben, dem deutschen Nachbarn
in. Stimmen tuts halt leider, wie so oft bei KHG, nur bedingt.
Deutschland hat nämlich die Unternehmenssteuern und die Einkommenssteuern
gesenkt und ist damit in eine veritable Finanzierungskrise geraten.
Die BRD hat unter rot-grün bedauerlicherweise das betrieben,
was KHGs große Vision ist: die Entlastung der oberen Einkommensschichten.
Und so trifft eigentlich vieles von KHGs Kritik an rot-grün
eigentlich haargenau auf Österreich zu: Höhere Steuern
in Österreich zum Abbau des Budgetdefizits haben zu weniger
Investitionen und zu einem geringeren Wirtschaftswachstum bei steigender
Arbeitslosigkeit geführt. Gebracht haben die Maßnahmen
ein einmaliges Nulldefizit, das inzwischen ja wieder vergessen ist.
Heute spricht er davon, "dass in einer schwächeren Phase, wie
sie derzeit gegeben ist, Defizite im Staatshaushalt durchaus sinnvoll
sind." Sie wären auch schon früher sinnvoll gewesen, einiges
an Wachstumseinbrüchen und Arbeitslosigkeit hätte man/frau
sich ersparen können. Aber damals galt ja noch das Dogma Nulldefizit
und "keine neuen Schulden mehr". Und so ist die wirtschaftliche
Lage eben so, wie sie ist. Ein begnadeter Ökonom dieser KHG.
Brillant, dieser Finanzminister.
"Österreich braucht helle Köpfe"
So meint auch KHG. Schade, dass es so wenig davon in der Bundesregierung
gibt. Das Budget setze auch jene klaren Prioritäten, um aus
Österreich ein Land der hellen Köpfe zukunftsreich zu
machen: "Wir wollen zukunftsorientierte Ausgaben, wie etwa für
Ausbildung, Forschung und Entwicklung sowie für Infrastruktur
erhöhen." Leider merken die Universitäten und Schulen
nichts davon, ist vielmehr gegenteiliges der Fall. So verzeichnet
der Budgetposten Wissenschaft 2003 im Vergleich zu 2002 ein Minus
von rund 139 Millionen Euro. 2004 steigt das entsprechende Budget
zwar leicht um 37 Millionen Euro, liegt allerdings deutlich unter
den Ausgaben des Jahres 2002.
Im Bereich der Schulen wird das Bildungsbudget de facto eingefroren.
Die Arbeiterkammer spricht von einem "massiven Bildungsabbau" und
einer Schmälerung der Qualität des Bildungssystems. So
findet etwa kein Ausbau der berufsbildenden Schulen statt, sechstausend
SchülerInnen wurden etwa 2002 abgewiesen. Der Grund: der Mangel
an Schulplätzen! Seit 2000 wurden 2700 BundeslehrerInnenposten
und 3500 LandeslehrerInnenposten eingespart. Im Bereich der Pädagogischen
Institute werden die Personalkosten um 7,2 Prozent gesenkt und dadurch
die Angebote für LehrerInnenfort- und -weiterbildung drastisch
eingeschränkt. Österreich, das Land der hellen Köpfe?
In einem schwarz regierten Land herrscht zunehmend Dunkelheit. Und
wie siehts mit den Infrastrukturinvestitionen aus? Die Arbeiterkammer
kommt zum Schluss, "dass der Bund sich mit den BVA-Entwürfen
2003 und 2004 aus seiner Verantwortung für den Nahverkehr zurückzieht."
Warum? Im Bereich der ÖBB liegt etwa der Finanzbedarf für
die Sicherstellung der Infrastruktur bei 1131 Milliarden Euro jährlich,
der Zinsendienst umfasst 334 Millionen Euro. Tatsächlich sind
für 2003 und 2004 nur jeweils 1363 Milliarden Euro budgetiert
- was eine jährlich Unterdeckung von hundert Millionen Euro
bedeutet. Die Arbeiterkammer dazu: "Eine Unterdeckung der Infrastruktur
kann - so ferne die Unterdeckung nicht im Kreditwege finanziert
werden kann - einerseits zu einem verschärften Personalabbau
beziehungsweise zu Ausgliederungen, Umstrukturierungen sowie schlechteren
Beschäftigungsverhältnissen führen. Andererseits
können Qualitätseinbußen bei der Infrastruktur eintreten,
die langfristig zu Problemen der Sicherheit und der laufenden Erhaltung
führen." Kommen werden wohl auch wieder Tariferhöhungen,
werden doch gemeinwirtschaftliche Leistungen an die Bundesbahnen
ebenfalls reduziert (von 606 Millionen auf 586 Millionen Euro).
Langfristig, kommt die Arbeiterkammer zum Schluss, ist weder bei
der Schieneninfrastrukturgesellschaft noch bei den ÖBB die
mittel- beziehungsweise langfristige Finanzierung der Schieneninfrastruktur
sichergestellt. Wenn daher Grasser davon spricht, Investitionen
für "eine bessere Lebensqualität und bessere Umwelt" zu
tätigen, kann man/frau nur vor den gesundheitsgefährdenden
Nebenwirkungen blau-schwarzer Politik warnen. Gibts für die
ÖBB schon kein Geld, gibts zumindest kluge Empfehlungen: "Weniger
Streik, mehr Effizienz und weniger Steuergeld!" seien die Gebote
der Stunde. Danke, KHG.
Zur Verwaltungsreform: Liebe öffentlich Bedienstete. Folgendes
fällt Grasser zu euch ein: "Weg mit dem Speck. Es ist unser
Ziel, in dieser Legislaturperiode alleine in der Bundesverwaltung
in Summe 3,2 Milliarden Euro einzusparen," um natürlich wieder
einmal "die Steuerzahler zu entlasten und die unternehmerischen
Kräfte zu befreien." Zehntausend Planstellen gilts im Bund
abzubauen, zwanzigtausend bei Ländern, Städten und Gemeinden.
Weg mit dem Speck! Ein wahrer Menschenfreund. Weg soll nicht nur
der Speck, sondern auch die ÖIAG-Betriebe. "Der Staat ist ein
schlechter Unternehmer," spricht der Herr. Die Geldvernichtung der
braven SteuerzahlerInnen müsse endlich ein Ende haben. "Wir
werden im österreichischen Interesse privatisieren. Die Firmenzentralen
und Forschungseinrichtungen sollen in Österreich bleiben und
der Kapitalmarkt gestärkt werden." Dann dürfen die SteuerzahlerInnen
im Rahmen der privaten Pensionsvorsorge endlich ihre Gelder an den
Börsen vernichten, allerdings steuerlich gefördert. Übrigens,
wenns darum geht, Firmen- und Forschungszentralen privatisierter
Betriebe im Lande zu behalten, sollten Grasser und Co. vielleicht
einmal mit den ehemaligen BetriebsrätInnen der Semperit reden.
Ich glaube, die könnten a einiges erzählen ... Jedenfalls
will KHG nach dem Nulldefizit wieder einmal ein klares Zeichen setzen,
diesesmal für das Ende der Ära verstaatlichter Industrie
in Österreich. Wir wünschen im leidenschaftlich ein Ende
seiner Ära, als Zeichen für ein Weiterbestehen staatlicher
Industriepolitik.
"Steuern senken, Freiheit schenken!"
Kommen wir zum traurigen Schluss Grasserscher Wortspenden. Was
wäre der größte Finanzminister aller Zeiten ohne
eine entsprechend großmündige Ankündigung der "größten
Entlastung in der Geschichte der 2. Republik." Eben, ein kleines
Finanzministerwürstchen unter vielen anderen kleinen Finanzministerwürstchen.
Er will keines sein, das macht er klar. "Die größte Steuerreform
der Zweiten Republik wird nicht irgendwann in der Zukunft umgesetzt,
sondern wir beginnen jetzt!" Also eigentlich am 1. Jänner 2004.
Bruttojahreseinkommen bis 14.500 Euro werden künftig steuerfrei
gestellt. Das ist gut. Besser wäre es allerdings, wenn zusätzlich
auch Einkommen unter neunhundert Euro monatlich von Entlastungen
profitieren würden - etwa durch Negativsteuern. Diese zirka
1,15 Millionen ArbeitnehmerInnen werden allerdings voll zur Kasse
gebeten, werden doch die Energiesteuern deutlich erhöht. Die
Arbeiterkammer kommt zum Schluss, dass durch die erste Etappe der
Steuerreform die Unselbständigen stärker be- als entlastet
werden. Und wer gewinnt? Richtig, die Selbständigen (EinzelunternehmerInnen
und Personengesellschaften): nicht entnommene Gewinne werden steuerlich
begünstigt. Die Entlastung wird auf vier- bis sechshundert
Millionen Euro geschätzt. Reine Steuergeschenke, konjunkturelle
Impulse werden dadurch nicht gefördert, werden doch keine Investitionen,
sondern allein die Nichtentnahme von Gewinnen steuerlich begünstigt.
Für 2005 ist die zweite Etappe der Steuerreform geplant, die
eine steuerliche Entlastung in Höhe von 2,5 Milliarden Euro
bringen soll (finanziert unter anderem durch die Pensionsreform).
Auch sie verspricht aus verteilungspolitischer Sicht nichts Gutes.
Fix ist nämlich vorerst einmal nur eines: Der Körperschaftssteuersatz
soll um mindestens drei Prozent gesenkt werden. Die Arbeiterkammer
dazu: "Wenn er - wie im ÖVP-Programm vorgesehen - um vier Prozent
gesenkt wird, beträgt allein der Steuerausfall aus dieser Maßnahme
rund 540 Millionen Euro. Von der 2,5 Milliarden Euro Entlastung
der zweiten Etappe der Steuerreform fließt dann allein etwa
ein Fünftel an die Kapitalgesellschaften." Stimulierende Impulse
für die Konjunktur gehen auch von dieser Steuersenkung nicht
aus. Vielmehr handelt es sich um eine weitreichende Umverteilungsmaßnahme
zugunsten des Kapitals. Grassers großmundige Versprechung
("Diese Steuerreform wird Österreich Flügel verleihen!")
ist mit diesen angebotsseitigen Politik (also Steuersenkungen für
Unternehmen) nicht zu erfüllen. Ganz im Gegenteil: Pensionsreform
inklusive Ausbau der zweiten und dritten Säule, Erhöhung
der Massensteuern, Einführung von allgemeinen Selbstbehalte
im Gesundheitssystem werden die Wirtschaftskrise noch verstärken.
Europa und mit Europa auch Österreich leidet unter einem dramatischen
Rückgang der Binnennachfrage. Die geplanten steuerlichen und
sozialpolitischen Maßnahmen der Schwarz-Blauen Regierung führen
zu einem weiteren Rückgang an Kaufkraft und damit zu einer
Verschärfung der ohnehin schon miesen ökonomischen Lage.
Das Gespenst der Deflation schwebt bereits über Europa. Die
dramatischen Einschnitte ins Pensionssystem und die damit entstehenden
Unsicherheiten ("Bekomme ich in Zukunft noch eine Pension, von der
ich leben kann?") führen zu "Angstsparen": Es wird weniger
konsumiert und aus Angst vor zukünftigen Entwicklungen das
Geld auf die hohe Kante gelegt. Womit die Binnennachfrage weiterhin
zurückgeht. Eine Steuerreform 2005, die vielleicht doch die
Unselbständigen etwas entlastet, kommt da zu spät. Und
ob diese Einkommensgewinnen angesichts der angespannten Situation
tatsächlich die Binnennachfrage erhöhen, darf bezweifelt
werden (siehe Angstsparen). Was tatsächlich notwendig wäre,
sind breit angelegte Investitionen in die Infrastruktur, in soziale
Dienstleistungen (etwa öffentliche Kinderbetreuung, Gesundheitswesen
etc.) und Bildung. Genau das passiert jedoch nicht. Im Gegenteil,
wird doch insbesondere in diesen Bereichen gespart. Damit ist die
Wirtschaftskrise nicht bewältigbar. Offen zur Schau getragener
Optimismus à la Grasser kann daher nur als Vortäuschung
falscher Tatsachen bezeichnet werden. Und wenn Schüssel in
seiner Rede zur "Lage der Nation" davon spricht, wie großartig
denn nicht die Situation in Österreich ist, kann man/frau angesichts
steigender Arbeitslosenzahlen die Aussagen des Bundeskanzlers nur
als abgehobenen, weltfremden Zynismus der Sonderklasse bezeichnen.
Wirtschaftspolitischer Hausverstand steckt hinter diesen Budgets
wenig. Die ideologische Motivation, die hinter diesen Budgets steckt,
ist dagegen offensichtlich: der neoliberale Umbau soll beschleunigt
werden. Budgets sind in Zahlen gegossene Gesellschaftspolitik. "Der
Geist eines Volkes, sein kulturelles Niveau, seine gesellschaftliche
Struktur, seine Taten, für die die Politik möglicherweise
den Boden bereitet - all dies und mehr lässt sich aus der Geschichte
seiner Fiskalpolitik ablesen." Dieses Zitat des konservativen Ökonomen
Joseph A. Schumpeter hat KHG über seine Budgetrede gestellt.
Sie sagt tatsächlich viel über den Geist eines KHG, sein
kulturelles Niveau und seine Taten aus. Dieser Politik sollte kein
Boden bereitet werden - sonst wird er noch irgendwann unter unseren
Füssen weggezogen ...
Verwendete Literatur:
- "Erfolgsmodell Österreich: Den Staat reformieren! Den Bürger
entlasten!", Budgetrede des Finanzministers
- Analyse der Bundesarbeitskammer Österreich: Die Bundesvoranschlagsentwürfe
2003 und 2004
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