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Vierzehn Jahre nach Lainz:
Krachen wie die Kaisersemmerln?
Erlebnisse in einer Runde von PersonalvertreterInnen
aus dem Wiener Spitalsbereich.
Von Lisa Langbein. >> Info
zur Autorin
Fredl ist frustriert und zornig, will seinem Ärger
Luft machen und erzählt. Mit den MitarbeiterInnen wird umgegangen
wie mit dem letzten Dreck, meint er. Dem Dienstgeber ists egal ob
jemand krank ist, schwer krank, oder nicht - eine Niederschrift
wird jedenfalls gemacht. Was das ist? Nun, wenn jemand mehr als
dreissig Tage im Jahr krankgemeldet ist, dann hat er/sie in der
Personalabteilung zur Kenntnis zu nehmen und zu unterschreiben,
dass, wenn die Krankenstände nicht reduziert werden, gekündigt
werden kann. Solche Niederschriften gibt es schon lange, einst eher
vereinzelt, jetzt sind sie die Regel. Und da werden halt auch Krebskranke
nach einer Operation aus dem Krankenstand ins Personalbüro
zitiert.
Aber Fredl ist noch lang nicht fertig. Der Druck auf die Menschen
steigt ständig an, es ist wie in einem Dampfkochtopf bei hoher
Flamme. Dienstpläne halten nicht, immer muss eingesprungen
werden, weil einfach zu wenig Personal da ist. Urlaube können
nicht konsumiert werden, die Menschen werden angehalten in der Haupturlaubszeit
höchstens zwei Wochen zu nehmen, haben aber auch im restlichen
Jahr wenig Gelegenheit ihren "Rest" aufzubrauchen. Fast alle haben
offene Urlaubstage stehen.
Silvia berichtet, dass in ihrem Haus Soll-Dienstpläne mit
reduzierter Besetzung erstellt werden sollten. Da es ein Unterschied
ist, ob fünf im Dienst sein sollten, aber nur drei da sind,
oder ob gleich nur drei im Dienst sein sollten (ob die dann da sind?)
hat sie Einspruch erhoben. Sie kann das, sie ist Vorsitzende. Ihr
Einspruch ist bisher ziemlich erfolglos geblieben. Schliesslich
soll ihr Haus mit etwa der Hälfte des Vorjahresbudgets auskommen.
Im GZW (früher Pflegeheim Lainz) könnte sogar Personal
aufgenommen werden, bloss findet sich keines. Wofür Fredl Verständnis
hat: die Arbeitsbedingungen sind einfach schlecht. MitarbeiterInnen
werden nicht als Menschen behandelt, das zieht sich durch und wird
immer ärger, meint er. Vom Pflegepersonal gehen viele in die
Schweiz arbeiten, dort verdienen sie wenigstens besser. Aber der
steigende Druck trifft nicht mehr nur die Pflegenden, alle Berufsgruppen
und Bereiche sind betroffen.
Besonders trifft es momentan jene, die in Bereichen arbeiten, die
auch an Fremdfirmen vergeben werden könnten. Eine Drohung,
die ständig im Raum schwebt (oder über der Anlage). Und
das sind die angewandten Druckmittel: Zielvereinbarungen werden
ständig geändert. Da kommen Vorgesetzte und machen einfach
eine neue Vereinbarung, du kannst dagegen nichts tun, denn wenn
der Aufgabenbereich zu gross und unerfüllbar erscheint, dann
bist du eben weg. Auch Stellenbeschreibungen, wo festgelegt ist,
was zu tun ist, werden geändert, dasselbe Muster. Sehr modern
ist auch "controlling", das erklärt er so: da geht jemand mit
dir mit, mit der Stoppuhr, ein paar Tage lang, vielleicht eine Woche.
Dann ist schriftlich festgehalten, dass du um 10 Uhr für eine
Minute und vierunddreissig Sekunden am Klo warst. Was mit diesen
Aufzeichungen passieren soll ist ihm nicht bekannt. Wer nicht pariert,
dem wird mit der Beurteilung gedroht: "dann machen wir halt eine
neue Beurteilung". Für viele Berufsgruppen bedeutet dabei schon
ein "gut", dass sie die sogenannte Leistungszulage verlieren. Ein
nicht unbeträchtlicher Gehaltsbestandteil. Für alle gilt,
dass es bei nicht guten Beurteilungen um den Job geht.
Was der Sinn von all dem sei? Nun, es soll gespart werden. Personaleinsparungen
sind dabei zentral. Posten werden nicht nachbesetzt, die Übriggebliebenen
müssen halt noch mehr arbeiten.
So wurde einer Mitarbeiterin nach 31 Dienstjahren eine Verfehlung
nachgewiesen. Sie wurde unter Druck gesetzt, selbst zu kündigen.
Keine Debatte, keine Versuche, zu klären, was mit ihr ist,
einfach so, nach 31 Jahren.
Und die Personalvertetung? Und die Gewerkschaft?
Die schauen zu. Wie das Kaninchen auf die Schlange, es gibt keinen
ernst zu nehmenden Widerstand, keine Strategie dagegen.Für
die VertreterInnen der Minderheiten ist das frustrierend, für
die betroffenen Bediensteten fatal.
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