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Alternative März 2003

 

Vierzehn Jahre nach Lainz:

Krachen wie die  Kaisersemmerln?

Erlebnisse in einer Runde von PersonalvertreterInnen aus dem Wiener Spitalsbereich.

Von Lisa Langbein. >> Info zur Autorin 

 

Fredl ist frustriert und zornig, will seinem Ärger Luft machen und erzählt. Mit den MitarbeiterInnen wird umgegangen wie mit dem letzten Dreck, meint er. Dem Dienstgeber ists egal ob jemand krank ist, schwer krank, oder nicht - eine Niederschrift wird jedenfalls gemacht. Was das ist? Nun, wenn jemand mehr als dreissig Tage im Jahr krankgemeldet ist, dann hat er/sie in der Personalabteilung zur Kenntnis zu nehmen und zu unterschreiben, dass, wenn die Krankenstände nicht reduziert werden, gekündigt werden kann. Solche Niederschriften gibt es schon lange, einst eher vereinzelt, jetzt sind sie die Regel. Und da werden halt auch Krebskranke nach einer Operation aus dem Krankenstand ins Personalbüro zitiert.

Aber Fredl ist noch lang nicht fertig. Der Druck auf die Menschen steigt ständig an, es ist wie in einem Dampfkochtopf bei hoher Flamme. Dienstpläne halten nicht, immer muss eingesprungen werden, weil einfach zu wenig Personal da ist. Urlaube können nicht konsumiert werden, die Menschen werden angehalten in der Haupturlaubszeit höchstens zwei Wochen zu nehmen, haben aber auch im restlichen Jahr wenig Gelegenheit ihren "Rest" aufzubrauchen. Fast alle haben offene Urlaubstage stehen.

Silvia berichtet, dass in ihrem Haus Soll-Dienstpläne mit reduzierter Besetzung erstellt werden sollten. Da es ein Unterschied ist, ob fünf im Dienst sein sollten, aber nur drei da sind, oder ob gleich nur drei im Dienst sein sollten (ob die dann da sind?) hat sie Einspruch erhoben. Sie kann das, sie ist Vorsitzende. Ihr Einspruch ist bisher ziemlich erfolglos geblieben. Schliesslich soll ihr Haus mit etwa der Hälfte des Vorjahresbudgets auskommen.

Im GZW (früher Pflegeheim Lainz) könnte sogar Personal aufgenommen werden, bloss findet sich keines. Wofür Fredl Verständnis hat: die Arbeitsbedingungen sind einfach schlecht. MitarbeiterInnen werden nicht als Menschen behandelt, das zieht sich durch und wird immer ärger, meint er. Vom Pflegepersonal gehen viele in die Schweiz arbeiten, dort verdienen sie wenigstens besser. Aber der steigende Druck trifft nicht mehr nur die Pflegenden, alle Berufsgruppen und Bereiche sind betroffen.

Besonders trifft es momentan jene, die in Bereichen arbeiten, die auch an Fremdfirmen vergeben werden könnten. Eine Drohung, die ständig im Raum schwebt (oder über der Anlage). Und das sind die angewandten Druckmittel: Zielvereinbarungen werden ständig geändert. Da kommen Vorgesetzte und machen einfach eine neue Vereinbarung, du kannst dagegen nichts tun, denn wenn der Aufgabenbereich zu gross und unerfüllbar erscheint, dann bist du eben weg. Auch Stellenbeschreibungen, wo festgelegt ist, was zu tun ist, werden geändert, dasselbe Muster. Sehr modern ist auch "controlling", das erklärt er so: da geht jemand mit dir mit, mit der Stoppuhr, ein paar Tage lang, vielleicht eine Woche. Dann ist schriftlich festgehalten, dass du um 10 Uhr für eine Minute und vierunddreissig Sekunden am Klo warst. Was mit diesen Aufzeichungen passieren soll ist ihm nicht bekannt. Wer nicht pariert, dem wird mit der Beurteilung gedroht: "dann machen wir halt eine neue Beurteilung". Für viele Berufsgruppen bedeutet dabei schon ein "gut", dass sie die sogenannte Leistungszulage verlieren. Ein nicht unbeträchtlicher Gehaltsbestandteil. Für alle gilt, dass es bei nicht guten Beurteilungen um den Job geht.

Was der Sinn von all dem sei? Nun, es soll gespart werden. Personaleinsparungen sind dabei zentral. Posten werden nicht nachbesetzt, die Übriggebliebenen müssen halt noch mehr arbeiten.
So wurde einer Mitarbeiterin nach 31 Dienstjahren eine Verfehlung nachgewiesen. Sie wurde unter Druck gesetzt, selbst zu kündigen. Keine Debatte, keine Versuche, zu klären, was mit ihr ist, einfach so, nach 31 Jahren.
Und die Personalvertetung? Und die Gewerkschaft?

Die schauen zu. Wie das Kaninchen auf die Schlange, es gibt keinen ernst zu nehmenden Widerstand, keine Strategie dagegen.Für die VertreterInnen der Minderheiten ist das frustrierend, für die betroffenen Bediensteten fatal.

 

Alternative März 2003