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Gewerkschaften & Krieg
Welche Stellung haben die Gewerkschafts-Organisationen
zum Schlachten in Afghanistan eingenommen? In den Medien wurde darüber
kaum berichtet - aber in der Presse und im TV fanden ja auch die
Massendemonstrationen für den Frieden nicht statt. Deshalb
haben wir Silvia Angelo vom Europa-Büro des ÖGB befragt.
Von Fritz Keller. >> Info
zum Autor
Welche Positionen haben der Internationale Bund Freier
Gewerkschaften und der Europäischen Gewerkschaftsbundes eingenommen?
Unmittelbar nach dem 11. September haben beide internationalen
Vereinigungen die Terrorakte entschieden moralisch verurteilt. Sie
haben aber auch in ihren offiziellen Statements implizit die Legitimität
der kriegerischen Aktionen der USA anerkannt. Das war aber auch
der Teil der Stellungnahme, über den intern am meisten diskutiert
wurde. Ich möchte etwas aus diesen Texten zitieren, um zu zeigen,
wie das "wording" dieser Dokumente ist. Der IBFG hat festgehalten:
"Militärische Mittel allein werden den Kampf gegen den Terrorismus
nicht gewinnen und dieser Kampf ist nicht auf ein Land beschränkt".
Der EGB hat ganz kurz fomuliert: "Wie auch immer, Militäraktionen
allein werden den Terrorismus nicht erfolgreich bekämpfen".
Über dieses Wort "allein" ist im EGB diskutiert worden. Nach
Meinung des Sekretariats war aber schon Ende September klar, dass
der Krieg eine wahrscheinliche Reaktion auf die Terrorattentate
sein wird. Eine Stellungnahme gegen den Krieg wäre daher Realitätsverleugnung
und außerdem unsolidarisch gegen die KollegInnen in den US-amerikanischen
Gewerkschaften. In den Stellungnahmen wurde aber vor allem deutlich,
dass man politische, soziale und ökonomische Lösungen
zur Vermeidungen solcher Konflikte suchen muss. Der EGB forderte
die EU deutlich auf, dabei eine wichtige Rolle zu übernehmen
beziehungsweise auch, eine internationale und soziale Lösung
zu suchen. Er sagt ganz deutlich zu den verteilungspolitischen Aspekten:
"Durch eine substantielle Reduktion der Auslandschulden, vermehrte
Entwicklungshilfe und besseren Zugang zu Europäischen Märkten
für die Länder der dritten Welt". Auch der IBFG betont
konkret die Notwendigkeit eines internationalen Vorgehens gegen
Geldwäsche, die Notwendigkeit von Regulierungen und Transparenz
auf den Finanzmärkten.
Wie verhielten sich die amerikanischen Gewerkschaften,
insbesondere AFL/CIO?
Die amerikanischen Gewerkschaft haben die militärischen Pläne
von Präsident Bush voll unterstützt. Sie haben dabei mit
einem gewissen Pathos von einer Verteidigung der Nation gesprochen.
In der Terminologe haben sie damit den Ton der offiziellen Statements
übernommen. Gleichzeitig haben sie stark die Einschränkung
von Bürgerrechten in den USA kritisiert. All das muß
man vor dem Hintergrund von etwa Siebenhunderttausend angekündigten
Entlassungen im Land sehen, vor steigenden Arbeitslosenziffern und
dem Umstand, dass von der Regierung Bush keine adäquaten Maßnahmen
gegen den Wirtschaftseinbruch getroffen werden. Ganz im Gegenteil:
Die Regierung Bush führt ein massives Steuerentlastungsprogramm
für die Mittel- und Großverdiener durch ....
Haben die österreichischen Gewerkschaften ebenfalls
Position bezogen?
Die Gewerkschaft der Privatangestellten hat sehr deutlich gegen
diesen Krieg Position eingenommen. Und die ÖGB-Frauen haben
in ihrem Bundesgremium zur Situation der Frauen in Afghanistan Stellung
bezogen.
Die GPA hat in einer Resolution unter dem bezeichnenden Titel "Aufstehen
für den Frieden" einen sofortigen Stopp der Bombardements gefordert,
denn - ich zitiere wörtlich, weil ich die Aussage für
bemerkenswert halte - "Bomben bringen keine Lösung, sie bringen
weitere Gewalt, Terror und Zerstörung. Von Gut gegen Böse,
von Kampf der Zivilisation gegen den Terror wird dabei gesprochen.
Eine selbst ernannten Zivilisation, die ruhig zuschaut, wie Tausende
Menschen weltweit an Hunger und einfachsten Krankheiten zugrunde
gehen. Die Reichen werden weltweit reicher, die Armen immer ärmer,
das Ungleichgewicht ist dramatisch und der Nährboden für
Unsicherheit. Sicherheit hat immer etwas mit sozialer Sicherheit
zu tun".
Gibt es zwischen diesen kontroversiellen Positionen
überhaupt etwas Verbindendes?
Bei aller Verschiedenheit sind sich alle GewerkschafterInnen einig,
dass es wirtschaftliche Gründe für den Hass auf die USA
beziehungsweise die Solidarisierungseffekte in der islamischen Welt
mit den Taliban gibt. In Osama Bin Laden - das stellen alle fest
- haben die verarmten Massen oder auf Neudeutsch gesagt, die Modernisierungs-Verlierer,
einen Helden gefunden, der das alte Versprechen einer gewaltsamen
Selbstbefreiung zu einem Rachefeldzug umgemodelt hat. Alle stellen
auch fest, dass dieser "Held" über ein starkes finanzielles
internationales Netzwerk verfügt, das nicht von Ungefähr
kommt: politische und ökonomische Gründe - insbesondere
die Liberalisierung der Finanzmärkte - haben das Entstehen
dieses Netzwerkes begünstigt. Ich denke, dass auch alle sich
darüber einig sind, dass sowohl die Attentate als noch mehr
der Krieg für die Zivilbevölkerung verheerende Folgen
haben.
Alle GewerkschafterInnen befürchten ausserdem, dass es unter
dem "heading" 11. September Rationalisierung in den Betrieben gibt,
die vorher nicht oder nur schwer durchsetzbar waren. Gerade in der
Flugbranche bestätigen sich diese Befürchtungen.
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