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New Public Management.
Public? New? Management?
Vielleicht wird es einmal in ferner Zukunft eine
Legende geben, die so ähnlich heißt: "Wie das New Public
Management in die Welt kam".
Von Gerhard Winter. >> Info
zum Autor
Ich kann mich an kein Datum erinnern,
an kein bestimmtes Ereignis, aber es war auf einmal da. So wie Fernsehen,
Autos und Handys die Welt überschwemmt haben. Dunkel hängt
es in meiner Erinnerung mit dem Wort "Sparen" oder "moderne Verwaltung"
zusammen. Was ist schon modern? Wer sagt, was modern ist? Und was
wird gespart und wo? Wer legt die Kriterien dafür fest?
Tatsächlich ist die Sinnhaftigkeit der Sparhysterie weit
weg gerückt von den Wählerinnen und Wählern und ihrer
Einflussnahme. Interessant daran ist, dass mit den Worten "Sparen"
und "modern" offensichtlich ein immer schon da gewesener Schalter
in den Gehirnen umgelegt werden konnte. "So gehts ja wirklich
nicht weiter" oder "Sparen müssen wir ja wirklich" sind nur
einige Redewendungen einer breiten Palette an Akzeptanz. "Abrakadabra
sparen", "Abrakadabra moderne Verwaltung" und schon ist vieles erklärt,
ohne dass nachgefragt wird.
Gerade im Magistrat zeigt sich aber, dass New Public Management
(NPM) mit all seinen Begleiterscheinungen hauptsächlich aus
Schlagworten besteht.
Beispiel "SAP"
Ich kann mich an die Einführung von SAP erinnern, an die prognostizierte
riesige Ersparnis, die damit angekündigt wurde. Ist davon irgendetwas
eingetroffen? Es gibt auch keine genauen Analysen oder Expertisen
(warum hat eigentlich die Gewerkschaft nicht eine erstellen lassen?),
wo und wann die Einsparungen zu erzielen wären. Gerade eine
Kosten-Nutzen-Rechnung, die so eine Art Zauberformel für alles
gilt, wurde für so ein großes Projekt wie SAP unterlassen.
Ursprünglich fanden sich im Intranet unter dem Suchbegriff
"SAP" hauptsächlich Kosten, die angefallen sind (Gemeinderatsprotokolle).
Nicht eingerechnet waren jene Ressourcen, die an Personal- und Zeitaufwand
anfielen. Anfängliche Ironie wird in puren Zynismus umschlagen,
wenn all die Menschen, die an der Einführung von SAP brav mitgearbeitet
haben, dann vielleicht in der Folge durch den Einsatz von SAP wegrationalisiert
werden.
Beispiel "MOG" und "Leitbild"
Wie beim Bund soll das "MitarbeiterInnenorientierungsgespräch"
(MOG) flächendeckend eingeführt werden. Gespräche
sind immer zu befürworten (besonders dann, wenn sie die Kluft
zwischen den Hierarchien schmälern können), aber ihr Sinn
sollte nicht einfach verpuffen. Im MOG werden Zielvereinbarungen
und Fördermassnahmen getroffen. Es wird sich zeigen, ob durch
diese "konkreten" Vereinbarungen ein Motivationsschub erfolgen kann.
Studien beim Bund haben ein Manko bei der Durchführung der
in Aussicht gestellten Förderprogramme ergeben. In solchen
Fällen ist eher Demotivation zu befürchten. Im Gespräch
werden Ziele festgelegt. Um das überhaupt bewerkstelligen zu
können, braucht die Dienststelle ein Leitbild. Derzeit wird
im Magistrat an unzähligen Leitbildern gearbeitet - das funktioniert
je nach Dienststelle besser oder schlechter. In manchen Dienststellen
herrscht Offenheit - die MitarbeiterInnen werden von Beginn an in
die Erstellung des Leitbildes miteinbezogen - in anderen nicht.
Da hat man/frau eher das Gefühl, alles soll möglichst
heimlich vor sich gehen, die MitarbeiterInnen sollen so spät
wie möglich von "ihrem" Leitbild erfahren. Ein Bumerang möglicherweise,
hat es sich doch gezeigt, dass von oben "angeordnete" Leitbilder
von den MitarbeiterInnen nicht oder nur spärlich akzeptiert
werden. Generell kann man keine einheitliche Linie erkennen; die
MD-BC bietet zwar für Projekte des NPM Hilfe und Unterstützung
an, aber ein Leitfaden für die Dienststellen, der anzuwenden
ist, existiert nicht. Die Mitarbeit der Personalvertretung bei diesen
Projekten wird von der MD-BC zwar empfohlen, aber eine Weisung kann
nicht erteilt werden (warum eigentlich nicht?).
Von der Organisationsanalyse zu NPM
Startschuss für den Siegeszug von NPM war die Organisationsanalyse
im Magistrat der Stadt Wien. Vom politischen Partner gefordert -
wir erinnern uns, Vizebürgermeister Görg hat diese Maßnahme
zur Bedingung der Koalition gemacht, war diese Analyse von Anfang
an nicht auf Objektivität ausgerichtet. Es wurden nicht alle
Dienststellen von der Durchleuchtung betroffen und, was noch wichtiger
scheint, die Ergebnisse führten nicht zu einem zwingenden politischen
Handlungsbedarf. Das "Licht ins Dunkel" war also nur eine mehr oder
weniger gelenkte Angelegenheit. Wollte man wirklich etwas grundlegendes
verändern, so hätte man sich zuerst die Strukturen der
Hierarchie im Magistrat ansehen müssen. Solange das nicht geschieht,
werden moderne Konzepte scheitern. Die alte Hierarchie wird das
Neue schlucken, wiederkäuen und alt ausspeien.
Heute alles billiger
Noch einmal zurück zum Sparen. Gespart werden soll vor allem
im Personalbereich. Ein Bereich, der nicht wegzuleugnen ist, aber
man sollte das nicht als Mittel zum Zweck erheben und als Allheilmittel
sehen. Mit Kürzung der Personalkosten alleine lässt sich
keine Verwaltungsmodernisierung durchführen. Abgesehen davon,
dass bei radikaler Streichung von Dienstposten die Frage offen bleibt,
wohin diese Menschen abgeschoben werden sollen. Die Privatwirtschaft
liefert ja nicht gerade leuchtende Beispiele (siehe Conti) für
eine Reduzierung der Arbeitslosigkeit. Und die Ausrede, man besetze
Dienstposten halt nicht nach, ist mehr als durchsichtig. Irgendwie
tut man so, als wären die Arbeitsplätze dann nicht verloren,
wenn "nur" nicht nachbesetzt wird.
Auf der anderen Seite sehe ich, wie ganze Heerscharen von Managern
und Controllern ausgebildet werden und ich frage mich, wen sie einmal
- nach den Personalkürzungen - managen und "controllen" werden?
Ich gebe auch zu, mein Vertrauen zu den "Big Managern" ist gering.
Ein paar Mal habe ich jetzt die Strategie von ihnen in den ZiB 2s
und ZiB 3s verfolgen können. Der alte Vorstand wurde
- manchmal sehr teuer - abgelöst, der neue tritt auf und verkündet:
erstens Personalkürzung, zweitens Leistungskürzung und
drittens Erhöhung der Preise für die Leistungen. Aha,
denke ich mir, so gescheite Leute ... na ja, kein Wunder, die haben
ja lange Jahre Wirtschaft studiert!
Was ich meine ist, dass das kein Konzept sein kann, aber es ist
offensichtlich eines. Den empörten Aufschrei vermisse ich.
Vielleicht deshalb, weil ich jetzt schon zu oft Sätze wie "na
muss eine kaputte Straßenlampe wirklich am selben Tag gewechselt
werden" oder "leeren wir die Mistkübel nicht wirklich zu oft
aus" gehört habe.
Manche scheinen da Leistungs- und Preisbewusstsein mit billig im
Sinne von billig um jeden Preis zu verwechseln. So wie am Flohmarkt
die Händler ihre 4th-Hand-Textilien mit "heute alles billiger"
anpreisen. Dementsprechend ist auch die Qualität! Ein Konzept
für Wirtschaftlichkeit kann das nicht sein.
Quo vadis Personalvertretung?
In Zeiten des NPM hatte ich öfter den Eindruck, die Personalvertretung
hat teilweise ihre Identität verloren. Der Riese NPM steht
bedrohlich da und es bleibt die Frage, wie man ihm am besten begegnet.
Dagegen sein? Mitarbeiten? Zustimmen? Nicht vereinfacht wurde die
Situation durch die Tatsache, dass immer mehr Entscheidungen direkt
auf die Dienststellen und damit auch auf die örtlichen Personalvertretungen
übergingen. Das hat durchaus auch sein Gutes - vorausgesetzt
die Zusammenarbeit mit der Dienststellenleitung funktioniert - aber
die Gefahr liegt eben auch in diesen vielen Einzellösungen,
wo jeder versucht, das beste für sich und seine Ideen herauszuholen.
Aber einem so dicken Brocken wie NPM kann man nicht nur in Bereichen
begegnen. Da ist eine Ideologie gefordert, ein Gegenmodell zu dem
ganzen Hintergrund und den Folgewirkungen, die NPM begleiten.
Ich bin nicht der Meinung, dass die PersonalvertreterInnen jetzt
zu Wirtschaftsexperten ausgebildet werden müssen, zu Controllern
oder anderen SpezialistInnen des NPM. Da werden wir denen hinterherhinken,
die das schon lange gelernt haben und praktizieren. Wir sollten
überlegen, was NPM für die Kolleginnen und Kollegen bedeutet,
für ihre Familien, für die anderen Menschen. Ist das die
Entwicklung, die wir uns wünschen? Kann man uns eine Änderung
aufzwingen, nur weil sie angeblich Geld spart? Geld, das von uns
allen kommt und die daher auch entscheiden können sollten,
was damit geschieht.
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