Schlaflose Nächte
Die Zeiten waren nie rosig, wenn es um strukturelle
Benachteiligung von Frauen, Migrantinnen, Armut, Ausgrenzung und
Diskriminierung geht. Nun wissen wir: es kann immer noch schlechter
werden.
Von Anneliese Erdemgil-Brandstaetter.
Am 9. Juli 2001 hatten Vertreterinnen
der "Schlaflosen Nächte" einen Gesprächstermin mit Minister
Haupt. Die "Schlaflosen Nächte" sind jene Interessenvertretung,
in der österreichweit 180 Frauen- und Mädcheneinrichtungen
vernetzt sind.
Selbstverständlich würde kein Mitglied dieser Regierung
offen aussprechen, daß politische Willfährigkeit ein
Kriterium für die Mittelvergabe darstellt. Daher lautet die
Diktion: Es sollen weiterhin Frauenservice- und Beratungsstellen
finanziert werden. Eine Richtlinie dazu ist in Ausarbeitung. Nur:
zunächst wird eine Evaluierung vorgenommen, diejenigen, die
in der internen Begutachtung nicht bestehen (und die Begründungen
dafür können mannigfaltig sein, fast bin ich versucht
zu sagen: beliebig), erhalten künftig keine Förderungen
mehr.
Und: von den bestehenden Einrichtungen innerhalb der "Schlaflosen
Nächte" fallen einige erst gar nicht unter die neue ministerielle
Schwerpunktsetzung. Dies trifft etwa die feministischen Medien und
Kulturprojekte (die neigen nämlich dazu, besonders unbequem
zu sein), deren Anträge bereits heuer abgelehnt wurden.
Weiters hörten wir, daß unsere alte Forderung nach langfristiger
finanzieller Absicherung der Einrichtungen in Form von geplanten
Fünf-Jahresverträgen erfüllt werden soll. Vorbei
das Zittern - oft bis in den Herbst hinein - ob die beantragten
Förderungen auch kommen werden. Vorbei die Angst, wegen der
angelaufenen Mietkosten und Gehaltszahlungen einen Konkurs anmelden
zu müssen. Nur: ganz aus und vorbei für jene, die nicht
zu den auserwählten Vorzeigeprojekten gehören werden.
Innovativ zeigt sich der Herr Frauenminister auch: Jedenfalls sollen
(bei gleichbleibendem Budget) auch neue Projekte und Einrichtungen
gefördert werden. Dass da nicht gleichzeitig der Status Quo
erhalten werden kann, versteht sich bei Beherrschung der Grundrechnungsarten
von selbst.
Im Bereich "Frauen und neue Technologien" etwa herrscht zur Zeit
Goldgräberstimmung. Dass nun viele in diesen neu entstandenen
lukrativen Bereichen ihr Glück versuchen, die sich zuvor noch
nie um frauenspezifische Fragen geschert haben, mag schon sein.
Und dass Gewalt gegen Frauen oder weibliche Armut halt nicht innovativ
sind, ist vielleicht ein angenehmer Nebeneffekt. Wo doch der Herr
Frauenminister im Zusammenhang mit Frauenhäusern wörtlich
von "Hospitalisierung" und notwendiger "Resozialisierung der Frauen"
spricht.
Selbstverständlich haben wir von den "Schlaflosen Nächten"
nicht vor, uns dieser "Teile-und-herrsche-Politik" stillschweigend
zu unterwerfen. Der Herr Minister hat schon recht kalkuliert, daß
es schwierig wird, in einer Situation, in der wir in Gewinnerinnen
und Verliererinnen aufgespalten werden, solidarisch zu handeln.
Und natürlich wollen wir unseren Kampf so lang wie möglich
nicht auf dem Rücken der Frauen austragen, die unsere Einrichtungen
in Anspruch nehmen. Trotzdem sei Herrn Haupt hiermit ausgerichtet,
daß wir all unsere Kraft und Kreativität darauf verwenden
werden, so viele Einrichtungen und Initiativen wie möglich
durch den politischen Winter zu bringen.
Den Medien sowie der zunehmend verstummenden kritischen Öffentlichkeit
hingegen sei ausgerichtet: Das wird nicht genug sein!
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