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Not for sale!
Vom Widerstand, der sich gegen den Verkauf der
Grazer Stadtwerke in der Bevölkerung regt erzählt Susi
Haydvogel.
Unsere Stadtwerke sollen verkauft werden.
Gewiss kein Einzelfall, denn weltweit wird das kommunale "Tafelsilber"
verscherbelt, die wichtigen Dinge und Dienstleistungen der Daseinsvorsorge
multinationalen Konzernen überlassen. Und doch sind es in Österreich
die ersten Stadtwerke, bei deren Verkauf sich massiverer Widerstand
seitens der Bevölkerung regt.
Das überparteiliche Komitee "Für unsere Stadtwerke -
Privatisierung NEIN!" ist schon seit Wochen aktiv und sammelt Unterschriften
von wahlberechtigten Grazerinnen und Grazern gegen den Verkauf.
Nach dem steirischen Volksrechtegesetz muss sich bei mehr als zehntausend
solcher Unterschriften der Gemeinderat mit dem Verkauf bzw. Nicht-Verkauf
beschäftigen. Tagtäglich stehen AktivistInnen auf der
Straße, sammeln Unterschriften und diskutieren mit der Bevölkerung.
Waren es anfangs vorwiegend ältere Leute, die zum Unterschreiben
kamen, so kommen jetzt auch mehr und mehr junge Menschen, die ihren
Unmut gegen den beabsichtigten Verkauf durch ihre Unterschrift zum
Ausdruck bringen. Der Widerstand geht quer durch alle Bevölkerungsschichten,
der Einfluss der Medien ist erkennbar: So war nach einem Anti-Privatisierungs-Artikel
in der Kronen-Zeitung der Zulauf an UnterschreiberInnen deutlich
größer. Die Menschen scheinen über die Privatisierungs-Problematik
von Tag zu Tag besser informiert zu sein.
Totalabverkauf
Hundert Prozent des Energiebereichs der Stadtwerke (Strom, Gas,
Fernwärme) sollen verkauft und das Geld aus dem Erlös
dann am Kapitalmarkt veranlagt werden. Die Zinsen sollen das Defizit
der Verkehrsbetriebe abdecken. Der Rest der kommunalen Betriebe
soll folgen und auch andere Bereiche der Kommune: Vorsichtshalber
hat man bereits das Stadtgartenamt, das Straßenbauamt und
den Wirtschaftshof ausgegliedert, Chef des neuen Gebildes wurde
ein Manager der Müll-Firma Saubermacher. Dass der Vertrag für
die Experten, die im sogenannten "Weisenbericht" den Verkauf des
Energiebereichs empfehlen, eine besondere Grazer Spezialität
ist, fällt nicht nur Privatisierungsgegnerinnen auf: "Hansjörg
Tengg und vier Expertenkollegen kassieren für die Grazer Partnersuche
nicht nur fünfzehn Millionen Schilling Fixum, sondern auch
einen kräftigen Anteil am Kaufpreis" schreibt das Wirtschaftsblatt
am 12. April 2001 unter dem Titel: "Stadtwerke Graz - Guter Deal
für den Weisenrat". "Über die gemeinsame Firma UCG Unternehmensforschung
GmbH lukrieren die fünf Weisen fünfzehn Millionen Schilling
plus 0,35 Prozent des Verkaufspreises bei einer etwaigen Privatisierung.
Wobei sie das Fixum für jenes Gutachten erhalten, mit dem sie
selbst über die Notwendigkeit einer Privatisierung urteilen
sollen (empfehlen sie diese nicht, gibt es bloß drei Millionen
Abschlagszahlung)." Beim Verkauf des Energiesektors werden - bei
einem angenommenen Kaufpreis von sechs Milliarden Schilling - für
die Gutachter immerhin noch weitere 21 Millionen abfallen. Der entsprechende
Antrag im Vergabeausschuss wurde übrigens von einem SPÖ-Gemeinderat
gestellt, der auch Sekretär der Stadt-SPÖ ist.
Bewerber
Die fünf Weisen tingeln durch die Gemeinderat-Clubs und versuchen
zu überzeugen: Verkauft solle möglichst schnell werden,
nur jetzt könne man Höchstpreise erzielen.
Obwohl der Gemeinderat noch nicht über einen Verkauf entschieden
hat soll er bereits am 5. Juli den zweiten Teil der Prozedur beschließen:
Die Auswahl des Käufers. Die Nachfrage soll groß sein,
verschiedenste Konzerne sind als Käufer im Gespräch: Die
deutsche E.ON, Europas größte private Kernenergiegesellschaft
- mit elf Atomkraftwerken - die sich zur Zeit auch heftig um die
OMV bemüht und die schwedische AKW-Betreiberin Vattenfall,
die im Jahr 2000 ein Modernisierungsprogramm des AKW Ringhals wegen
des sinkenden Strompreises aus Ersparnisgründen nicht verwirklicht
hat. Weiters der deutsche Atomriese RWE, der gerade die Kärntner
Kelag erworben hat und der US-Energie- und Wasser-Multi Enron. Als
Favoritin wird die ESTAG gehandelt, der französische Staatsbetrieb
EdF- Electricité de France ist an diesem steirischen Energieversorger
mit fünfundzwanzig Prozent und einer Aktie beteiligt. Die EdF
ist einer der verschuldetsten Konzerne der Welt, betreibt in Frankreich
58 AKW und sitzt auf Unmengen von Atomstrom. Die ESTAG braucht dringend
die zweihundertzwanzigtausend Kleinkunden der Grazer Stadtwerke,
auch weil auf dem liberalisierten Strommarkt die Großkunden
mit Dumpingpreisen abgeworben werden und die Kleinkundenpreise nicht
viel gesenkt werden.
Parteien
Der Widerstand wächst, darum soll der Deal noch in den Sommerferien
über die Bühne gehen. Immerhin sind im Jahr 2002 auch
Gemeinderatswahlen in Graz. Die ÖVP befürwortet den Verkauf,
redet aber nicht viel darüber. Die FPÖ hat sich offen
dafür ausgesprochen, ist aber sonst auch recht schweigsam.
Was die SPÖ betrifft, so propagiert sie eine Lösung, die
den Verkauf von fünfundzwanzig Prozent der gesamten Stadtwerke
plus einer Aktie (=Sperrminorität) beinhaltet. Diese Variante
hat wahrscheinlich wenig Chance, auch weil das Gutachten den Wert
des Gesamtunternehmens viel schlechter benotet als den des Energiesektors
alleine, ohne die defizitären Geschäftsbereiche wie die
Verkehrsbetriebe.Die AUGE hatte bereits im Herbst 2000 bei der Arbeiterkammer-Vollversammlung
einen Antrag gestellt, die Privatisierung der Grazer Stadtwerke
abzulehnen. Dieser Antrag wurde in den entsprechenden Ausschuss
verwiesen, wo dann SP-Stadtwerke-Betriebsräte dagegen auftraten.
Heute unterstützen sie die Plattform, einige sind dem Komitee
beigetreten. KPÖ und Grüne sind gegen einen Verkauf, der
letzte Vertreter des LIF im Gemeinderat ebenfalls. Die Stimmung
unter den Stadtwerke-Bediensteten ist entsprechend schlecht, öffentliche
Aktivitäten von Seiten der Gewerkschaft sind zwar angekündigt
worden, aber bis jetzt noch nicht zu erkennen.
Die zehntausend Unterschriften sind schon fast erreicht, der Kampf
geht weiter.
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