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--- Original Message --- ---

From: Ekkehard Muther

To: Lehrerforum

Sent: Thursday, May 17, 2001 11:04 PM

Subject: unabhängige gewerkschaft

Heute Abend wurde in Dornbirn die Unabhängige Bildungsgewerkschaft gegründet. Das 25-köpfige Proponentenkomitee, schultypenübergreifend und aus allen Landesteilen, wird binnen schicklicher Frist ein Statut bei der Vereinsbehörde einreichen, ein Konto eröffnen und eine Rechtsschutzversicherung abschließen.

Die neuen Gewerkschaft wird sich durch weitgehende demokratische Mitbestimmungsrechte der Mitglieder, durch Offenheit und Parteiunabhängigkeit von der Obrigkeitsgewerkschaft GÖD unterscheiden.

Die Unabhängige Bildungsgewerkschaft steht allen offen, die in Österreich in einer Bildungseinrichtung arbeiten. Vorläufig - bis genaue Kalkulationen vorliegen - wird der Mitgliedsbeitrag öS 235,- betragen.

Beitrittserklärungen werden in den kommenden Tagen versandt. Ein- und Übertritte sind ab kommendem Dienstag, am Tag nach der mehrheitlichen Ablehnung des Vorarlberger Streiks durch den GÖD-Zentralvorstands möglich. Tretet ein.

Gruß
Ekkehard Muther

 

Stellungnahme, #1

- gemeinsame Bildungsgewerkschaft statt behauptetem oder tatsächlichem Gegeneinander und Nebeneinander von verwandten Gewerkschaften bzw. Sektionen
- demokratische Basis-Initiative, selbstbestimmende Mitglieder, laufende Information und Mobilisierung statt abgehobener Gremial- oder intransparenter (im Fall der GÖD: FCG-) Vorsitzendenpolitik
- Bereitschaft zum Führen von Arbeitskämpfen gegen einen neoliberal-arbeitnehmerInnenfeindlichen Dienstgeber statt de facto Einverständnis mit Dienstpostenabbau, Privatisierung, Ausgliederung, Flexibilisierung, Einkommensverlusten, Pensionsabbau

Wie wär’s mit einer Anerkennung dieses Reformversuches durch den ÖGB? Glück auf!

 

Reinhart Sellner, Schopenhauerstraße, UG-Mitglied der BSL AHS + aktiv im Aktionskomitee Henriettenplatz

Stellungnahme, #2

Gegen die Ablehnung des Vorarlberger Lehrerinnenstreikantrages durch die GÖD! Glück auf der neugegründeten Unabhängigen Bildungsgewerkschaft (UBG)! Glück auf der Oppositionsarbeit in der FCG-dominierten GÖD!

Die regierungskonforme 51:32 oder 54:32 Ablehnung des Vorarlberger Streikantrages durch die FCG-GÖD-Mehrheit im Zentralvorstand der GÖD am 21. Mai 2001 (mit ARGE-LehrerInnen-Vorsitzender Skala, BMHS, als Chefredner für die Ablehnung) ist ein Faktum, ungewohnt und neu sind allerdings die 32 FSG- und UG-Gegenstimmen. Der erfolgreiche FCG-Gegenantrag, in dem wieder einmal folgenlos die Kampfbereitschaft gegen Kündigungen beschworen und Dienstpostenabbau, Arbeitszeiterhöhung und Einkommensverluste ignoriert werden. Ebenso Faktum ist die Gründung der (Regierungs-)Unabhängigen Bildungsgewerkschaft (UBG).

Der Schritt aus aus der GÖD und in die UBG ist für viele KollegInnen nach oft jahrelangen negativen Erfahrungen in der GÖD naheliegend, nicht nur in Vorarlberg. Oppositionelles Weiter-Arbeiten in der GÖD ist dazu kein unauflöslicher Widerspruch, auch wenn eine und einer als Person nur das eine oder das andere tun kann. Im ÖGB und in der GÖD ist bisher über demokratische und Strukturreformen nur folgenlos geredet worden, vielleicht bringt die Neugründung endlich kämpferische Bewegung in GÖD und ÖGB: Glück auf, UBG!

In der GÖD (noch) bleiben macht meiner Meinung nach nur Sinn in Zusammenarbeit mit den gewerkschaftsunabhängigen Initiativen (in Wien das "Aktionskomitee Henriettenplatz" + Vernetzungen, in OÖ "Bildung kostet", in der Steiermark, in Kärnten ... und von Vorarlberg ausgehend seit wenigen Tagen die UBG). In der GÖD bleiben, heißt als an der Schule verankerte GBA-VertreterInnen weiterhin aktiv zu sein, denn GBAs sind zur Zeit nicht nur in Wien ein wesentlicher basisgewerkschaftlicher Aktivposten in den Vernetzungen zur Organisierung des Boykotts der "Mehrtägigen". Auch als BSL-Opposition gegen den FCG-Regierungskurs zu arbeiten, Arbeitskampfmaßnahmen zu unterstützen und Informationen weiterzugeben, macht für mich Sinn, wenn und solange die Zusammenarbeit mit den Initiativen gegen BBG und LDG-neu, gegen die rabiaten unsozialen Entstaatlichungs-Pläne, Deregulierung, Privatisierung, hire & fire als MitarbeiterInnenmotivation in den vormals öffentlichen Bildungseinrichtungen (Raschauers Industriellenvereinigungs-kompatible "Aufgabenreformkommission") gelingt.

Gemeinsam sind wir stark. IV-Regierungspolitik und FCG-Regierungsgewerkschafter sind unsere Gegner - die von dieser neoliberalen Wende-Politik und einer ihr widerstandslos zuarbeitenden Gewerkschaftspolitik (nicht nur der GÖD) Mit-Betroffenen sind unsere Kolleginnen Verbündete. Wir sind Gewerkschaft. Wir lernen im Gehen!

 

Reinhart Sellner

Wir sind Gewerkschaft

Wir, die BasisaktivistInnen des Aktionskomitees Henriettenplatz, haben die eigentlichen Aufgaben der Gewerkschaft, die von unserer Gewerkschaftsführung nicht wahrgenommen werden, nämlich die Interessensvertretung der KollegInnen, längst übernommen. Wir haben nicht nur den entschlossenen Kampf gegen Budgetbegleitgesetz und Jahresnormmodell aufgenommen, die KollegInnen informiert und mobilisiert und somit ganz wesentlich zum AHS-Streik im Dezember 2000 beigetragen, wir haben auch eine Demokratisierung "unserer" Gewerkschaft angestrebt. Bisher vergeblich. Diese Gewerkschaft wird von vielen nicht mehr als die "unsere" angesehen. Urabstimmungen, die in ihren Modalitäten zur Farce verkommen, Zurückhalten von Informationen und Verwirrspiele sowie Rundumschläge gegen KritikerInnen prägen den gewerkschaftlichen Alltag.

Ebenso, wie sich unsere Gewerkschaftsführung dem Kampf für unsere Interessen entzieht, ebenso verweigert sie sich auch Forderungen nach einer Demokratisierung. Die Einrichtung einer Wiener Landessektion AHS wurde bereits zweimal (!) einstimmig (!) auf Bundessektionstagen beschlossen, geschehen ist bisher nichts. Wenn wir darauf warten, dass die GÖD-Spitze uns eine (womöglich "von oben" eingesetzte) LSL "beschert", werden wir alt.

Nehmen wir es daher selbst in die Hand: Berufen wir eine Wiener Delegiertenkonferenz (gewählte Delegierte aller Schulen nehmen an der Wahl teil) ein und wählen wir uns unsere Landessektionsleitungen selber!

Wir AktivistInnen vom Henriettenplatz und viele andere Aktive haben kämpferischen Geist und Legitimität zur Genüge unter Beweis gestellt; stellen wir aus unseren eigenen Reihen (aus allen Fraktionen) KandidatInnen für eine solche Wahl auf! Und fordern wir nach erfolgter Wahl die Anerkennung der von uns - von der Basis - gewählten VertreterInnen durch die GÖD!

Diskutieren wir am Henriettenplatz diese Vorschläge und machen wir Wien zu Vorarlberg!

 

Bildungsdemo: 9. Mai, Linz

Nicht nur in Vorarlberg gärt es. Zu einer deutlichen Kundgebung gegen alle Kürzungen im gesamten Bildungsbereich fanden sich am Mittwoch, 9. Mai 2001, Vertreter von Schülern, Studenten, Lehrern und Eltern in Linz zusammen und demonstrierten beim Landesschulrat und der Gewerkschaftszentrale Öffentlicher Dienst. Die Polizei zählte offiziell 1250 Teilnehmer, der Straßenbahnverkehr kam eine Stunde zum Erliegen.

Neben Studiengebühren und Angebotskürzungen an Schulen stand die Haltung der Beamtengewerkschaft im Mittelpunkt der Kritik. Die Redner der Lehrerschaft kritisierten, dass ihnen die eigene Gewerkschaft in den Rücken falle und dem Dienstgeber die Mauer mache. Verstärkung bei den Rednern hatte sich das "Netzwerk Bildung kostet" aus Vorarlberg geholt, wo alle Lehrersektionen den Streik einfordern. Von Schülerseite wurde bemängelt, dass sich in Zukunft nur mehr die Kinder begüterter Eltern ein qualifiziertes Studium leisten könnten und die Rücknahme der Studiengebühren gefordert.

In Oberösterreich hat sich der Widerstand gegen die Kürzungen im Bildungsbereich im "Netzwerk Bildung kostet" gebündelt, das überfraktionell agiert und den Bereich aller vom Bildungswesen Betroffenen umfasst, vom Kindergarten bis zur Universität.

Bei gleichbleibender Regierungshaltung rollt die nächste Demonstration im kommenden September.

Netzwerk Bildung c/o Wilfried Mayr, Im Schmidgarten 4, 4284 Tragwein, (07 2 63) 88 2 74